
Viel Drama, wenig Überzeugung
Eigentlich breche ich auch Prinzip keine Bücher ab, aber was war das denn? Eine tragische Liebesgeschichte...null überzeugend Schon der Einstieg wirkt konstruiert. Catherine liegt im Krankenhaus und hat beschlossen zu schweigen. Nennt man selektiven Mutismus. Gleichzeitig ist sie aber unsere Erzählerin. Wir verlieren uns schnell in einer zerfaserten Erzählstruktur. Zeitsprünge zwischen Gegenwart, vier Monaten zuvor und 15 Jahre in der Vergangenheit, dazu ein weiterer Erzähler, der ebenfalls umherspringt. Auch die Figuren konnten mich kaum packen. Gerade weil die zentrale Liebesgeschichte so entscheidend ist, fällt es umso mehr ins Gewicht, dass zwischen den beiden Hauptfiguren keinerlei echte Chemie oder emotionale Intensität spürbar wird. Besonders gestört hat mich die zentrale Motivation der Protagonistin. Ihre Entscheidung bildet das emotionale Fundament der ganzen Geschichte. Ein weiterer Kritikpunkt ist die Art, wie Spannung erzeugt wird. Oder besser gesagt nicht erzeugt wird. Die einzige Spannung besteht darin, dass Informationen dem Leser vorenthalten werden. Dabei gibt es durchaus einen interessanten Kern. Themen wie weibliche Scham, Schuldgefühle und gesellschaftliche Erwartungen hätten vielschichtig und berührend ausgearbeitet werden können. Insgesamt bleibt für mich der Eindruck eines Romans mit guten Ansätzen, der jedoch zu sehr auf bekannte Erzähltricks setzt und dabei seine eigentliche emotionale Tiefe verfehlt




