Ein Krimi mit trockenem, sehr britischem Humor, der mich immer wieder schmunzeln liess. Der Fall ist spannend erzählt, das Flair der 1950er Jahre ist gut eingefangen. Frank Gasby ist eine Figur, der man gerne folgt. Ich hoffe sehr auf weitere übersetzte Fälle. Der Autor ist leider 2025 verstorben.
Ein weiterer Grund, warum historische Krimis für mich unschlagbar sind!
**** Mein Eindruck **** Historische Krimis besitzen für mich immer eine ganz eigene, beinahe magische Atmosphäre. Für mich ergänzen sich diese beiden Genres perfekt und dieses Buch hat mir das erneut eindrucksvoll bewiesen. Der Schreibstil von Meyrick ist äußerst stimmig. Er ist klar erzählerisch, zugleich aber feinfühlig in der Dialogführung. Die Figuren fühlten sich lebendig an und ich hatte als Leserin das Gefühl, ihnen auf ihren Wegen zu folgen und mitten durch ihre Welt zu gehen. Die Geschichte nimmt sich Zeit, einfach zu erzählen. Sie ist nicht ausschließlich auf das Ziel fixiert, sondern erlaubt es sich, in Freundschaften, Alltagsmomente und zeitgeschichtliche Entwicklungen einzutauchen, ohne dabei den eigentlichen Kern aus den Augen zu verlieren. Die Mordermittlung empfand ich als angenehm ruhig und dennoch spannend. Das Erzähltempo ist bewusst gewählt und passt hervorragend zur Geschichte. Die weihnachtliche Atmosphäre sorgt für eine behagliche Grundstimmung, ohne dass sich alles ausschließlich um die Jahreszeit dreht. Täuschen lassen sollte man sich davon allerdings nicht. Die Handlung spielt kurz nach dem Zweiten Weltkrieg, der Kalte Krieg ist bereits in vollem Gange und Entbehrungen sowie Misstrauen prägen weiterhin den Alltag. Genau diese Umstände machen den Fall komplexer, durchzogen von falschen Spielen, verdeckten Motiven und unterschwelliger Spannung. Der Ermittler steht vor zahlreichen Herausforderungen und erweist sich dabei als ausgesprochen sympathischer Protagonist, dem man gern weiter folgt. **** Empfehlung? **** Dieser historische Krimi überzeugt durch Atmosphäre, Figurenzeichnung und ein ruhiges, aber wirkungsvolles Spannungsniveau. Wer entschleunigte Ermittlungen mit historischem Tiefgang schätzt, sollte sich dieses Buch nicht entgehen lassen.
Cozy Crime in der Vorweihnachtszeit
Yorkshire 1952: Inspector Grasby raubt seinem Vorgesetzten regelmäßig den letzten Nerv, da er von einem Missgeschick ins nächste stolpert. So kommt es, dass er zur Strafe ins kleine Dorf Elderby versetzt wird. Was soll, bis auf einige Diebstähle, in dem idyllischen Ort schon passieren? Frank Grasby wird allerdings sogleich bei seiner Ankunft mit einem Toten im Kamin konfrontiert. Und die nächste Leiche lässt nicht lange auf sich warten. Der Winterkrimi vom 2025 verstorbenen Autor Denzil Meyrick ist überaus angenehm erzählt, mit einem Humor, der dem Leser regelmäßig ein süffisantes Lächeln ins Gesicht zaubert. Die perfekte Lektüre für die Vorweihnachtszeit.
Zur Wintersonnenwende habe ich mal wieder eine Rezension für euch: »Der Tote im Kamin« von Denzil Meyrick. Dabei handelt es sich um den ersten Teil der Reihe um Inspector Frank Grasby, der kurz vor Weihnachten des Jahres 1952 nach Yorkshire strafversetzt wird und prompt den titelgebenden Toten aus dem Kamin fischt. Das Ganze klingt erstmal nach typisch weihnachtlichem Cosy Crime, doch davon ist es weit entfernt. Auf der Rückseite ist von einer »Komödie zum Wohlfühlen« (The Times) die Rede oder auch von »wunderbar schwarzem Humor« (The Sunday Post). Ich persönlich würde »Der Tote im Kamin« als moderne Form des Detective Noir- oder Hard-Boiled-Krimi sehen. Die Nachkriegszeit der 1950er Jahre wird hier lebendig, man erfährt in kurzen Anekdoten einiges über die Kriegserfahrungen der Figuren, allerdings ohne dass diese sich in den Vordergrund drängen. Inspector Frank Grasby passt genau ins Bild des einzelgängerischen Detektivs mit einer Vorliebe für Zigaretten, Pferderennen, Alkohol und Frauen – allerdings mit einem modernen Anstrich. So kommt er doch deutlich feministischer und weniger zynisch daher als seine berühmten Vorgänger (wie z. B. Philip Marlowe oder Sam Spade). Außerdem macht er eine deutliche Entwicklung durch, die nicht übermäßig betont wird, aber dennoch präsent ist. Es hat ein paar Seiten gedauert, bis ich mit Grasby warm wurde. Er folgt seinem eigenen Moralkodex, der hauptsächlich seinem eigenen Vorteil dient. Doch spätestens nach ein paar Kapiteln hatte er mich mit seiner sarkastisch-optimistischen Art um den Finger gewickelt. Der Kriminalfall nimmt eine ganz andere Wendung als ich erwartet hatte. Diese ist weder sonderlich Cosy noch angesichts der aktuellen Weltlage lustig. Aber das Buch ist spannend, die Figuren allesamt herrlich schrullig bis skurril. Ich habe mich keine einzige Minute gelangweilt. Außerdem ist der Schreibstil großartig, sehr gelungen auch die deutsche Übersetzung. Leider ist Autor Denzil Meyrick im Februar verstorben, was mir sehr leidtut. Ich hoffe, dass auch die übrigen beiden Romane um Frank Grasby übersetzt werden. Für alle, die Lust auf vorweihnachtlichen Detective Noir im modernen Gewand haben.
Nur das letzte Drittel war wirklich Unterhaltsam und rasant geschrieben.
Der Roman konnte mich nicht ganz überzeugen,dazu sind die ersten 280 Seiten zu Schablonen und Klischeehaft geschrieben.Die letzten 100 Seiten sind dann so rasant und Abwechslungsreich geschrieben das ich dem Roman 3 Sterne geben kann.
Sternebewertung fiktiv
Dieses Buch wurde mir wärmstens von @rezensurensohn1 empfohlen und manchmal sind genau das die Empfehlungen, die einen catchen. Der Tote im Kamin hat mich im Oktober erreicht, gelesen habe ich ihn allerdings erst nach vier Wochen Asien. Winterstimmung? Fehlanzeige. Umso erstaunlicher, wie schnell mich dieser Roman genau dort abgeholt hat, wo er hinwill, mitten ins verschneite England der 1950er Jahre. Schon das Cover ist ein Volltreffer, 10/10, sofort atmosphärisch, sofort britisch. Und der Inhalt hält, was das Äußere verspricht. Inspector Frank Grasby wird 1952 aus York ins abgelegene, winterliche Elderby in den Mooren North Yorkshires strafversetzt. Kaum angekommen, fällt ihm eine Leiche vor die Füße. Kurz darauf folgt eine zweite. Gemeinsam mit dem immer schläfrigen Sergeant Bleakley beginnt Grasby zu ermitteln. Denzil Meyrick hat einen feinem schwarzen Humor, klassisch britisch einfach. Die Charaktere sind sehr gut gewählt aber der Hauptprotagonist ist das eigentliche Highlight. Er ist arrogant, sarkastisch und immer etwas neben der Spur. Genau diese Mischung trägt den Roman. Ich freu mich auf weitere Fälle. Perfekt für die Winterzeit oder einfach alle die Bock auf einen guten Krimi haben.
Ich fand das Buch ganz nett. Es wird zwar sehr langsam erzählt und hat auch einige Längen, trotzdem hat mir die Geschichte gefallen. Zwar kein Highlight, aber ok.
Ein guter Einstieg in die Geschichte, die immer rasanter und wilder wird. Es hat mir gut gefallen auch wenn es zwischendurch sehr verwirrend wurde.

Ich muss gestehen: Ich hatte keine Ahnung, was mich erwartet, als ich „Der Tote im Kamin“ vom Dumont Verlag erhalten habe – aber schon nach den ersten Seiten war ich völlig eingenommen. Denzil Meyrick gelingt hier ein atmosphärischer Krimi, der gleichzeitig humorvoll, spannend und typisch britisch ist – mit allem, was dazu gehört: Nebel, Tee, eigenwillige Dorfbewohner und jede Menge trockener Ironie. Inspector Frank Grasby ist kein klassischer Held. Er ist ein wenig tollpatschig, mit einer Pechsträhne gesegnet und alles andere als ein glänzender Ermittler – und gerade das macht ihn so sympathisch. Nach seinem grandiosen Fehltritt mit den Pferden (eine Szene, bei der ich laut lachen musste!) wird er in das verschlafene Elderby versetzt, wo angeblich nie etwas passiert. Natürlich dauert es keine zwei Kapitel, bis eine Leiche aus einem Kamin fällt – und das Chaos nimmt seinen Lauf. Die Chemie zwischen Grasby und der jungen Polizeipraktikantin Deedee ist großartig. Sie ist klug, schlagfertig und bringt frischen Wind in das altmodische Dorf. Ihre Dialoge sind witzig, manchmal bissig, aber immer herzlich – das Zusammenspiel der beiden ist einer der großen Pluspunkte des Romans. Was mir besonders gefallen hat, ist der Ton: Meyrick schafft es, Spannung und Humor perfekt auszubalancieren. Trotz der Leichen bleibt das Buch leichtfüßig und liest sich wie eine liebevolle Hommage an klassische englische Krimis à la Agatha Christie, nur mit einem moderneren Augenzwinkern. Die Dorfgemeinschaft ist voller Geheimnisse und schrulliger Figuren – man weiß nie so recht, wer lügt, wer vertuscht und wer einfach nur eigen ist. Die Auflösung ist clever, ohne zu übertrieben zu wirken, und der Fall entwickelt sich mit genau dem richtigen Maß an Wendungen. Gleichzeitig bleibt genug Raum für Charakterentwicklung, besonders bei Grasby, der trotz aller Missgeschicke Herz, Humor und Instinkt beweist. Fazit: „Der Tote im Kamin“ ist ein warmherziger, pointiert geschriebener Krimi mit britischem Flair, liebenswerten Figuren und einer Prise schwarzem Humor. Perfekt für alle, die gemütliche Ermittlungen mit Witz, Atmosphäre und Charme lieben – und sich gerne bei einer Tasse Tee in ein englisches Dorf voller Geheimnisse träumen. ⭐ Bewertung: 4 von 5 Sternen
Dezember 1952: Inspector Frank Grasby ist seinem Vorgesetzten schon seit längerem ein Dorn im Auge und als er im Einsatz 20 wertvolle Pferde aus einem Stall entkommen lässt, ist sein Schicksal besiegelt: Er wird in das kleine Örtchen Elderby in den North York Moors versetzt. Kaum dort angekommen, erhalten Grasby und die örtliche Polizeipraktikantin Deedee bereits ihren ersten Fall, als die beiden nach einem gemeldeten Einbruch auch noch eine Leiche im Kamin entdeckten. Und als kurz darauf auch noch der Ehemann der Dorfärztin tot aufgefunden wird, weiß Frank schon bald nicht mehr, wem er in Elderby überhaupt noch trauen kann. ➸ "Der Tote im Kamin" ist der erste Band einer Krimireihe rund um Inspector Frank Grasby und basiert auf seinen Tagebüchern. Gespickt mit Vernehmungsprotokollen und Telex-Nachrichten wird die Geschichte aus der Ich-Perspektive erzählt und fängt dabei die Atmosphäre der 1950er-Jahre sehr gut ein. Die Geschichte selbst ist lebhaft und fesselnd erzählt, nicht zuletzt dank des sympathischen und etwas tollpatschigen Protagonisten Frank. Er hat einen herrlichen Humor und auch wenn er stellenweise etwas schwer von Begriff zu sein scheint, ist er doch keineswegs auf den Kopf gefallen. Sein Sarkasmus und die Dialoge zwischen ihm und seinem Vater haben mich oft zum Lachen gebracht, und die Situationskomik sorgt dafür, dass man nur so durch die Seiten fliegt. Auch die weiteren Figuren wirken mit ihren Intrigen und Verschwörungen sehr lebendig. Vor dem Hintergrund des Kalten Krieges zwischen Ost und West gewährt die Geschichte zudem einen etwas ernsteren Blick auf die damalige Zeit. Dabei fängt der Autor den Geist der Nachkriegszeit sehr gut ein, erzählt die Story aber dennoch mit einem Augenzwinkern – gerade dann, wenn sie in exzellente Verrücktheiten und skurrile Situationen abdriftet. Fazit: "Der Tote im Kamin" von Denzil Meyrick ist ein humorvoller und spannender Krimi ohne viel Blutvergießen - wendungsreich und mit wunderbar schwarzem britischen Humor. Klare Leseempfehlung!

Kein gemütlicher Weihnachtskrimi „Wenn Sie sich nicht gerade dämlich anstellen, sind Sie ein durchaus fähiger Polizist.“ (S. 19) Leider neigt Inspector Frank Grasby bei Ermittlungen zu unüberlegten Aktionen, darum wird er im Dezember 1952 von York nach Elderby in den North York Moors strafversetzt. Dort hat es zahlreiche Diebstähle auf den Farmen von Lord Damnish gegeben. Grasby soll die Polizei vor Ort unterstützen – je eher er die Schuldigen erwischt, desto eher kann er zurückkommen. Sergant Bleakly, der Leiter des örtlichen Reviers, ist genauso verschlafen wie das Dörfchen. Grasbys einziger Lichtblick ist die hübsche Praktikantin Miss Daisy Daen, genannt Deedee. Sie stammt aus New York und studiert in Yale Kriminologie. Grasby ist mit fast 40 immer noch Junggeselle und sehr von ihr angetan, aber sie hält ihn auf Abstand. Weil bei ihrem Antrittsbesuch bei Lord Damnish dessen Kamin extrem qualmt, will Grasby helfen. Dabei zieht er eine Leiche aus dem Schacht, die angeblich niemand kennt. Und schon am nächsten Morgen gibt es den nächsten Toten. Hinter der Kirche wird der im Ort ansässige amerikanische Journalist Chuck Starr gefunden. Doch noch bevor Gasby mit den Nachforschungen beginnen kann, mischt sich sein Chef mit einen außergewöhnlichen Anliegen ein. „Der Tote im Kamin“ ist ein sehr ungewöhnlicher und herrlich skurriler Krimi, der (Achtung Spoiler!) immer mehr zum Agententhriller wird. Der 2. WK ist noch nicht lange vorbei, die Lebensmittel sind noch rationiert und der Kalte Krieg ist in vollem Gang. Alle Fremden im Ort werden misstrauisch beäugt, aber auch Lord Damnish hat sich Feinde gemacht. Er hat seinen Titel nämlich nicht geerbt, sondern dem alten Lord zusammen mit dem Besitz und dessen Tochter abgekauft. Der Fall beginnt relativ gemütlich, wird immer undurchsichtiger und zieht immer größere Kreise. Irgendwann überschlägt sich die Handlung förmlich, es gibt ständig neue Beteiligte, Motive und Indizien. Es wird für Grasby (und auch für mich) sehr unübersichtlich, weil man bald nicht mehr weiß, wer hier alles ein falsches Spiel spielt. Kaum jemand ist der, der er vorzugeben zu sein scheint. „Frank Grasby ist ein geborener Schriftsteller, der unterhaltsam zu erzählen vermag. Nur hie und da neigt er zu Abschweifungen …“ (S. 8) schreibt Denzil Meyrick, der hier als übergeordneter Erzähler des Ich-Erzählers Frank auftritt und hat Recht. Er lässt Grasby selbst berichten lässt, was der erlebt und denkt, wie er ab und an oft unfreiwillig komisch ist und in welche Fettnäpfchen er tappt. Er ist ein ziemlich verschrobener Charakter, muss sich neben den Ermittlungsproblemen auch mit einer unheimlichen Wirtin und deren gruseligen Voraussagungen beschäftigen und einem allmächtigen, stets unzufrieden nörgelndem Vater rumschlagen.










