Über @skoobe_de habe ich dieses Schätzchen gelesen.
Mit klarer Sprache spricht die Autorin über die Sucht zum Alkohol und wie unsere Protagonistin Helena es zum funktionieren nutzt. Viele wichtige Themen werden in dem Buch nur angerissen, was auf die Seitenzahl von 185 im Print zurückzuführen sind. Doch die Themen wie Machtmissbrauch, sexueller Missbrauch und auch das Leben einer Alkoholsucht umgeben vom Alkohol werden hier angeschnitten und mal mehr, mal weniger bearbeitet.
Das Buch hat mich sehr niedergeschlagen zurückgelassen. Hier trifft man auf Wahrheit und prure Realität. Sehr ehrliches Buch.
4/5 ❤️
Hier der Klappentext:
Helena trinkt nicht, um zu vergessen.
Sie trinkt, um zu funktionieren.
Sie ist beruflich erfolgreich, schlagfertig, sensibel. Nach der Reha kehrt sie zurück in ihren Alltag aus Medienbetrieb, Events, Dates und subtiler wie offener Grenzüberschreitung. Alkohol und Drogen sind überall: als soziale Schmiermittel, als Belohnung, als Flucht. Und während Helena versucht, sich selbst zu halten, prallen alte Muster, neue Begierden und unausgesprochene Erwartungen mit voller Wucht aufeinander.
. Was geschieht, wenn man dem Alkohol abschwört, doch die Welt ringsum im Rausch verharrt?
In „Gin Boom“ wird diese Frage mit leichter Hand und zugleich bemerkenswerter Tiefe entfaltet!
Ein leiser, eindringlicher Blick, der hier und da die Augen öffnet.
Ein Roman, der nachklingt, der bleibt und in vielerlei Hinsicht die Sehnsucht nach einer neuen Sicht auf die Dinge weckt. 4,5/5 ⭐️
. Aber worum geht es genau…
Helena trinkt um zu funktionieren.
Doch irgendwann wird es zu viel…
Es folgt ein Entzug, der erfolgreich war.
Doch zurück in ihrem alten Job merkt sie schnell…
nichts ist mehr wie es war!
. In Gin Boom folgen wir zunächst allein Helena durch die Handlung. Als ruhender Pol der Erzählung wird sie uns nahegebracht…
Schicht um Schicht, bis ihr Innenleben fast vertraut wirkt. Erst im weiteren Verlauf öffnen sich neue Perspektiven, die das erzählerische Gefüge erweitern und der Geschichte zusätzliche Tiefe verleihen. Fragen, die sich beim Lesen leise einschleichen, finden so nach und nach ihre Antwort.
. Doch das eigentlich Interessante liegt in etwas anderem…
in der beständigen Selbstbefragung. Unweigerlich hält man inne und fragt sich…wie hätte ich auf Helena reagiert?
Hätte ich sie verstanden, hätte ich den Mut gehabt, auf sie zuzugehen?
. Mit Gin Boom gelingt Titze ein Werk,
das gesellschaftliche Haltungen gegenüber ehemaligen Alkoholabhängigen behutsam, aber unnachgiebig hinterfragt und darüber hinaus weitreichendere Fragen aufwirft, wie…
Ist es die Leistungsgesellschaft, die Menschen in Abhängigkeiten treibt?
Sind es die Muster anderer, die uns formen? Oder liegt die letzte Verantwortung doch immer bei uns selbst, wenn wir ins Straucheln geraten?
Und so besitzt Helenas Geschichte das Potenzial, vielen die Augen zu öffnen. Auch hätte ich nichts dagegen gehabt, sie noch etwas länger begleiten zu dürfen.
. In einem zugleich leichten und schonungslos ehrlichen Ton erzählt, entfaltet der Roman eine Eindringlichkeit, die dazu motiviert ihn mühelos an einem Tag durchzulesen und doch hallt er wahrscheinlich gerade deswegen so weit darüber hinaus noch nach.
So bleibt Helena im Gedächtnis, lange nachdem die letzte Seite umgeschlagen ist. Vielleicht gerade deshalb ist Gin Boom ein Buch, das gelesen werden sollte…
um zu verstehen, dass Alkohol niemals die Lösung ist!
Ein Roman über das Aufhören. Und über alles, was dann erst beginnt.
In Gin Boom begleiten wir Helena, die nach einer Entwöhnungsbehandlung zurück ist in ihrem alten Umfeld, alte Arbeit, alte Bekannte, alte Geschichten...Sie versucht irgendwie, sich ein trockenes Leben aufzubauen und erlebt Fortschritte aber auch Rückschläge. Wir werden dabei mitten ins Geschehen geworfen und lernen relativ schnell viele Menschen und deren POVs kennen, die irgendwie eine Rolle im Leben bzw. (entfernten) Umfeld von Helena spielen. Neben dem wichtigen Thema Suchterkrankung/Rolle von Alkohol im gesellschaftlichen Leben/Nüchternheit spielen auch weitere Themen eine Rolle wie Machtmissbrauch, sexueller Missbrauch usw. Leider werden diese Themen eher nur angerissen, was bei einer Länge von ca. 180 Seiten aber auch nicht verwunderlich ist.
Mir hat Gin Boom im Großen und Ganzen gut gefallen, ich finde die Themen, die suchtkranke Menschen beschäftigen, der Aufenthalt in einer Reha und die Schwierigkeiten, die damit ja erst ihren Anfang nehmen, wirklich realistisch und eindrücklich beschrieben. Obwohl ich das Buch an einem Tag gelesen habe, fiel es mir aufgrund der Vielzahl an Personen und Wechseln der POVs zwischenzeitlich jedoch schwer zu folgen, den Anschluss nicht zu verpassen und den Zusammenhang zu erkennen. Ich glaube es hätte mir besser gefallen, wenn das Buch entweder länger gewesen wäre und dadurch für die einzelnen Themen mehr Raum gewesen wäre oder wenn sich Verena Titze auf weniger Themen beschränkt hätte (ich weiß, alles hängt miteinander zusammen aber so war es teilweise wirklich eher verwirrend). Trotz allem ein Werk, welches insgesamt sehr zum Nachdenken und Reflektieren der eigenen Handlungen anregt.