Nach dem ich von dem Roman "das Lied des Propheten" so begeistert war, habe ich mir vorgestellt dass Grace mich genauso sprachlich und inhaltlich begeistern würde. Das war leider nicht so der Fall. Zunächst hat mich dieses Mal sehr gestört, dass die wörtliche Rede oft sehr gestelzt in einem Deutsch übersetzt wurde, so wie hier kaum einer wirklich sprechen würde. Das Schicksal, dass Grace erfahren hat, auf ihrem Weg als sie als 14 jährige aus dem Haus geworfen wird um sich selbst zu versorgen, war sehr berührend, aber zu detailliert und langatmig beschrieben, so dass meine Konzentration darunter gelitten und sich so wenig Stimmung aufgebaut hat. Mehrmals wollte ich das Buch nicht weiterlesen. Gerade die vorletzten 2 Kapitel fand ich irgendwie absurd und lässt mich ratlos zurück.
Vorab möchte ich kurz WIKIPEDIA bemühen, um einen Eindruck zu vermitteln, in welchem Kontext die Story zu verstehen ist. Die als Große Hungersnot (irisch An Gorta Mór; englisch Great Famine oder Irish potato famine) in die Geschichte eingegangene Hungersnot zwischen 1845 und 1849 war die Folge mehrerer durch die damals neuartige Kartoffelfäule ausgelöster Missernten, durch die das damalige Hauptnahrungsmittel der Bevölkerung Irlands, die Kartoffel, vernichtet wurde. (…) Infolge der Hungersnot starben eine Million Menschen, etwa zwölf Prozent der irischen Bevölkerung. Weitere zwei Millionen wanderten aus. Von dem massiven Bevölkerungsverlust hat sich Irland bis in die Gegenwart nicht erholt. Und genau in dieser Zeit spielt die Geschichte von Grace. Eines kalten Oktobertages wird sie von ihrer Mutter ergriffen und gezwungen, in Männerkleidung loszuziehen, um sich Arbeit zu suchen. „Und früh im Morgengrauen kommt ihre Mutter an und holt sie aus dem Schlaf, reißt sie aus einem Traum von der Welt.“ Vierzehnjährig ist sie nun gezwungen, durch das Land zu streifen, ihren kleinerer Bruder Colly schafft es, sich ihr heimlich anzuschließen und ist mit seinem Witz und mit seinen lockeren Sprüchen immerfort bei ihr - und das, obwohl er wenige Tage nach ihrem gemeinsamen Aufbruch ertrinkt. Sie schlägt sich weiter durch - immer darauf bedacht, nicht als Mädchen, sondern als Junge angenommen zu werden. Sie schließt sich einer Gruppe von Männern an, die sie für einen Tim halten. Diese Gruppe will Rinder zu einer Stadt treiben, was während einer Hungersnot mehr als nur gefährlich ist - schließlich werden sie verraten und die Gruppe löst sich auf. Grace ist wieder allein unterwegs - nur Colly ist bei ihr. Schließlich findet sie zu einer verfallenen Hüttte, deren vorherige Bewohnerin sie zunächst im Wald versarren muss. Sie arbeitet in einer Bauarbeitertruppe, muss jedoch fliehen, als einige Männer sie als Frau erkennen und sie bedrängen. Mit der Hilfe des jungen Bart, der nur einen gesunden Arm hat, jedoch mit dem Messer sehr flink ist, gelingt ihr die Flucht. Beide ziehen weiter durchs Land, doch die Situation wird immer kritischer; Hunger und Kälte setzt ihnen zu. Zwischendurch treffen sie einen alten Freund von Bart; mit ihm überfallen sie Reisende und wohlhabende Bauern - doch dann kommt es zu einem schlimmen Vorfall und sie müssen als Mörder fliehen. Schließlich eskaliert alles - ihr Leben scheint verwirkt. Mehr möchte ich nicht verraten - und hoffe, nicht schon zu sehr gespoilert zu haben. Das ganze Elend, die Kälte der Hunger, die ausweglosen Situationen gehen einem wirklich sehr nahe; der Autor schafft es, den Leser mit in das Elend von Grace, in das Elend der ganzen irischen Bevölkerung zur Zeit von Hunger und Kälte mitzunehmen. Kinder, deren Eltern nicht mehr aufwachen, Eltern, die ihre Kinder verkaufen. Dazwischen Mörder und Halsabschneider - aber auch Menschen die helfen wollen. Was besonders stark ist in dieser Geschichte, ist zunächst die Sprache - an dieser Stelle ein großes Lob an Christa Schuenke, für die tolle Übersetzung. Die Sprache ist gleichzeitig einfach - so dass man die ungebildeten Menschen dieser Zeit erkennt und versteht - und zudem sehr lyrisch; einfach schön zu lesen. Gleichzeitig lässt der Autor immer wieder Traum und Wirklichkeit verschwimmen, so dass der Wahnsinn, der die Menschen ob ihres Hungers anheimfällt, greifbar und in seiner ganzen Heftigkeit spürbar macht. Der Wechsel ihrer Persönlichkeit zwischen Grace und Colly - ihre Begegnung mit Geistern, ihr tägliches Wanken zwischen dieser und jener Welt und dabei die täglichen Sorgen um das Leben, um den nächsten Tag - in einer Welt mit Problemen, die wir uns heutzutage so gar nicht vorstellen können - obwohl noch gar nicht so lange her - all das stößt einen hinein in dieses wirklich großartige Werk. „Grace. Was? Weißt du was? Was denn? Das is doch hier kein Leben.“ „Was jetzt geschieht, das ist nicht mehr und nicht weniger als der Weltuntergang – der einzige Unterschied ist, dass die Reichen auch weiter unbehelligt leben können. Was ich denke? Ich denke, dass die Götter uns im Stich gelassen haben. Es ist endlich an der Zeit, sein eigener Gott zu sein.“ Ich habe das Buch sehr gern gelesen und freue mich schon jetzt sehr auf „Das Lied des Propheten“ von dem Autoren, welches im Herbst in Deutscher Übersetzung heraus kommt. Von mir bekommt GRACE 5/5 Sterne. Ich empfehle das Buch jedem, der auch gern Klassiker wie „Oliver Twist“ oder „Die Elenden“ oder auch „Moby Dick“ liest - wobei die Sprache hier nicht ganz so ausschweifend, jedoch ähnlich lyrisch ist. Allerdings sollte man bereit sein, sich auf lange Gedankengänge und Monologe einzulassen - was sich allerdings SEHR lohnt!
Ich gebe ehrlich zu: ich habe mich etwas gequält. Paul Lynch hat sich entschieden, weder Anführungszeichen bei direkter Rede noch Absätze zu verwenden. Ich glaube, das ist selbst für Menschen mit englischer Erstsprache herausfordernd. Die Geschichte hat mich aber gepackt und ich habe mich langsam aber stetig durch diesen Roman gearbeitet, der davon erzählt, wie der Faschismus in Irland regiert und es schließlich zum Bürgerkrieg kommt. Im Zentrum steht Eilish, Wissenschaftlerin und Mutter von vier Kindern, von denen das jüngste noch kein Jahr alt ist und das älteste kurz vor der Volljährigkeit steht. Eilishs Mann Larry ist Funktionär der Lehrergewerkschaft und wird eines Tages verhaftet. Niemand weiß, wo er ist und ob er zurückkommen wird. In einem Interview mit dem Autor habe ich gelesen, dass "Prophet Song" die Geschichte des Syrienkriegs nach Irland verlegt. Die Erosion der Ordnung, der Aufstieg des Chaos, der Zusammenbruch des Systems, die Gewalt, die Angst, die Flucht. "Prophet Song" ist gleichzeitig Dystopie und historische Fiktion. Nichts wirkt übertrieben oder weit weg und genau diese Vorstellbarkeit macht das Grauen so realistisch und nah. Kein Land, keine Gesellschaft ist sicher vor einer Entwicklung wie dieser. Was würdest du tun, wenn dein Land ins Chaos stürzt? Fliehen? Wohin? Und was ist mit deinem Vater, den die Demenz immer stärker im Griff hat? Die Weltgemeinschaft wird schon eingreifen und den Bürgerkrieg beenden. Oder? "Prophet Song" erscheint im Herbst in deutscher Übersetzung bei Klett Cotta.
Ich habe recht viel von diesem Buch erwartet. New York, Weihnachtszeit und jede Menge Schnee - kann es denn etwas besseres geben? Nein, jedenfalls für mich nicht. Umso mehr habe ich mich gefreut, als ich auf dieses Buch aufmerksam wurde. Es schien meine perfekte Geschichte zu werden. Doch leider wurde mir während des Lesens klar, das dieses Buch leider nicht diese kleine perfekte Weihnachtsgeschichte enthält. Die Story an sich war wirklich sehr hübsch; die Idee ist sogar richtig super und von dem Schauplatz vermag ich gar nicht erst anfangen, doch leider hat es für mich persönlich an der Umsetzung ein wenig gehapert. Ich bin überzeugt davon, dass es für jeden irgendwo auf der Welt so einen Menschen gibt; ein Mensch, der einem so unglaublich ähnlich ist, dass es einem schon fast Angst einjagt. Ich glaube wirklich, dass es diese "Freundschaft auf den ersten Blick" gibt, so etwas ist mir selbst auch schon wiederfahren. Allerdings empfand ich all die Gemeinsamkeiten zwischen Grace und Josephine als unglaubwürdig und übertrieben. Ich meine, die beiden hatten so viel gemeinsam, es hat schon fast keinen Spaß mehr gemacht. Es war einfach ... zu viel - leider. Ich bin ein wirklich sehr sehr emotionaler und leidenschaftlicher Mensch. Es gibt für mich nichts schöneres, als von der großen Liebe zu lesen; einer wunderbaren Freundschaft, großartigen Familien - ich liebe solche Geschichten, das tue ich wirklich. Ich finde es toll, wenn mich eine Geschichte so sehr berührt, dass es mir Tränen in die Augen treibt. Doch die Rührseligkeit in dieser Geschichte war sogar mir leider viel zu viel. Es wirkte irgendwie aufgesetzt. Ständig sind Tränen geflossen, fast auf jeder zweiten Seite haben sich die beiden Freundinnen gesagt, wie lieb sie sich haben, sie sind händchenhaltend durch die Gegend gelaufen, haben sich mit Küssen auf die Wange übersät, sich ständig liebevolle Worte zugeflüstert und ihnen war nichts wichtiger, als Gutes zu tun, sich gegenseitig und fremden Menschen. Die Tatsache, dass die beiden so ein großes Herz haben, hat mich wirklich sehr beeindruckt. Meine Freund und Familie sagen zu mir auch immer, dass ich ein sonderbar großes Herz habe und egal wie oft ich verletzt werde, trotzdem noch so viel Liebe und Freude zu verschenken habe. Ich bin auch sehr darauf bedacht, Menschen etwas Gutes zu tun. Ich möchte Menschen helfen, wirklich. Das war mit ein Grund weshalb ich damit angefangen habe, regelmäßig Blut zu spenden - wenigstens ein kleiner Dienst, den ich alle drei Monate leisten kann - doch ganz ehrlich. Wenn ich mit meiner besten Freundin ein Wochenende im weihnachtlichen und verschneiten New York habe, dann nutze ich das auch. Ich meine, die beiden sehen sich zum ersten Mal und haben nichts besseres zu tun, als ständig in Tränen auszubrechen? Natürlich ist es traurig, dass sie sich bald wieder trennen müssen und soweit voneinander entfernt wohnen, doch diese Intimität, diese ständigen "Liebeserklärungen", diese intensive Zweisamkeit hätte einfach besser zu einem liebenden Pärchen gepasst, dass sich in New York trifft und sich dort kennen und lieben lernt, nicht aber - leider - zu zwei besten Freundinnen. Ich meine, ich liebe meine beste Freundin auch. Ich finde sie toll und würde am liebsten so viel Zeit wie nu möglich mit ihr verbringen, gerade weil auch wir etwa eine bis eineinhalb Stunden voneinander entfernt wohnen, doch ich lauf nicht händchenhaltend mit ihr durch die Stadt, küsse sie alle paar Meter und sage ihr alle fünf Minuten, wie lieb ich sie habe. Manchmal ist weniger einfach mehr und ich lebe nach der Überzeugung, dass wenn man solche Dinge zu häufig sagt, sie an Wert und Bedeutung verlieren. Wenn man sich wirklich mag, bedarf es keiner großen Worte. Es war einfach viel zu viel des Guten. Ein wenig weniger Liebeleien und Tränen und dafür ein bisschen mehr Abenteuer, Action und Spaß hätte dem Buch sicherlich ganz gut getan. Das klingt jetzt alles sehr schlecht, doch das bedeutet nicht, dass mir das Buch überhaupt nicht gefallen hat. Das einzige was mich halt wirklich gestört hat, ist die intensive Beziehung zwischen Grace und Josephine, die Idee an sich fand ich wirklich toll. Auch die Beschreibungen der Stadt waren einfach toll. Ich habe mich gefühlt, als hätte mich die Autorin drei Jahre in die Vergangenheit zurück katapultiert, zu der Zeit als ich selbst zu Weihnachten in New York war. Besonders als die beiden am Rockefeller Center Schlittschuhlaufen waren, hatte ich Gänsehaut am ganzen Körper. Das Rockefeller war von Anfang an einer meiner Lieblingsorte in New York und zu Weihnachten, mit diesem wunderschönen großen Weihnachtsbaum und dieser weihnachtlichen Atmosphäre ist dieser Ort einfach nur perfekt und voller Magie. Auch die Idee mit dem Schneesturm empfand ich als sehr amüsant und als gut überlegt. Ich selbst habe auch schon einen Schneesturm in New York mit gemacht. Vielleicht wurden den beiden ein paar zu viele Steine in den Weg gelegt, was auch ein wenig unglaubwürdig rüber kam, doch ansonsten hat mir die Reise der beiden nach New York wirklich viel Spaß gemacht. Auch diese kleinen Details, die die Autorin in die Geschichte mit eingebracht hat, haben mir sehr gut gefallen. Zum Beispiel Gregory und sein charmantes Hotel. Gregory gehörte eindeutig zu meinen absoluten Lieblingen. Oder auch Ruth. Selbst wenn sie nur einen kleinen Auftritt in der Geschichte hatte, hat mich ihre Geschichte mit Abstand am meisten berührt. Ein wunderbarer Einfall und hier hat mir die Umsetzung auch super gut gefallen. Am Ende hatte ich wirklich Tränen in den Augen. Wunderschön. Und dass Nadine Dela auch noch ein wenig Übernatürliches mit eingebaut hat, ganz im Sinne von X-Faktor - Das Unfassbare hat mir sehr gut gefallen. Ich glaube hätte das ganze Buch mehr von diesen bzw. ähnlichen Ereignissen gehandelt, hätte es mir viel viel besser gefallen. Der Schreibstil hat mir ebenfalls gut gefallen. Er ist einfach, schnell zu lesen; ohne verblümte Worte. Die Autorin schreibt sehr jugendlich, was womöglich an ihrem jungen Alter liegt und schafft es mit ihren Worten die Gefühle der Protagonisten auf jeden Fall sehr gut rüber zu bringen. Es tut mir Leid, dass die Rezension nicht so gut ausgefallen ist, wie ich selbst anfangs erwartet hatte, doch ich lege sehr viel Wert darauf, ehrlich zu sein und nicht nur Gutes über ein Buch zu schreiben weil ich den/die Autor/in mag oder das Buch als Rezensionsexemplar erhalten habe - was in diesem Fall nicht so ist - ich habe es gefunden und mir selbst auf Amazon bestellt :-). Zum Ende hin möchte ich aber noch sagen, dass ich das Cover einfach wunderschön finde. Es ist einfach perfekt - beide Cover. Auch wenn ich ein wenig von der Geschichte enttäuscht wurde, war es ein schönes kleines Buch für Zwischendurch, das sehr viele Erinnerungen an meine Zeit in New York geweckt hat. Weihnachten kommt hier wirklich nicht zu kurz und was zu Lachen gibt es auch immer mal wieder. Ich denke es sollte jeder für sich entscheiden, ob er die Geschichte mag oder nicht.
Als im Jahre 1845 die Kartoffelfäule enorme Missernten hervorrief und somit das Hauptnahrungsmittel vernichtet wurde, starben mindestens 12% der Irländer den Hungertod. Millionen wanderten aus. Grace ist eins der unzähligen 14jährigen Kinder, die von zu Hause fortgeschickt wurde, um „(…) dann, in einem Jahr, (…) mit vollen Taschen wieder heim (…)“ zu kommen. (Pos. 227) Paul Lynch‘s fiktiver Roman hat es mir von Anfang an nicht leicht gemacht. Der Satzbau sperrig, die wörtliche Rede nicht gekennzeichnet, murrte ich mich mit zunehmend verdrießlicher Laune durch die Seiten. Wollte aufgeben! Bis ich über die ersten wunderschönen Metaphern stolperte und von: • mit ihren Augen stöbern • im Osten keift der widerliche Wind • ein finsterfarbener Hund •einer Tür die auf der Erde schurrt • weggeheimnissen • wo in den Narben der Straße silbrige Regenfetzen kleben • die dunkler werdenden Bäume atmen Stille aus • wie doch im Dämmerlicht alles in Langsamkeit gewickelt scheint las❣️ Ab da war ich ganz Grace Coley, versuchte mit weggebundenen Brüsten den zwielichtigen Gestalten in keinster Weise ein Anzeichen für meine Weiblichkeit zu geben und mich in der dreckigen und hungrigen Männerwelt zu behaupten. Lerne, Häuser von Leichen zu säubern, zu Essen, was andere liegen lassen würden. Zu sprechen wie ein Bursche und mich zu bewegen wie ein Mann. Meinen zwei Jahre jüngeren Bruder Colly gedanklich an meiner Seite, damit ich in dieser kalten Welt nicht zugrunde gehe. Ein großes Lob geht ebenfalls an Christa Schuenke, die diesen so großartigen Hosenrollen Roman übersetzt hat.




