Nach "An das Wilde glauben" war ich neugierig auf das nächste Buch von Nastassja Martin, das jetzt auf Deutsch erschienen ist. Während das erste Buch eine autobiographische Erzählung über ein traumatisierendes Erlebnis ist, kommt in "Im Osten der Träume" ganz die Anthropologin durch. Wir besuchen gemeinsam mit Martin die Even, die in Kamtschatka leben und so gut es geht ihre alten Traditionen pflegen. Dass dies früher unter den Russen bzw. den Amerikanern kaum möglich war, zeigen die Erzählungen der Personen. Dass das Leben aktuell nicht besser geworden ist, erfahren wir ebenso. Es sind nämlich immer diejenigen, die am wenigsten dafür verantwortlich sind, die Krisen wie die Klimaerwärmung am meisten zu spüren bekommen. Wie sich so ein Leben in der tiefsten Wildnis gestaltet, erzählt uns Martin. Aber auch von den Legenden, der Gedankenwelt und allem, was anders ist, als wir es aus unseren bequemen Leben kennen. Ich war fasziniert, aber auch ergriffen und von tiefstem Respekt bewegt, den Even gegenüber. Dazwischen schreibt Nastassja Martin immer wieder über Zusammenhänge und Schlussfolgerungen. Diese wissenschaftlichen Teile sind sehr fordernd und oft habe ich sie nur oberflächlich gelesen, da sich hier zeigt, dass es sich trotz allem um eine akademische Arbeit, in akademischer Sprache gehalten, handelt. Ich bin so frei zuzugeben, dass ich davon nicht sehr viel verstanden habe. Das muss ich auch nicht. Die Seele dieses Werkes ist anderswo verortet. In der Wildnis, der wahren, greifbaren Wildnis, der reinen Natur. In den Even selbst, die in allem Lebenden eine Seele sehen.
21. Dez.Dec 21, 2024
Im Osten der Träumeby Nastassja MartinMatthes & Seitz Berlin
