Einige gute Ideen, aber am Ende eine große Red Flag
Ich glaube, das Buch habe ich nur zu Ende gelesen, weil er ziemlich kurz ist. Und weil ich dachte, der Plottwist überrascht mich noch. Dem war aber leider nicht so. Ich fange mal mit den guten Ideen an, die das Buch hatte, die aber nicht wirklich gut zu Ende geführt wurden. Anfangs wird das Buch (in Tagebuchform) rückwärts erzählt. Interessantes Konzept, aber leider war die Timeline komplett wirr, weil die Protagonistin sich zwischendurch dann auch noch erinnert hat an Situationen vor Tag 0, die aber stilistisch gleich geschrieben waren. Außerdem gab es einige Logikfehler. Beispielsweise hat wurde am Anfang des Buches ein Nebencharakter vorgestellt, den sie später (also eigentlich vorher) schon mal vorgestellt hatte. Was ich auch mochte waren die Referenzen, vor allem auf andere Bücher, die dann auf Metaebene noch mal was ausgesagt haben. Dann geht's aber auch schon mit Minuspunkten los. Die Protagonistin selbst schon Red Flag, lügt die ganze Zeit und es wird nie reflektiert, sie wird teils noch als "die Gute" dargestellt. Der Love Interest soll auf Teufel komm raus eine Red Flag sein, ist ultra toxisch mit allen Flags von Gaslighting über Lovebombing bis häuslicher Gewalt. Das alles wird zwar nicht unbedingt romantisiert, aber auch nicht dem Thema entsprechend aufgearbeitet. Es wird so lax dahererzählt. Dann natürlich überhaupt das Thema "älterer Mann und Minderjährige". Muss ich nichts zu sagen. Auch hier: kaum Reflektion, kein nötiger Ernst. Eher Mittel zum Plot. Ich kann voll verstehen, dass diese Themen bei Teenagern ziehen (wäre bei mir nicht anders gewesen, ist eben die Magie des Verbotenen), aber ich frage mich immer wieder, wie erwachsene Autor*innen sowas dann so unreflektiert in ihren Büchern reproduzieren können? Der Plot selbst war vorhersehbar und teilweise super unglaubwürdig. Die Charaktere waren der Inbegriff von Stereotyp, sogar ohne einen Hehl draus zu machen ("Ich war die kluge Sophie, sie war die hübsche Sophie und sie war die sportliche Sophie" - wow). Alle Erwachsenen ahnungslos. Auf jeder zweiten Seiten hatten die Sex (nicht explizit, aber es wurde dauernd nur gerammelt). Generell waren so viele Situationen so sehr an Pretty Little Liars angelehnt, dass es einem förmlich ins Gesicht sprang (SPOILER: Schülerin und Englischlehrer, hübsche Blonde wird vermisst, evtl schwanger, Schummeln bei Prüfungen, ein geheimes Tagebuch, eine anonyme SMS - vielleicht von Allison-äh ... Sophie natürlich...) Ich weiß genau, dass ich mir das Buch damals bestellt hab, weil ich was Ähnliches wie PLL haben wollte. So ähnlich aber auch wieder nicht. (Ich weiß, PLL ist genauso 'ne große 🚩) Nach 10 Jahren hab ich dieses Buch nun von SuB befreit. Ich will das nicht mal ins offene Bücherregal stellen. Ich will eigentlich nicht, dass junge Menschen so was lesen und cool finden 🙈






