12. Sept.
Rating:3

Vor dem Hintergrund des Magdalenenhochwassers 1342 handelt der Roman von der Begegnung der Fährmannstochter Philippa mit dem geheimnisvollen Fremden Mathias. Schon beim Lesen der Dramatis Personae am Beginn des Romans fällt das für mich größte Problem von „Zorn des Himmels“ auf: Von zwölf Personen sind nur drei historisch belegt und diese drei spielen bestenfalls eine untergeordnete Nebenrolle. Wir haben es also ironischerweise mit etwas zu tun, was Autor Richard Dübell laut im Nachhang abgedrucktem Interview eigentlich vermeiden möchte – eine Geschichte vor historischem Hintergrund, kein historischer Roman. Und diese Geschichte ist ohne Zweifel gut erzählt, bringt aber nun auch nichts neues. Im Gegenteil, sie bringt eine Trope, die mir nun mittlerweile auch madig gemacht wurde: Die emanzipierte Protagonistin, die ihren angestammten Ehepartner hinterfragt und eine Liebelei mit einem anderen Mann anfängt. Ich möchte niemanden, gerade in der heutigen Zeit, ausreden, über starke Frauen zu schreiben, im Gegenteil. Aber ich bin überzeugt davon, dass sich auch bei Historischen Romanen andere Handlungsstränge finden lassen. Trotz dieser mittlerweile wirklich ausgelutschten Trope schafft es Richard Dübell dennoch eine spannende und auch berührende Geschichte zu schreiben. Gerade in Bezug auf aktuelle Umweltkatastrophen schockiert der Roman durch drastische Beschreibungen, die schonungslos die ungeheuren Naturgewalten darlegen. Dennoch bin ich hier zwiegespalten. Der gewählte historische Hintergrund ist brandaktuell, dennoch erscheint mir die tatsächliche Historizität hier extrem niedrig angesetzt. Da ich weiß, dass es Richard Dübell auch deutlich besser kann erscheint mir eine durchschnittliche Bewertung angemessen.

Zorn des Himmels
Zorn des Himmelsby Richard DübellLübbe
11. März
Rating:5

Wundervoll geschriebene Geschichte mit viel Historie

Richard Dübell versteht sein Handwerk. Die Geschichte handelt vor allem von Philippa und Matthias, die man neben anderen wiederkehrenden Charakteren in der Geschichte verfolgt. In jedem Kapitel verfolgt man die aktuellen Tage und Geschehnisse aus der Sicht einer anderen Person. Dadurch bekommt man einen breiten Eindruck über das Frankfurt im Jahre 1342. Man erlebt hautnah mit wie sich Frankfurt aus einer idyllischen mittelalterlichen Stadt - langsam aber stetig, in den Ort einer verheerenden Katastrophe verwandelt. Das Buch hat mich beim lesen des Öfteren so in den Bann gezogen, dass es sich so anfühlte als wäre ich gerade selbst dort. Richard Dübell greift in seinem atemberaubenden und spannenden Mittelalter-Roman nicht nur das Magdalenenhochwasser auf - er bringt auch die Geschichte rund um den damaligen Kaiser Ludwig IV ins Spiel. Die Gesichte versorgt Leser*innen mit allem was ein gutes Buch braucht: Mysteriöse Charaktere, Kämpfe, Spannung, Verschwörungen, Intrigen und ein wenig Romantik. Ich persönlich habe mich sehr in Richard Dübells Schreibstil verliebt. Für mich eines meiner liebsten Bücher.

Zorn des Himmels
Zorn des Himmelsby Richard DübellLübbe