3. Juni
Rating:4

Die neue Novelle von SGL habe ich in einem Rutsch gelesen. Atemlos und tief berührt, aber auch wütend (auf die "richtige" Art). Es geht um einen Nachmittag auf einem Polizeirevier, die Ich-Erzählerin möchte eine Vergewaltigung anzeigen. Doch kann sie überhaupt Hilfe erwarten von einer Institution, die strukturell diskriminierend ist? Wer soll ihr glauben, wo sie doch so ein "schlechtes Opfer" ist und der Täter so ein glaubwürdiger Schöngeist? SGL schreibt hoch poetisch und gleichermaßen politisch über unsere patriarchale und rassistische Gesellschaft, über griechische Mythologie und Sexy-Cop-Kalender, über Love Bombing und den NSU. Die Lektüre regt viele Gedanken an und lässt mit mehr Fragen als Antworten zurück. Doch genau das ist, was die Novelle so stark macht.

Ich kann dich noch sehen (an diesen Tagen)
Ich kann dich noch sehen (an diesen Tagen)by Simoné Goldschmidt-LechnerRohstoff