Drachen. Ohne Menschen. Und trotzdem Drama, Chaos und Herz – danke, Tui T. Sutherland. Wings of Fire erzählt die Geschichte aus Clays Sicht, einem der fünf Drachlinge, die laut Prophezeiung die Welt retten sollen. Klingt episch? Ist es auch – nur, dass die Drachen erstmal sechs Jahre unterirdisch aufgezogen wurden und jetzt herausfinden, dass die Welt da draußen komplizierter ist, als sie dachten. Die Drachlinge sind ein kunterbunter Haufen: jeder mit eigenen Macken, Eigenheiten und gelegentlich charmant unbeholfenen Momenten, die einen zum Schmunzeln bringen („Wie unbeholfen kann ein Drache eigentlich sein?“ – ziemlich unbeholfen). Zwischen Loyalität, Freundschaft, Mut und dem dringenden Wunsch, nicht als Prophezeiungs-Objekt verheizt zu werden, wächst die Truppe über sich hinaus. Die Abenteuer sind abwechslungsreich, die Gefahren zahlreich, und Sutherland balanciert Spannung, Emotionen und Humor gekonnt. Die Welt ist liebevoll gestaltet, reich an Details, inklusive hilfreicher Karten und Zeichnungen – praktisch, falls man sich fragt, welcher Drache jetzt wem gerade Feuer unterm Hintern macht. Das Ende ist dramatisch, clever und lässt die Lust auf die nächsten Teile richtig hochkochen. Ach, und wer zwischendrin denkt, Drachen seien nur feurig und furchteinflößend: Fehlanzeige. Manche Dialoge sind zuckersüß, weil jugendliche Drachen nun mal unbeholfen verliebt, verwirrt oder einfach verdammt neugierig sind.
Eine Welt bevölkert nur von Drachen, wir Zweibeiner sind höchstens mal für eine Erwähnung am Rande oder als kleiner Snack gut. Herrlich, die Beschreibungen aus Drachensicht ;-) Dazu eine geheimnisvolle Prophezeiung, interessante Drachenvölker mit aussergewöhnlichen Fähigkeiten und fünf Drachlinge, die ihren Platz in der Welt noch finden müssen. Der erste Schritt in diesem Abenteuer war schon fabelhaft, ich freue mich auf die weitere Reise und kann es kaum erwarten die Nase in die nächsten Bände zu stecken.

Vor 15 Jahren wäre es wohl meine Lieblingsreihe geworden
Schon ganz lange hatte ich Wings of Fire auf meiner Leseliste, ich bin mit der ersten Staffel Warrior Cats groß geworden, darum war ich sehr neugierig was eine der Autorinnen unter dem Erin Hunter Pseudonyms alleine für eine Drachenwelt kreiert hat. Es ließt sich sehr ähnlich zu Warrior Cats, wobei ich Wings of Fire stellenweise als sehr viel langsamer empfunden habe. Überrascht war ich besonders von dem Zusammenstoß des kindgerechten Schreibstils und der Häufigkeit und bildhaften Beschreibung von Gewalt. Wobei diese hier immer ganz klar von unseren Protagonisten verurteilt wird. Die Protagonisten haben alle ihre Ecken und Kanten, bilden aber eine schillernde Freundesgruppe mit sehr viel Zusammenhalt und Mut, der ich gerne gefolgt bin. Nicht ganz so gut haben mir ein paar mMn. unlogische Stellen gefallen und die überzeichnete Gegenspielerin die bedrohliche Situationen sehr stark entkräftet hat.


