
đȘ Unter der glĂŒhenden Sommerhitze Tokios lauert etwas viel Dunkleres als die Nacht.
Als in Tokio zwei kleine MĂ€dchen verschwinden und eines von ihnen wenig spĂ€ter tot aufgefunden wird, beginnt fĂŒr Kommissar Saeki eine Ermittlung, die ihn immer tiefer in menschliche AbgrĂŒnde fĂŒhrt. Gleichzeitig sucht ein trauernder Vater Trost bei einer Glaubensgemeinschaft, deren Einfluss zunehmend bedrohliche AusmaĂe annimmt. Tokyo: Schwarzer Sommer ist kein klassischer Thriller, der mit Spannung und rasanten Wendungen um sich wirft. Der Autor nimmt sich bewusst Zeit, die Charaktere und die gesellschaftlichen HintergrĂŒnde der Handlung detailliert auszuarbeiten. Genau das war fĂŒr mich gleichzeitig StĂ€rke und SchwĂ€che des Buches. Die bedrĂŒckende AtmosphĂ€re und die Einblicke in das Japan der frĂŒhen 90er-Jahre haben eine besondere Stimmung geschaffen. Gleichzeitig empfand ich den ErzĂ€hlfluss ĂŒber weite Strecken als sehr langsam. Gerade zu Beginn fiel es mir schwer, wirklich in die Geschichte hineinzufinden, und die Spannung blieb lange Zeit eher unterschwellig. Besonders der Handlungsstrang rund um Matsumoto und die Glaubensgemeinschaft konnte jedoch mein Interesse frĂŒh wecken. Mit fortschreitender Handlung greifen die verschiedenen Ereignisse und Perspektiven immer stĂ€rker ineinander, wodurch auch die Figuren zunehmend greifbarer werden. Einige Entwicklungen haben mich tatsĂ€chlich ĂŒberrascht. Erst im letzten Drittel entfaltet die Handlung ihr volles Potenzial. ZusammenhĂ€nge werden sichtbar und die Geschichte gewinnt deutlich an Tempo. Ab diesem Punkt konnte mich das Buch schlieĂlich doch noch fesseln. Schade nur, dass dieser Sog erst so spĂ€t eingesetzt hat. Fazit: Nicht der spannendste Thriller, den ich gelesen habe, dafĂŒr aber eine atmosphĂ€rische und tiefgrĂŒndige Geschichte mit einem gelungenen Schluss und interessanten Einblicken in die japanische Gesellschaft. 3,5 âïž
















