
Eine herzerwärmende Verbundenheit zwischen Mensch und Tier
Benjamin ist achtzehn und hat Angst. Vor vielen Dingen. Am allermeisten vor Keimen und Krankheiten. Und davor seine Oma zu verlieren. Gary ist ein Windhund. Sehr bekannt und entlaufen. Sie begegnen sich am Strand. Und Gary weicht plötzlich nicht mehr von Benjamins Seite. Die Geschichte zwischen Benjamin und Gary hat mich sehr berührt. Benjamin der so verschlossen und ängstlich ist, Gary aus Angst nicht anfassen kann und dann doch nach und nach auftaut und ihn in sein Herz schließt. Wie geduldig Gary mit Benjamin ist war so ergreifend, dass ich mal wieder feststellen musste wie sensibel Tiere sein können und ein Gespür dafür zu haben scheinen was ein Mensch in jenem Moment braucht. Die beiden zusammen zu erleben, war einfach herzerwärmend. Nichtsdestotrotz war der Roman kein Highlight für mich. Er hat stark angefangen, dann jedoch schnell nachgelassen. Sprachlich beinhaltet er wunderschöne Aussagen, mir fehlte insgesamt jedoch der Tiefgang. Ich würde ihn als ein typisch britisches Road Trip Abenteuer beschreiben, das zwar emotionale Themen behandelt, aber mit Humor, Leichtigkeit und ab und an makaber daherkommt. Das Ende kam für mich zu plötzlich und fühlte sich etwas unbefriedigend an. Alles in allem ein lesenswerter Roman, der emotional schwierige Themen aufgreift, jedoch mit Leichtigkeit und Wohligkeit wieder ausgleicht. Zitate: „Hast du dich verirrt?“, sagte er. Aber die Frage kam ihm dumm vor. Denn manchmal war es schwer zu sagen, ob man sich verirrt hatte oder nicht. Er wusste, dass man sich fehl am Platz fühlen konnte, auch wenn der eigene Körper genau dort war, wo er sein sollte. Dass es oft gar nichts mit dem Ort zu tun hatte. Das tat er manchmal: sich in das Leben von Menschen, die er sah, hineinversetzen. „Das nennt man Empathie“, sagte Camille. „Es ist eine Superkraft.“ Er wusste nicht, warum er es tat, nur dass er dadurch mehr Wärme für andere empfand. Wodurch er sich zugehöriger fühlte. Liebevoller. Weniger einsam. Mit einem Mal spürte Benjamin Verzweiflung in sich aufsteigen. Wenn er an den mageren Hund dachte, der unten in dem Mobilheim lag, wenn er sich vorstellte, wie ihn jemand mitnahm, war ihm, als hätte die Luft plötzlich weniger Sauerstoff. Als bräuchte er immer mehr davon, um bei Bewusstsein zu bleiben. Er wusste, sie waren füreinander bestimmt, sonst wäre Gary ihm nicht nach Hause gefolgt. Wäre nicht ohne Leine die ganze Zeit bei ihm geblieben. In der Stille konnte Benjamin den schweren, tiefen Ozean hören. Er dachte daran, was Leonard gesagt hatte – dass ein Ort eine Anziehungskraft haben konnte -, und einen Moment lang fragte er sich, ob er sie spüren konnte. Es war seltsam, es laut ausgesprochen zu hören. Zu sagen, dass Gary ihm gehörte. Aber Benjamin wusste, dass Gary sein Hund war. Und dass er Garys Mensch war.















