Der vermutlich zumindest teilweise autobiografische Roman von Lukas Hoffmann erzählt von Luk, der aus einem belastenden Umfeld in Deutschland nach Barcelona flieht. Seine Mutter ist schwer krank, sein bester Freund in der Psychiatrie – doch statt sich der Verantwortung für die Menschen in seinem Leben zu stellen, sucht Luk den Ausbruch in eine vermeintliche Verantwortungslosigkeit in Spanien. Dieser Coming-of-Age-Roman zwischen den Ländern thematisiert das verzweifelte Suchen eines zerrissenen jungen Mannes, der ständig vor dem Leben davonläuft, das ihn eigentlich fordert. Ich fand die Figur in ihrer Zerrissenheit zwar nachvollziehbar, aber nicht durchgehend nahbar. Gerade weil Luk so oft passiv bleibt und vieles eher mit sich geschehen lässt, fiel es mir stellenweise schwer, mich ganz auf ihn einzulassen. Trotzdem konnte ich seine Überforderung in vielen Momenten gut verstehen. Die Figur des Luk blieb für mich trotz ihrer erkennbaren Überforderung distanziert. Weil er sich oft nur treiben lässt und an entscheidenden Punkten passiv bleibt, fiel es mir phasenweise schwer, mich wirklich auf ihn einzulassen. Auch der Schreibstil spiegelt diese Zerrissenheit wider: Die tagebuchartige Erzählweise mit ihren teils großen, ungefilterten Sprüngen wirkt zwar authentisch zur inneren Unruhe, lässt den Lesefluss aber manchmal etwas unruhig und ungelenkt erscheinen. Dennoch konnte ich Luk in seinen Schwierigkeiten gut verstehen, und der Roman hat mich als Ganzes durchaus überzeugt. Besonders aufschlussreich war die Einbettung in das politische Klima Barcelonas; die katalanische Unabhängigkeitsbewegung ist hier mehr als bloße Kulisse und hat mir tatsächlich einiges an Kontext vermittelt. Insgesamt ist *Wassermann* ein atmosphärischer, wenn auch erzählerisch nicht immer ganz griffiger Roman über Flucht und die schmerzhafte Annahme von Verantwortung.

In Barcelona beginnt Luk ein Auslandssemester & die katalanische Unabhängigkeitsbewegung ist im vollen Gang. Olive, die Nachbarin ist eine Aktivistin. Kurze Zeit später kommen sie sich näher. Währenddessen erkrankt Luks Mutter in Deutschland. Muss er sich zwischen Spanien & Deutschland entscheiden? *********** „Wassermann“ von Lukas Hoffmann, geb.1995 ist sein Romandebüt. Das Auslandssemester ist die Flucht, um der Verantwortung, der Traurigkeit in Deutschland zu entkommen oder die Suche zur Identität? Was hält das Leben für einen bereit. Angekommen dominieren im Alltag, politische Unruhen, Demonstrationen, um die katalanische Unabhängigkeitsbewegung. Persönliche Konflikte spielen zudem eine Rolle. Mitmischen oder den eigenen Weg gehen? Die Entscheidung ist nicht einfach. Soll ich als Held oder Verlierer aus der Revolution gehen? Schließe ich mich der Gruppe aus Solidaritätsprinzipen an? In Deutschland erkrankt seine Mutter & stirbt später. Das Band zur Schwester wird stärker. Durch den tragischen Abschied findet er seine innere Stärke & lernt Verantwortung zu übernehmen. Die Liebe zu Olive ist kompliziert, sie verbringen viel Zeit, aber sie ist auch in politische Aktionen involviert. Als Unterstützter ist er Mittäter, also lieber auf Distanz bleiben? „Wassermann“ ist in 4 große Teil geteilt, die die Phasen eines Kampfes vermuten lassen & bearbeitet große Themen wie Identität, Erwachsenwerden & Solidarität. Wie Luk sich unsicher in einem fremden Land bewegt & mit Emotionen/Handlungen überschüttet wird, so liest es sich stellenweise. Ich konnte mit Luk eine Verbindung aufbauen. Gerade durch die innere Zerrissenheit. Die Sprache ist leicht, stellenweise poetisch. Der Ansatz in der katalanischen Unabhängigkeitsbewegung die Handlung spielen zu lassen, fand ich skeptisch, aber für mich ist es gelungen. Obwohl viele Themen bearbeitet werden, ist es ein toller Coming-of Age Roman. Hoffmann verarbeitet teilweise Züge aus seinem Leben. Wer in Barcelona war, hat die Orte vor Augen.
Ich hatte mich auf eine packende Mischung aus persönlicher Entwicklung und politischem Zündstoff gefreut, wurde aber mit gemischten Gefühlen zurückgelassen. Lukas Hoffmann versteht es ohne Zweifel, Schauplätze lebendig zu machen; man fühlt sich direkt in die aufgeheizte Stimmung Barcelonas versetzt und bekommt ein gutes Gespür für den Kontrast zwischen dem inneren Gefühlschaos der Hauptfigur und den Unruhen auf der Straße. Dass die Story trotz der schweren Themen wie Verlust und Einsamkeit nie langatmig wird, ist ein klarer Pluspunkt. Mein Hauptproblem war jedoch der emotionale Zugang. Die Handlung ist sehr sprunghaft erzählt, was dazu führt, dass ich zu den Charakteren kaum eine echte Bindung aufbauen konnte – sie blieben für mich leider etwas blass und eindimensional. Sprachlich hat mich der Roman angesprochen, der letzte Schliff und die Tiefe fehlten mir ein wenig. Es ist ein interessantes Erstlingswerk mit viel Potenzial und einer starken Kulisse, das mich am Ende aber nicht ganz abholen konnte.
Zwischen Laufen und Ankommen
"Wassermann" von Lukas Hoffmann ist ein Roman, der stark über Stimmung und damit die Sprache funktioniert. Im Vordergrund steht Luk, der versucht, vor familiären Konflikten, dem bevorstehenden Tod seiner Mutter und dem damit einhergehenden Gefühl von Überforderung zu fliehen. Positiv zu erwähnen ist dabei, dass diese Themen nie plakativ auserzählt werden. Besonders gut fand ich den Schreibstil: Der besteht aus kurzen, präzisen Sätzen und knappen, fragmentierten Kapiteln, die eine klare Distanz zeigen, was zugleich Luks Innenleben spiegelt. Der Roman wird davon geprägt, dass man als Lesende den Eindruck gar Luk würde sein eigenes Leben in einigen Aspekten nur beobachten, anstatt es wirklich mitsamt seiner Emotionen zu erleben. Spannend fand ich auch, wie die politischen Unruhen rund um die katalanische Bewegung in Barcelona in ein paar Aspekten auch Luks inneren Zustand widerspiegeln: seine Orientierungslosigkeit und sein Verlangen aus dem Ist-Zustand auszubrechen. Im Fazit: Ein Roman, der nachhallt, wenn man sich auf die ruhige, introspektive Erzählweise einlässt.
Rezensionsexemplar ♒️ Der Debütroman „Wassermann“ von Lukas Hoffmann liest sich insgesamt sehr flüssig, ich habe das Buch tatsächlich an einem Tag beendet, was schon dafür spricht, dass es mich durchaus gepackt hat. Der Schreibstil war anfangs etwas gewöhnungsbedürftig, aber man findet schnell hinein und kommt dann gut durch die Geschichte. Auffällig ist vor allem die Leichtigkeit, die der Roman trotz teilweise schwerer Themen beibehält. Dadurch wirkt die Handlung nie zu belastend, sondern bleibt angenehm zugänglich. Inhaltlich hat mich das Buch jedoch nicht nachhaltig beeindruckt. Es ist keines dieser Bücher, die lange nachwirken, und vieles ist mir im Nachhinein nicht besonders präsent geblieben. Trotzdem erfüllt „Wassermann“ seinen Zweck als unkomplizierte Lektüre. Gerade für den Sommer kann ich mir das Buch gut vorstellen, wenn man ein Coming-of-Age lesen möchte, das nicht allzu anspruchsvoll ist. Insgesamt also ein solides Buch, das sich gut lesen lässt, aber leider bei mir keinen bleibenden Eindruck hinterlässt




