25. Juni
Rating:1

Gute Themen, aber die Erzählweise war leider gar nicht meins

Sister, Sister erzählt von den Schwestern Sigrid und Margit, die in einem schwierigen Elternhaus aufgewachsen sind und sich als Erwachsene zunehmend voneinander entfremdet haben. Im Mittelpunkt steht Sigrid, die mit ihrer Vergangenheit, psychischen Problemen und dem Gefühl kämpft, nirgends wirklich dazuzugehören. Die Geschichte beleuchtet ihre Familiengeschichte und die Beziehung der beiden Schwestern, während Sigrid versucht, ihr Leben und ihre Erfahrungen zu verarbeiten. Zuerst ist mir aufgefallen, dass der Klappentext weit vom Inhalt entfernt ist, weshalb ich etwas anderes erwartet hatte. Hätte ich gewusst, dass große Teile des Romans aus Abschiedsbriefen und sehr fragmentarischen Erinnerungen bestehen, hätte ich vermutlich gar nicht erst zu dem Buch gegriffen. Leider konnte mich die Erzählweise nicht überzeugen. Schon nach wenigen Seiten war ich extrem verwirrt und habe mich ständig gefragt, worauf die Geschichte eigentlich hinauswill. Die vielen Erinnerungen, Zeitsprünge und Gedankensprünge wirkten auf mich sehr wirr und ohne erkennbare Struktur. Die ganze Zeit hatte ich im Hinterkopf die Frage: Wo führt das eigentlich hin? und je länger ich gelesen habe, desto mehr hat mich das frustriert. Besonders schwierig fand ich die Perspektive der unzuverlässigen Erzählerin. Viele Leser:innen mögen dieses Stilmittel, für mich hat es jedoch dazu geführt, dass alles noch chaotischer wirkte. Ich hatte das Gefühl, niemandem und nichts wirklich vertrauen zu können, wodurch für mich kaum ein roter Faden erkennbar war. Statt Spannung zu erzeugen, hat mich diese Erzählweise eher wütend gemacht, weil viele Zusammenhänge unklar blieben und sich vieles für mich nicht schlüssig angefühlt hat. Auch insgesamt fehlten mir eine klare inhaltliche Struktur und ein wirklicher Spannungsaufbau. Einige Entwicklungen erschienen mir unlogisch und bis zum Ende habe ich mich gefragt, was mir das Buch eigentlich sagen wollte. Schade, denn die zugrunde liegenden Themen fand ich durchaus interessant. Die gewählte Form und die sehr fragmentarische Erzählweise haben mir jedoch den Zugang zur Geschichte leider erschwert.

Sister, Sister
Sister, Sisterby Emily R. Austinpola
21. Juni
Rating:4

Sigrid und Margit sind Schwestern. In ihrer Kindheit haben sie sich noch etwas verstanden, im Erwachsenenalter entfernen sie sich immer mehr voneinander. Während Margit ihr Leben scheinbar gut meistert, kämpft Sigrid mit Einsamkeit und zweifelt an sich selbst. Die Kindheit der beiden war schwierig, doch gehen beide unterschiedlich damit um. Nach einem tragischen Ereignis müssen sie wieder in Kontakt treten und beginnen sich mit ihrer Vergangenheit auseinanderzusetzen. Eine schonungslos ehrliche Geschichte über Familie und psychische Gesundheit. Lange wusste ich nicht was das Buch mit mir vor hat. Begonnen wird mit den 21 Versuchen von Sigrids Abschiedsbrief. Ein Einblick in ihre Gefühlswelt, Rückblicke in die Vergangenheit. In diesem Abschnitt gab es einige Wiederholungen und er wirkte für mich auch etwas durcheinander. Danach wurde das Buch für mich besser. Der Schreibstil hat mir dann richtig gut gefallen. Feinfühlig verbindet Emily Austin sehr ernste Themen mit trockenem Humor. Dadurch wirkt das Buch nicht sehr dramatisch, sondern sehr authentisch. Sigrid ist vielschichtig beschrieben, Margit blieb eher nebensächlich . Die Schwestern müssen sich mit sich auseinandersetzen. Das hätte für mich gern noch ausführlicher geschrieben werden können. Insgesamt ein kluges und berührendes Buch. Unbedingt sehr aufmerksam lesen. Das ist nichts für nebenbei.

Sister, Sister
Sister, Sisterby Emily R. Austinpola
7. Juni
Rating:1.5

Leider war Sister Sister für mich eine große Enttäuschung. Der Klappentext hat bei mir die Erwartung geweckt, eine berührende, vielleicht sogar dramatische Geschichte über zwei Schwestern zu lesen, die sich verloren haben und durch ein tragisches Ereignis wieder miteinander konfrontiert werden. Sigrid und Margit, früher unzertrennlich, heute entfremdet – das klang nach einer intensiven Auseinandersetzung mit Familie, Verletzungen, Nähe, Distanz und vielleicht auch Versöhnung. Bekommen habe ich allerdings etwas ganz anderes: einen über weite Strecken wirren, knapp 200 Seiten langen Abschiedsbrief und 100 Seiten "die Wahrheit" bei dem ich bis zum Ende nicht wirklich wusste, was mir die Autorin eigentlich erzählen oder vermitteln wollte. PS: Die Schwestern waren früher nicht unzertrennlich... 😏 Ja, es werden viele schwere Themen angerissen: familiäre Kälte, psychische Verletzlichkeit, Drogen, Einsamkeit, das Gefühl, nirgendwo richtig dazuzugehören. Das Problem ist nur: Für mich blieb vieles davon an der Oberfläche. Die Figuren hätten mich berühren sollen, gerade bei dieser Thematik, aber emotional kam bei mir kaum etwas an. Sigrid und Margit blieben mir seltsam fern, obwohl ihre Geschichte eigentlich genug Stoff für ein wirklich bewegendes Buch gehabt hätte. Stattdessen hatte ich häufig das Gefühl, dass die Handlung sich verliert. Immer wieder wurden Gedanken und Motive wiederholt, besonders auf den letzten 50 Seiten, ohne dass dadurch mehr Tiefe entstanden wäre. Im Gegenteil: Es zog sich zunehmend und verstärkte bei mir eher die Verwirrung als das Verständnis. Sehr schade, denn der Schreibstil an sich hat mir tatsächlich gut gefallen. Das Buch lässt sich leicht und flüssig lesen, sprachlich hatte ich keine Mühe dranzubleiben. Nur leider reicht ein angenehmer Stil für mich nicht aus, wenn Inhalt, Figuren und emotionale Wirkung nicht greifen. Für mich ist Sister Sister ein klassisches Beispiel für ein Buch, bei dem der Klappentext deutlich mehr verspricht, als der Inhalt am Ende einlösen kann.

Sister, Sister
Sister, Sisterby Emily R. Austinpola
31. Mai
Rating:4

Hier war es Cover-Liebe auf den ersten Blick. Das Cover ist ein wirklicher Blickfang. Der Titel dazu hat mich neugierig gemacht und der Klappentext war dann der Grund, warum ich mich für dieses Buch beworben habe. Ich hatte erwartet, dass ich eventuell einige Parallelen aus meinem Leben hier wiederfinden würde. Die habe ich dann wirklich auch gefunden, aber bei einem ganz anderen Thema, was ich so nicht erwartet hatte. Sigrid, 21 Jahre alt, hinterlässt Abschiedsbriefe an ihre Schwester Margit und Familie. In mehreren Versuchen bemüht sie sich, diese Briefe so zu formulieren, dass niemandem die Verantwortung für ihren Suizid zugeschrieben wird. Mit jedem neuen Versuch erfahren wir mehr und mehr von der Familiengeschichte. In welchen schwierigen Familienverhältnissen Sigrid aufwachsen musste: wenig Geld, eine strenge katholische Erziehung, Gewalt und ein unsicheres Verhältnis zu ihren Eltern. Sie fühlt sich trotz Familie einsam und als Sonderling. Bis Greta in ihr Leben tritt und ihr hilft, sich weniger seltsam und allein zu fühlen. Sie zeigt ihr, dass sie nicht die einzige queere junge Frau in einer Kleinstadt ist. Ich hatte nach der Beschreibung eine ganz andere Geschichte erwartet. Die Beziehung zwischen den Schwestern in der Kindheit habe ich mir viel enger und die Geschichte weniger belastend vorgestellt. Vielleicht war das auch der Grund, warum die ersten 100 Seiten des Buchs sich zäh anfühlten, bevor ich endlich eintauchen konnte. Vielleicht waren es aber auch die schweren Themen, die hier besprochen werden. Es ist nicht allein der Suizid der Schwester, der die Erzählung in düstere Farben taucht, sondern ebenso die Themen, welche zahlreiche junge Menschen in der heutigen Zeit beschäftigen. Soziale Ungerechtigkeit, Gewalt in der Familie, sexuelle Gewalt gegenüber Frauen, Homophobie, Opioidsucht und das Leben in einer Kleinstadt als „Andersdenkende“. Es gab so viele Themen, die mich tief berührt und zum Innehalten gebracht haben – dieses „Unverstandenfühlen“ habe ich dabei richtig gut gespürt. Die Diskussionen, die Sigrid immer wieder führen muss, weil sie anders denkt als die Mehrheit der Kleinstadt. Nach dem schwierigen Start in das Buch haben mir die letzten 2/3 wirklich gut gefallen. Die Sicht von Schwester Margit hat dem Buch noch einmal richtig frischen Wind eingehaucht. Es ist kein Roman zum „kurz mal Weglesen“, sondern ein schweres Buch, das auch zu einem passen muss. Der Schreibstil ist besonders, ohne Umschweife und schnörkellos auf den Punkt gebracht. Es sind Abschiedsbriefe, Tagebucheinträge und Gedanken, weshalb der Roman wenige Unterhaltungen enthält. Ich kann mir vorstellen, dass es nicht zu jedem passt. Mich hat es am Ende überzeugt. S.15 „Im Moment habe ich meine Periode. Ich muss warten, bis sie zu Ende ist, bevor ich loslege. Ich will nicht mit einem Tampon begraben werden. Denn nicht mal der Tod könnte meine Periode aufhalten, glaube ich.“ S.48 „Ich fand es seltsam, dass Drysdale so viele Ressourcen für eine Sechzehnjährige aufwandte, die ihre Hausaufgaben verbrannte, und so wenige für einige unserer größeren Probleme wie die Opioidepidemie, Obdachlosigkeit und ständige Hassverbrechen, aber davon verstehe ich wohl zu wenig.“ S.88 „Greta und ich fühlten uns wohl, wenn wir zusammen waren. In ihrer Gesellschaft war ich so entspannt wie allein. In Gegenwart anderer Leute spürte ich hingegen eine seltsame Kluft, die mir selbst in großen Gruppen Einsamkeit bescherte.“ S.256 „Greta und ich beschwerten uns häufig darüber, dass die Blicke während bestimmter Konversationen grundsätzlich zu uns wanderten. Einmal ging es in einer Gruppe um eine teure Rampe, die vor dem Rathaus gebaut werden sollte. Die Leute beschwerten sich über die Kosten. Ständig beäugten sie uns, um zu sehen, ob wir ihnen widersprechen würden. Greta stieg darauf ein. In sarkastischem Tonfall rief sie: „Ja, klar, Scheißrampen. Wer will schon behinderte Menschen im Rathaus haben? Wer eine Rampe braucht, kann sich mal ficken, stimmt’s?“

Sister, Sister
Sister, Sisterby Emily R. Austinpola