Im ersten Teil, der in Cornwall um 1820 spielt, begleiten wir Charlotte und deren schwierige Kinder- und Jugendzeit. Es geht hier unter anderem um Liebe, Ausgrenzung und Sehnsucht nach Anerkennung. Im zweiten Teil, der einige Jahrzehnte später spielt, ist Charlotte nun die Herrin auf Birch Heights. Hier lernt man jetzt auch Marie kennen die sich um die kleine Elinor, Charlottes Tochter, kümmern soll und dann gibt es noch den jungen Edward,der auch viel durchzustehen hat. Hier findet man Themen wie z. B. Gewalt, Ausgrenzung, Armut, Missbrauch und Gier. Man spürt sehr gut die Verbindung von Dienerschaft und Adligen. Trotz großer Unterschiede sind beide Stände eng miteinander verwoben und Konflikte vorprogrammiert. Die Autorin schildert sehr anschaulich die Unterschiede und Denkweisen, zeigt aber auch Gemeinsamkeiten auf: Unterm Strich sind wir alle nur Menschen, haben Sorgen, machen Fehler und müssen Lösungen finden. Die Idee mit dem Sammelband hat mir gut gefallen. So konnte man gleich mit dem zweiten Teil direkt an "Möwen im Wind" anknüpfen. Wo Charlottes Kindheit im ersten Teil mehr oder weniger vor sich hinplätscherte, ging es im zweiten Teil sehr aufregend und spannend zu. Viele Wendungen und strategisch gut eingestreute "Spannungshäppchen" in feinster Krimimanier ließen mich das Buch kaum aus der Hand legen. Über allem stand der christliche Glaube. Mochte das Leben noch so schwere Dinge bereit halten, der Glaube an die christliche Führung war ungebrochen. Mit Gott zusammen findet man einen Weg, auch wenn er recht verschlungen sein kann.

Die Cornwall-Saga umfasst zwei Bände über das Schicksal der Familie Greenwold. Zwei Generationen müssen sich mit Erbschaftskonflikten auseinandersetzen, die sich immer mehr zuspitzen und auch vor Mord und Intrigen nicht zurückschrecken. Auch innerhalb der Familien brodelt es gewaltig, was eine Kettenreaktion auslöst, mit der keiner der Beteiligten gerechnet hat. In beiden Geschichten sind ganz besonders Kinder die Leidtragenden und was ihnen widerfährt und was ihre jungen Herzen schon bewältigen müssen, tut einem als Leser in der Seele weh. Man fliegt förmlich durch die Seiten, während man nebenbei etliche fast schon poetische Landschaftsbeschreibungen erhält, die sowohl Handlung als auch die Gegend lebendig vor Augen führen und in die Erzählung reinziehen. Es gibt auch ganz besondere Persönlichkeiten in beiden zusammenhängenden Geschichten, die einem ganz besonders ans Herz wachsen, die durch ihren Glauben Zuspruch und Hoffnung geben, aber auch zeigen, dass Gott trotz düsterer, fast schon qualvoller Umstände und gefühlter Chancenlosigkeit nie weit weg ist und Dinge aber auch Menschen in Bewegung bringt, mit denen man absolut nicht gerechnet hat und schon gar nicht mit den Ausgängen. In diesen beiden Romanen steckt so viel Tiefe, so viel Vertrauen und Zuversicht, die sowohl Aberglauben als auch Hoffnungslosigkeit immer wieder beiseitedrängen. Obwohl manche Reaktionen nicht immer ganz nachvollziehbar waren, so wurden sie aber durch den Spannungsbogen, der sich durch beide Teile kontinuierlich zog und jedes Mal in einem Paukenschlag endete und durch einige liebenswerte, treue Seelen gut ausgeglichen, so dass dieser Sammelband wirklich eine große Leseempfehlung bekommt. Das Cover gefällt mir, denn sowohl die Küste als auch Möwen spielen hier eine bestimmte Rolle, ebenso wie die Titel äußerst passend ausgewählt wurden.

