26. Okt.
Rating:4

Lesenswert

Baden Baden im Jahr 1847. Die junge Claire Engel hat einen außergewöhnlichen Traum. Croupiere möchte sie werden und wäre somit die erste Frau überhaupt im prunkvollen Kasino der Stadt. Das hat die Welt von damals wohl noch nicht erlebt, eine Frau als Croupier. Ein Herd wäre angebrachter für die Frauen von damals. Die Spielbank ist berühmt für ihre prominenten Besucher, so ziemlich alles, was Rang und Namen trägt, trifft sich dort. Reiche und Adlige vergnügten sich vom einfachen Volk, das seinen Hungerlohn im Kasino verdoppeln wollte, wurde kaum jemand hineingelassen. Als Croupier Culot sich schlimm an der Hand verletzt, ergibt sich eine große Chance für Mademoiselle Claire. Von der Garderobe zum Roulette Tisch. Aber das Leben im Kasino ist ein Spiel, das gegen diese Regeln verstoßen sehr gefährlich werden kann. Und hinter den prachtvollen Kulissen ist längst nicht alles Gold, was glänzt. Wird sich Claire ihren Traum auf Dauer erfüllen können oder wird es nur die Zeit sein, wo Culot ausfällt, dass sie die Scheibe drehen darf. Schon bald ist sie beliebter als der ausgefallene Croupier, was dem ein Dorn im Auge ist. Es passiert sehr viel, es geht um enttäuschte Hoffnung und verratene Liebe. Ein verbrecherisches Verwirrspiel mit Diebesgut und Abstürze in Schuldenfallen, wo skrupellosen Leuten die Tür zu einfach geöffnet wird. Das ist auch heute noch so. Eine zirkuläre Krankheit, die gefährlich ist, weil man in dieser Zeit noch nicht das medizinische Wissen von heute hat. Für Spannung ist gesorgt im glitzernden Kreis eines der populärsten Kasinos der Welt. Claire ist eine sehr sympathische Protagonistin, die nie aufgibt ihren Traum zu leben. Auch der Wachmann Theo ist ein feiner Charakter, der auch einiges an Schicksal mit sich herumträgt. Ein Freund, wie man ihn sich in einer schweren Zeit nur wünschen kann. Ist Claire wirklich bereit, alles für ihren Zukunftstraum zu opfern? Wie wird es in ihrer Beziehung zu George Bedford weitergehen? Der leichte, gut zusammenpassende Schreibstil ließ mich schnell in die Geschichte eintauchen. Das Ende hatte ich so nicht im Blick und es überraschte mich dann doch. Ich empfehle das Buch sehr gerne weiter, es hat mich gut unterhalten. Langeweile kam zu keiner Zeit bei mir auf. Das Cover gefällt mir gut, aber es hätte noch ein Roulettetisch dabei sein können

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Kasinoby Martina SahlerLübbe
7. Apr.
Rating:5

Das alte Baden-Baden steht noch einmal auf. Das Casino wird besucht von Reichen schönen und solchen dies werden wollen. Und mittendrin eine Frau, die ihren Weg gehen möchte auch im vorletzten Jahrhundert .Gut geschriebenes schönes Buch über meine Heimat.

Kasino
Kasinoby Martina SahlerLübbe
20. Okt.
⭐️⭐️⭐️⭐️(⭐️)
Zeitreise ins mondäne Spielerparadies Baden-Baden
Rating:4.5

⭐️⭐️⭐️⭐️(⭐️) Zeitreise ins mondäne Spielerparadies Baden-Baden

Wer schon einmal in einem Kasino am Roulettetisch gestanden hat, weiß, dass diese heiligen (Spiel-)Hallen immer einen Hauch Glamour versprühen. Auch heute noch. Doch wie sah es in der Vergangenheit aus, als die gut betuchten Damen und Herren der Gesellschaft - und solche, die es werden wollten - sich am Spieltisch trafen? Das edle Ambiente war auch damals schon ein wichtiger Faktor für den erfolgreichen Spielbetrieb. Und deshalb strahlt der gesamte Roman auch immer einen Hauch von Luxus aus. Eingebettet in dieses Umfeld haben die Autoren eine Geschichte geschrieben, die von der weiblichen Emanzipation zeugt (aber leider ihrer Zeit fast 150 Jahre voraus war) - die Geschichte einer weiblichen Croupiere im Jahr 1847, was - wie man dem Nachwort entnehmen kann, keineswegs im 19.Jahrhundert bereits üblich war. Vielmehr gab es sogar erst Ende des 20. Jahrhunderts weibliche Spielleiter am Roulettetisch! Dies tut jedoch der Spannung des Romans keinen Abbruch - die Geschichte ist gut konzipiert und hat neben einer sympathischen und tatkräftien Protagonistin (Claire) auch wunderbar gezeichnete Nebenfiguren, deren Schicksale ich gern verfolgt habe. Besonders Theo, der Sicherheitsmann, und Arzt Günther Leberecht sind mir ans Herz gewachsen. Sie haben eben das Herz auf dem rechten Fleck und sind grundauf ehrliche Menschen mit dem Blick für Notlagen anderer. Etwas, was auch heutzutage vielen Menschen gut zu Gesicht stünde. Interessant fand ich auch, dass die sich anbahnende Liebesgeschichte zwischen Claire und dem Engländer George absolut nicht schwarz-weiß gezeichnet war. George leidet unter einer Krankheit (mehr möchte ich hier noch nicht verraten) und die Darstellung dieser (mit dem damaligen medizinischen Wissen) und die Schwierigkeiten, die das Leiden mit sich bringt, waren differenziert und nachvollziehbar dargestellt. Respekt, dass man sich in diesem historischen Roman an ein solches Thema gewagt hat. Ein Kasino bietet natürlich auch viel Raum für Gier, Machtspiele und den Absturz in die Schuldenfalle - was wiederum die Tür öffnet für kriminelle Machenschaften. Auch das kommt natürlich im Roman nicht zu kurz und sorgt für Spannung im beschaulichen Baden-Baden. Kurzum - dieser Roman hat alles, was gute Unterhaltungslektüre braucht und ich habe das Buch sehr genossen. Einzig das doch sehr wohlgefällige Happy End war mir einen kleinen Tick zuviel. Hier hätte ich mir gewünscht, dass sich vielleicht nicht alle Probleme lösen lassen und noch ein paar Spannungselemente ungelöst bleiben (für den von mir sehnlich erwarteten zweiten Teil!) ☺ Ich freue mich schon darauf, wenn es wieder heißt „Die neue Saison im Kasino ist eröffnet!"

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Kasinoby Martina SahlerLübbe