4. Apr.
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Rating:5

Ein ergreifender wie spannender Roman über eine Liebe auf dem Prüfstand sowie über Schuld und die Macht der gesellschaftlichen Verurteilung vor dem Hintergrund des historischen Stadtbrandes in der nassauischen Residenzstadt Dillenburg. Doch vorab ein kurzer Einblick in Thema und Handlung: Dillenburg im Jahr 1723: Die junge Philippa, welche im Haushalt des Ratsherrn Hohenstein arbeitet, knüpft zarte Bande zu Caspar, dem Sohn einer gesellschaftlich hoch angesehenen Bürgersfamilie. Erschweren nicht schon gesellschaftliche Konventionen die Verbindung genauso wie die von Caspars Vater gesponnenen Heiratspläne, so rollt auf die Verliebten im Kleinen als auch die gesamte Dillenburger Bevölkerung eine Katastrophe ungekannten Umfangs zu. Zusätzlich bekommt Philippa überraschend Besuch von ihrer Freundin aus Kinder- und Jugendtagen. Und was Elsa zu berichten hat, erschüttert nicht nur die junge Magd. Als sich die Ereignisse überschlagen, Elsa gefangen genommen wird und wenige Tage später die Dillenburger von einem vernichtenden Stadtbrand aus dem Schlaf gerissen werden, wird die Jugendfreundin plötzlich zur "Feuermagd"! Philippa kann nicht glauben, dass die Elsa etwas mit dem Brand zu tun hat, oder doch? Denn wie ist der Brand überhaupt entstanden? Und werden Philippa und Caspar vor diesem Hintergrund ihre Liebe erhalten können? ◇◇◇◇◇◇◇◇◇◇ Meinung: Ingrid Kretz legt mit der "Feuermagd von Dillenburg" nicht einen primär höchst spannenden Roman vor, welcher bereits von den ersten Seiten an über subtile Stimmungen die bevorstehende Katastrophe einleitet, sondern zeichnet ein beeindruckendes naturalistisches Gesamtbild. Sei es der öfters in den im 18. Jahrundert angesiedelten Romanen ausgesparte Kontrast in den Lebenswelten zwischen sozial führenden Klassen von Adel sowie aufstrebenden Bürgertum und der grundständigen, um Lebensunterhalt ringenden Bevölkerung oder die transportierte Emotionalität der Figuren. Insbesondere Caspar sticht hier hervor, hat es die Autorin hier auf einzigartige Weise geschafft über die nonverbaler Ebene von Mimik und Gestik tiefgründig und ohne ein Quäntchen von Künstlichkeit, sondern gänzlich natürlich-kristallin die Gefühle des Gerichtsschreibers gegenüber Philippa zu vermitteln. Diese erzählerische Fähigkeit findet sich übertragen auf andere Situationen im gesamten Roman wieder, sodass man als Leser mitlachen möchte, Bedrückung ob einer kleinen Geste empfindet oder in tiefes Nachdenken und Sinnieren über gesellschaftliches Verhalten gerät. Ähnlich charakterisiert sich die Atmosphärik bei der Beschreibung des Stadtbrandes, wobei Ingrid Kretz anstelle einer schnellszenigen Rekonstruktion der neuzeitlichen Feuersbrunst auf eine ruhige, kurzzeitig vielleicht sogar etwas distanziert wirkende Darstellung verlegt. Dabei eröffnet sich jedoch hierin die unikate Möglichkeit das Spektrum der menschlichen. Reaktionen abzubilden, seien es Panik, ungläubige Starre oder die Flucht in alltägliche Handlungen oder Gesprächsthemen. Wenngleich der Roman gewissermaßen auch eine prosaische Ereignischronik des einschneidenden stadthistorischen Ereignisses ist, welches mithilfe der etablierten gut vernetzten Nachrichtenkommunikation in einem europaweiten Spendenkollektiv resultierte(!), so liegt der Fokus m.M.n. auf den handelnden fiktiven und historisch verbürgten Personen. Dies bringt dem Buch jedoch keinesfalls einen Abbruch, ganz im Gegenteil ermöglicht es doch erst das beschriebene fein austendierte Reaktionsspektrum. Der christliche Gedanke ist genauso facettenreich in den Roman eingeschrieben, finden sich mit Caspar und Philippa zwei tief im Glauben verwurzelt, jedoch auch reflektierende Protagonisten, während andere Figuren den in der Bevölkerung im Zeitalter des Spätbarocks noch weit verbreiteten Aberglauben oder auch eine zuweilen oberflächliche, vielleicht gar auf den sonntäglichen Kirchgang begrenzte Religiosität zur Schau tragen. Darüber hinaus beschäftigt sich der Roman insbesondere in Bezug auf Elsa mit dem Themenpaar von Sünde und Vergebung. In diesem Zusammenhang bringt Ingrid Kretz auch zu Tage, welche unverhältnismäßige Massenhysterie in Kontext von Sünde und daraus resultierender Verurteilung entwachsen können. Um keine Spoiler zu setzten, soll hierzu abschließend gesagt werden, dass der (vermutlich) historische Befund um die Feuermagd von der Autorin äußerst reflektierend ubd abwägend verarbeitet worden ist! Es ist jedoch kein durchweg düsterer Roman, ist der Katastrophe des Brandes und der bedrückenden Folgen ist schließlich mit der wahrhaftigen Verbundenheit von Philippa und Caspar die Flamme der reinen Liebe genauso entgegengesetzt wie das immerzu Hoffnung spendende Licht Gottes. Letztlich darf gesagt werden, dass Ingrid Kretz mit der "Feuermagd von Dillenburg" einen vielschichtigen, naturalistischen und zum Nachdenken anregenden Roman vorgelegt hat, welcher das historische Ereignis par exellence mit christlichen Aspekten und innermenschlichen Reaktionen zu verweben vermag.

Die Feuermagd von Dillenburg
Die Feuermagd von Dillenburgby Ingrid KretzBrunnen Verlag GmbH
1. Apr.
Rating:5

Die kleine Flamme ... der Liebe, der Hoffnung, aber auch des Hasses und des Aberglaubens. Ein Roman, der somit nicht nur vom verheerenden historisch verbürgten Stadtbrand des Jahres 1723 in Dillenburg erzählt, sondern die vielschichtige Bedeutung des Feuers oder der Flamme in all seinen Facetten zu thematisieren scheint. Spannend und feinfühlig fasst Ingrid Kretz Ereignisgeschichte und die damit verknüpften Emotionen der Betroffenen Menschen der Katastrophe in lebendige Worte. Die Ohnmacht der Bewohner vor der ungeheuren Kraft der Elemente, die Flucht ins Alltägliche oder auch die bewegende, Gänsehaut bescherende Schilderung rund um die "Feuermagd" - all die großen Handlungsstränge sowie die kleinen feinen Details verweben sich zu einem stimmigen, berührenden wie spannenden Historischen Roman!

Die Feuermagd von Dillenburg
Die Feuermagd von Dillenburgby Ingrid KretzBrunnen Verlag GmbH