
Queere Slice of Life in wunderschönem Schreibstil 🌈😌
Zuallererst möchte ich den Schreibstil dieser Geschichte lobend hervorheben. Von der ersten Seite an, liest sich dieser Roman wunderbar flüssig und hat zumindest mich damit direkt in seinen Bann gezogen. Auch mochte ich, wie vielseitig und komplex die Familiendynamik gestaltet ist. Seit Beginn des Lockdowns hocken sie aufeinander, Streitereien sind vorprogrammiert. Und bei jeder einzelnen Figur werden Schattenseiten deutlich. Vor allem die Mutter wurde mir persönlich schnell unsympathisch. Mit ihrer betont lockeren Art und den doch so festgefahrenen Grundsätzen, die scheinbar im Gegensatz dazu stehen. Und doch konnte ich nachvollziehen, warum unsere Protagonistin Sally sie liebt. Warum sie sich nicht vorstellen kann, zu gehen. Warum sie an ihrem von Streit geprägten Familienleben festhält. Genau dieses hin und her gerissen sein, hat es mir beim Lesen angetan. Denn von außen betrachtet, ist die Mutter so offensichtlich toxisch und Sally täte gut daran, einfach abzuhauen. Doch von außen betrachtet, ist alles immer so viel einfacher und dieses Buch fängt wunderbar realistisch ein, wie es ist, in so einer Situation festzustecken. Wie es ist, mal um mal von den Menschen verletzt zu werden, die man so sehr liebt. Und wie schwer eben diese Liebe es macht, sich von ihnen loszusagen. Also bleibt man in der Situation, passt sich an, verbiegt sich so lange für die anderen, bis man sich selbst verliert. Genau das ist Sally passiert. Sie hat sich selbst verbogen. Für ihre Familie. Und für Felix. Ihren Freund, den ich von Anfang an nicht ausstehen konnte. Am liebsten hätte ich ihn geschüttelt, ihn angeschrien, weil er nicht sieht, was er Sally antut. Umso schöner war es, zu beobachten, wie Sally langsam zu sich zurückfindet. Hier hat mir besonders gut gefallen, dass nicht nur Leni und die Romance mit ihr allein dazu geführt haben, sondern, dass es ganz viele Ereignisse gegeben hat, die Sally langsam, aber sicher in die richtige Richtung gelenkt haben. Denn Liebe allein ist nun mal kein Allheilmittel. Jedoch gab es auch einige Punkte, die mich an der Geschichte gestört haben. Ganz vorne ist hier das Erzähltempo, das sich nicht so ganz entscheiden kann. Zwischendurch gibt es unheimlich große Sprünge, nur damit im nächsten Moment beinahe zeitdeckend erzählt wird. Irgendwie haben mich gerade diese großen Sprünge immer wieder ziemlich aus der Handlung gerissen. Außerdem hatte das ganze ein bisschen den Eindruck, als wolle die Geschichte eine Abkürzung nehmen. Direkt zum spannenden Teil springen, anstatt sich die Zeit zu nehmen, uns zu erzählen, wie wir dorthin kommen. Dazu kommt, dass ich es unfassbar leid bin, queere Geschichten zu lesen, in denen die Sexualität der Charaktere zum Problem wird. Denn auch, wenn mir natürlich klar ist, dass eben dies leider noch die Realität vieler ist, würde ich mir wünschen, dass wir zumindest in unserer Literatur einen Ort schaffen, an dem wir einfach wir selbst sein können. Zumal es gerade in Bezug auf Sallys Mutter den Homophobie-Plot gar nicht gebraucht hätte und er mir dafür, dass er als so großes Problem aufgemacht wurde, am Ende viel zu schnell und nicht sonderlich realistisch aus der Welt geschafft wurde. Trotz dieser beiden Kritikpunkte hat mich der Roman jedoch gut unterhalten. Vor allem, wenn ihr auf einen schönen Schreibstil steht und Lust auf eine gute Portion vielschichtiges Familiendrama habt, kann ich euch diese Geschichte von Herzen empfehlen.



















































