Das Buch ließ sich insgesamt sehr flott lesen. Der Stil ist historisch angehaucht, stellenweise fast märchenhaft, was mir gut gefallen hat. Für ein Kinder- oder Jugendbuch war die Sprache angenehm anspruchsvoll. Nur die vielen Begriffe aus dem Schiffsjargon habe ich nicht nachgeschlagen – das Glossar war mir zu umständlich –, aber das war auch nicht nötig. Allerdings gab es viele Wiederholungen: Begriffe, Erinnerungen an Ereignisse, die gerade erst passiert waren. Ich verstehe, dass das für jüngere Leser hilfreich ist, aber für mich wirkte es manchmal ermüdend und hat die Handlung gestreckt. Besonders in den Passagen, in denen tagelang Flaute herrschte, zog es sich etwas. Positiv daran war jedoch, dass Frust, Durst, Hunger, Krankheiten und Gestank dadurch sehr lebendig beschrieben wurden. Überrascht war ich, wie blutig manche Szenen für ein Jugendbuch waren. Gewalt, Strafen und Folter gehörten zur Epoche – umso authentischer wirkte das Ganze. Bei den Figuren war ich zwiegespalten. Der Vater blieb eine Labertasche, die Mutter spielte erst am Ende wieder eine Rolle. Geertje selbst mochte ich nicht besonders: einerseits naiv, tollpatschig und ständig im Selbstmitleid, andererseits voller Missverständnisse, die sie selbst verschärft hat. Oft hatte ich den Eindruck, dass ihr Glück und Zufälle halfen, weniger eigener Wille oder Geschick. Sie rettet jemanden, den sie selbst ins Unglück gebracht hat, sie verhindert eine Meuterei, an der sie sich eigentlich beteiligen wollte – irgendwie immer mehr rausgeredet als gehandelt. Cornelis fand ich sympathisch: das „gute Gewissen“ der Geschichte. Erst dachte ich, er könnte ein Love Interest sein, am Ende war er aber eher Bruder- oder Vaterfigur – wahrscheinlich besser so. Trotz allem habe ich mich gut unterhalten. Ich wollte sowieso mal einen Roman auf hoher See lesen – Piraten, Matrosen, historische Abenteuer – und dafür war das ein gelungener Einstieg. Dass das Buch auch noch aus den Niederlanden stammt, passte gut zu meinem aktuellen Interesse an niederländischen Autor*innen und Settings. Insgesamt würde ich solide 3 von 5 Sternen geben.
27. Sept.Sep 27, 2025
Meeresfieberby Rebecca NoldusDressler


