28. Sept.
Rating:5

Ein großer, kritischer, humanistischer Wurf! Lest Ursula Krechel! Sie stimuliert mit den Wechseln der historischen Perspektiven viele Fragen - vornehmlich nach der provinziellen und verschlossenen Ausrichtung unserer heutigen Gesellschaft.

Ursula Krechel hat ein äußerst weitsichtiges und menschliches Buch zu gegenwärtigen Debatten um Migration geschrieben. In „Vom Herzasthma des Exils“ verschränkt sie aktuelle Diskurse und historische Betrachtungen und schafft es auf diese Weise, die vielfachen Verengungen der Tagespolitik aufzubrechen. Denn die jüdischen Flüchtlinge aus Deutschland, die plötzlich nicht mehr in Kuba oder den USA anlanden durften, haben mehr gemeinsam mit den Rettungsbooten privater Hilfsorganisationen als wir gemeinhin glauben. Und auch die deutschen Emigranten in ihren Kolonien und Zirkeln bildeten über Jahre und Jahrzehnte Parallelgesellschaften, die von den Ländern, in denen sie Aufnahme gefunden hatten, argwöhnisch betrachtet wurden. Außerdem fragt Krechel ironisch: „Wäre ich eine kenianische Marathonläuferin, begehrt vom Deutschen Sportverband, würde ich die Bedingungen des Fachkräfteeinwanderungsgesetzes erfüllen?“ Krechel motiviert eine humane Sicht auf die Dinge, wie sie es auch schon in ihrem großen historischen Roman „Landgericht“ getan hat. Sie thematisiert Sehnsucht nach der Heimat ebenso wie die Angst vor dem Fremden, rassistische Übergriffe genauso wie Heimkehr in ein Land, das längst nicht mehr Heimat ist.

Vom Herzasthma des Exils
Vom Herzasthma des Exilsby Ursula KrechelCotta