28. März
Berührender Roman über Trauerbewältigung!
Rating:4

Berührender Roman über Trauerbewältigung!

. Ein außergewöhnlicher Roman über die leisen, oft verborgenen Wege der Trauer- und Traumabewältigung. Unablässig stellt sich dabei jedoch die Frage, ob dieser Pfad der richtige ist oder nur ein notwendiger Umweg durch das Dunkel. „Hirschtier“… ein berührendes Werk, das nachhallt und behutsam ein neues Verständnis für die Eigenart und Tiefe kindlichen Denkens eröffnet. 4/5 ⭐️ . Was erwartet dich genau… Margaret Murphy wächst in einer Welt auf, in der die Wahrheit zu schwer für ein Kind ist. Seit dem Tod ihrer Freundin Agnes flüchtet sie sich in erfundene Geschichten, die Schmerz in Magie verwandeln und stets glücklich enden. Niemand gibt ihr offen die Schuld, doch im Verdrängen liegt ihr einziger Halt. Bis das Hirschtier erscheint… ein unheimliches Wesen, das sich in ihre Fantasien drängt und sie zwingt, sich der Wahrheit zu stellen. . In „Hirschtier“ folgen wir Margaret durch die erzählte Welt, so nah, als säßen wir in der ersten Reihe ihres Bewusstseins. Wir hören ihr zu, wenn sie sich in ihre Fantasiegeschichten flüchtet, bis schließlich auch das „Hirschtier“ selbst Gestalt annimmt. . Die Figuren erscheinen dabei von bemerkenswerter Lebendigkeit, mit all ihren Brüchen, Widersprüchen und Unebenheiten. Ihre Reaktionen auf das Geschehen sind nicht nur glaubwürdig, sondern wirken in ihrer jeweiligen inneren Logik schlüssig. . Margaret begegnet uns wie ein Kind, das übersehen wird, nicht aus Mangel an Liebe, sondern aus einem Mangel an wirklichem Verstehen. Ihre Mutter und ihre Tante sind fürsorglich, beinahe zärtlich und doch scheint etwas Entscheidendes zu fehlen. Das Trauma, das Margaret prägt, wird von ihnen nicht wirklich benannt, nicht aufgearbeitet. Es wird umgangen, als hätte es nie wirklich existiert. So nimmt eine ungewöhnliche Form der Bewältigung ihren Lauf. Es ist eine, die befremdlich wirken mag, vielleicht sogar erschreckend und doch erscheint sie erschütternd plausibel. Man ahnt, dass es auch außerhalb der Literatur Menschen gibt, die auf ähnliche Weise versuchen mit dem Unfassbaren zu leben. . Einfühlsam und mit unbestechlichem Blick zeichnet Oshetsky den Prozess der Verdrängung nach! Das innere Verstummen eines Kindes, dem die Sprache für sein Leid fehlt, weil niemand sie ihm anbietet. In dieser Leerstelle erschafft sich Margarets Seele eine eigene Instanz… das „Hirschtier“, eine Art inneren Erwachsenen, der das Unsagbare auffängt und zu ordnen versucht. Seine Methoden sind hart, grausam und doch tragen sie den Keim von Notwendigkeit in sich. Inmitten dieser Dunkelheit glimmt ein zarter Hoffnungsschimmer… die Möglichkeit, dass Margaret eines Tages einen Weg zur Verarbeitung finden könnte. . Obwohl Margaret im Zentrum der Erzählung steht, lohnt sich ein genauer Blick auf ihre Mutter. In ihren Gesten und Entscheidungen zeigt sich eine tiefe Überforderung, ein Ausweichen vor dem Schmerz, das sich darin äußert, dass sie ihre Zuwendung anderen gibt, jenen, die sie weniger herausfordern. So öffnet sich ein Raum für Fragen… Ist auch dies eine Form von Selbstschutz? Eine eigene, unbewältigte Verletzung? Zum Glück bleibt Margaret nicht vollkommen allein. In ihrer Tante findet sie eine Figur, die, so gut sie kann, versucht, ihr Halt zu geben und ihr gerecht zu werden. So entfaltet sich „Hirschtier“ als weit mehr, als es zunächst scheint! Nicht nur als Geschichte über kindliche Traumabewältigung, sondern als vielschichtiges Familiendrama. Es zeigt, wie schnell Menschen in Muster des Verdrängens flüchten und wie existenziell wichtig es ist, dem Unsagbaren Worte zu geben. . „Hirschtier“ ist ein berührender, hoffnungsvoller Roman über Erinnerung und Selbstschutz und über die Geschichten, die wir uns erzählen müssen, um zu überleben, wenn uns keine besseren Antworten zur Verfügung stehen!

Hirschtier
Hirschtierby Claire OshetskyEcco Verlag
8. März
Rating:3

Gemischte Gefühle, Story aber gut!

INHALT Zwei Freundinnen, 4 Jahre alt. Eine stirbt auf tragische Weise, die andere überlebt. Margaret Murphy verdrängt seit dem alle Erinnerungen an diesen Tag. Ihr Mutter behauptet, dass ihre Tochter nicht aus dem Haus ging an diesem Tag und gar nicht am Tod beteiligt gewesen sein kann. Als das Hirschtier als ein Fantasietier erscheint, wird sie gezwungen genau hinzuschauen und sich der Wahrheit zu stellen. Margaret erfindet Geschichten und flüchtet in diese, nur so kann sie Schmerz und Schuld aushalten. EINDRUCK UND FAZIT Die Story fand ich stark! Zu sehen, was ein Unfall auslösen und hinterlassen kann, beeindruckte mich. Die Kinder waren 4, hier geht es eindeutige nicht um Schuld. Denn wie schuldig kann eine 4 jährige sein, ohne das ein Erwachsener, eine Aufsichtsperson dabei war? Dieser Fakt hat mich bereits zu Beginn wütend gemacht und irgendwie konnte ich die Wut nicht loswerden. Dann kommt eine Mutter dazu, die den Tod nicht thematisiert, sondern verdrängt und tot schweigt. Das Fantasietier ist die einzig logische Erklärung, das finden von Wahrheit durch Geschichten, fand ich gut gelungen. Am Ende habe ich eher gemischte Gefühle, und kann mit vorstellen, dass es an meiner Wut und dem Unverständnis für die Erwachsenen drum herum, liegt. Habt ihr es gelesen?

Hirschtier
Hirschtierby Claire OshetskyEcco Verlag
16. Feb.
Rating:3

Dieses Buch war für mich eine intensive und in vieler Hinsicht besondere Geschichte. Die Geschichte hat mich emotional abgeholt und wirkte insgesamt sehr authentisch erzählt. Gleichzeitig hätte ich mir jedoch gut 100 Seiten mehr gewünscht, da am Ende noch einige Fragen offen geblieben sind. Trotz der starken Grundidee hatte ich das Gefühl, dass noch etwas gefehlt hat , auch wenn ich nicht genau benennen kann, was es gewesen wäre. Insgesamt ist es ein gutes Buch für zwischendurch, das durchaus berührt, aber kein absolutes Muss ist.

Hirschtier
Hirschtierby Claire OshetskyEcco Verlag
11. Feb.
Rating:3.5

Wenn Trauer lebendig wird

„Hirschtier“ erzählt von einem Kind, das nach einem Verlust mit Trauer und Schuldgefühlen ringt – und dabei ein Wesen erschafft, das alles ins Wanken bringt. Das Hirschtier ist kein tröstlicher Begleiter, sondern wirkt eher bedrohlich: Es schaufelt verdrängte Erinnerungen frei, legt offen, was lange unter der Oberfläche verborgen lag, und zwingt zur Auseinandersetzung. Der Roman bewegt sich zwischen Realität und kindlicher Fantasie, die hier grenzenlos, wild und stellenweise verstörend wirkt. Die Sprache ist eigenwillig, traumartig und manchmal sperrig – passend zur inneren Zerrissenheit der Figur. „Hirschtier“ ist ein ungewöhnliches Buch über Trauerbewältigung und Schuld, das sich mutig ins Schräge wagt und gerade dadurch im Gedächtnis bleibt. Dabei gelingt es dem Buch, die psychologische Tiefe der Hauptfigur eindringlich zu vermitteln, ohne in einfache Erklärungen zu verfallen. Jede Begegnung mit dem Hirschtier spiegelt die inneren Konflikte wider, und die Grenzen zwischen Wirklichkeit und Vorstellung verschwimmen so kunstvoll, dass der Leser unweigerlich in diese fragile, gespannte Welt hineingezogen wird. „Hirschtier“ fordert Aufmerksamkeit und Mitgefühl, lässt aber auch Raum für eigene Interpretationen und Fragen über Verlust, Verarbeitung und die Kraft der Imagination.

Hirschtier
Hirschtierby Claire OshetskyEcco Verlag
3. Feb.
Rating:3

Faszinierend, komplex, aber nicht ganz meins

In der Geschichte geht es um Margaret Murphy, ein besonderes Mädchen, das lernen muss, mit Schuld und Trauer umzugehen. Margaret ist still, zurückgezogen und lebt sehr in ihrer eigenen Welt. Sie erfindet Geschichten und sogar eine eigene Schrift, was sie als Charakter sehr eigen und interessant macht. Sie wächst bei ihrer Mutter und ihrer Tante auf. Nach dem Verlust ihrer besten Freundin im Kindesalter muss sie lernen, mit der Trauer umzugehen. Dabei entfernt sie sich nach und nach von ihrer Mutter, und die Schuldfrage steht ständig zwischen ihnen und belastet ihre Beziehung. Besonders spannend fand ich, wie das Buch mit dem Thema Schuld umgeht. Als Leser weiß man relativ früh, was passiert ist. Margaret ist jedoch noch ein Kind, und es ist interessant zu beobachten, wie sie langsam begreift, was ihre Handlung bedeutet. Schuld wird hier nicht nur als Tat gezeigt, sondern auch als etwas, das mit Verantwortung und Reife zu tun hat. Begleitet wird Margaret von ihrem Hirschtier, einem Monster, das ihre Schuld und Trauer widerspiegelt. Auch wenn für mich bis zum Schluss offen blieb, wie ich die Schuldfrage selbst beantworten würde, mag ich genau solche Geschichten, die zum Nachdenken anregen. Zusammen mit Margaret als Figur war das auf ihre eigene Weise sehr fesselnd. Auch die Erzählweise ist eher ungewöhnlich. Es gibt mehrere Stränge, Wiederholungen und Passagen, die sich wie kleine Geschichten innerhalb der Geschichte anfühlen. Ganz überzeugen konnte mich das Buch leider am Ende trotzdem nicht. Der Anfang ist stark und der Schreibstil wirklich schön. Einige Wiederholungen haben mich jedoch gestört, und der spätere Verlauf der Handlung konnte mich nicht mehr ganz erreichen. Außerdem wirkten Margarets Gedanken für mich stellenweise zu erwachsen für ihr Alter. Das Ende lässt viele Fragen offen, und für mich blieb unklar, welche Botschaft das Buch letztlich vermitteln wollte. Insgesamt war das Buch für mich in Ordnung, aber leider nicht ganz meins. *Unbezahlte Werbung – Rezensionsexemplar

Hirschtier
Hirschtierby Claire OshetskyEcco Verlag
27. Jan.
Ein stiller Roman über Schuld, Erinnerung und Verletzlichkeit
Rating:5

Ein stiller Roman über Schuld, Erinnerung und Verletzlichkeit

Hirschtier hat mich tief berührt und lange beschäftigt. Claire Oshetsky erzählt von einem Kindheitstrauma auf eine leise, poetische und sehr eindringliche Weise. Im Zentrum steht das Hirschtier, das sich wie ein roter Faden durch den Roman zieht. Für mich ist es eine der eindrucksvollsten literarischen Verkörperungen von Trauma, die ich in letzter Zeit gelesen habe: kein konkretes Ereignis, das erklärt oder aufgelöst wird, sondern eine Präsenz, die bleibt, sich verwandelt, manchmal verschwindet und doch immer wiederkehrt. Das Hirschwesen steht für die Schuld, Angst und Erinnerung der Protagonistin. „Das Schuldgefühl ist das Schlimmste. Das Schuldgefühl ist das hohle Herz des Ganzen. Das Schuldgefühl hält die Schändlichkeit am Leben. Das Schuldgefühl folgt ihr überallhin, zwei Schritte hinter ihr.“ Besonders berührend ist, wie Oshetsky mit Perspektive und Wahrnehmung arbeitet. Realität, Fantasie und Erinnerung fließen ineinander, ohne dass man je das Gefühl hat, den Boden unter den Füßen zu verlieren. Vielmehr entsteht ein Raum, in dem sich die innere Logik von Traumata sehr klar zeigt: das Unausgesprochene, das sich seinen eigenen Ausdruck sucht. „Die Zeit bewegt sich horizontal durch die wichtigsten Momente unseres Lebens.“ Die Sprache ist klar, bildhaft und von großer Zurückhaltung. Gerade diese Feinheit verleiht dem Buch seine emotionale Tiefe. Für mich ist dieses Buch eine stille, intensive Lektüre über Verletzlichkeit, Erinnerung und die langen Schatten der Kindheit. Ein Roman, der zeigt, wie Literatur das Unsagbare greifbar machen kann – in Form eines Hirschtiers, das einem nicht mehr aus dem Kopf geht.

Hirschtier
Hirschtierby Claire OshetskyEcco Verlag