Schau nicht hinunter und klettere immer weiter.
Eine sehr spannende Dystopie und seit Langem mal wieder gute Unterhaltung, auch wenn sie erbarmungslos und brutal war. Im Gegensatz zu den Tributen von Panem, die in einigen Rezensionen als Vergleich herangezogen wurden, entscheiden sich die Menschen hier mehr oder minder freiwillig die Wand hochzuklettern oder beim Versuch zu sterben. Keiner von ihnen wird im Vorfeld gezwungen teilzunehmen. Der Ausgangspunkt ist weit in der Zukunft angesiedelt, in der die Menschheit nur knapp einen Krieg gegen Androiden und die KI gewinnen konnte. Zeugnis davon zeigt die sogenannte Botwüste. Wie schon in anderen Jugendromanen geht auch dieser Autor sehr kritisch damit um und geht davon aus, dass die KI der Menschen größter Feind werden wird. Jedenfalls ist die Menschheit nicht mehr wie sie war. Es gibt keine Demokratie mehr, sondern die Menschen leben abhängig von ihrem Status in sogenannten Ringen unter einer Zarenregentschaft. Von mega reich, bis arm. Wobei der Ring 0 im Grunde täglich ums Überleben kämpft und sich für wenig Geld, um sich und die Familie zu ernähren, in lebensgefährliche Jobs zwingt. So auch Lissa als Hauptfigur, die wie ihr Vater im Steinbruch schuftet, wo der Marmor für die Reichen abgebaut wird. Um ihrem kranken Vater eine Behandlung zu ermöglichen, schleicht sie sich weg, um am Blutsportspektakel Die Wand teilzunehmen. Die Wand ist eine kilometerhohe Wand gespickt mit tödlichen Fallen, deren Bezwinger*in einen Millionenbetrag als Gewinn erhält. Dabei ist das Klettern nicht das einzig gefährliche. Auch die anderen Teilnehmenden, denn nicht wenige sind so skrupellos und "pflücken" so viel Menschen von der Wand wie nur möglich. Wer die Wand erklimmt überlebt, aber nur die erste Person erhält einen Gewinn. Was der Autor besonders gut herausgearbeitet hat, sind die Emotionen der Charaktere. Wie einige unmittelbar beim Start von der Todesangst ergriffen wurden. Wie erbarmungslos, skrupellos und emotionslos der Tod von Menschen für Unterhaltungszwecke in Kauf genommen wird. Das Einzige was mich an der Geschichte leicht störte, war der schleppende Anfang, die willkürlich wechselnde Sicht des allwissenden Erzählers (z.B. erst bei Lissa und ohne dass es groß zu erkennen war, auf einmal bei Deniel) sowie dass die Gruppe der Eidechsen auf einmal wechselnd Eidechsen und dann Lizards waren. Und wo ich nun das Ende gelesen habe, finde ich es auch etwas zu dahin gewoben. Man kann es so stehen lassen, aber es bietet auch Potenzial für eine Fortsetzung. In dieser könnte die Enkelin des Zarenregenten eine größere Rolle spielen. Alles in allem war das Buch trotzdem eine echt gute Unterhaltung, die man kaum aus der Hand legen konnte. Ich hab es im Rahmen meiner eigenen SUB-Abbau Challenge gelesen, da es das erste zugefügte Buch hier in der App war, also schon ewig auf dem SUB lag und nun frage ich mich, warum ich es nicht schon früher gelesen habe.











