Die Geschichten in diesem dünnen Erzählband handeln alle von dem Gefühl, in dem Land, in dem man aufwächst, fremd zu sein. Sie beleuchten treffsicher Parallelgesellschaften, unterschiedliche Ansätze zur Integration oder auch deren Verweigerung und Probleme von Außenseitern in unserer Gesellschaft. Besonders positiv ist mir aufgefallen, dass die Autorin das Mädchen/die junge Frau in ihren Geschichten durchaus auch vorurteilsbehaftet schildert und so einseitige Schuldzuweisungen vermeidet. Ein Buch, das zum Nachdenken anregt.
>>Eine Familie kommt aus ihrem alten Land nach Deutschland. Dort passiert Unvorstellbares und Unverständliches – zumindest für die Tochter der Einwanderer. Sie, die Ich-Erzählerin, wächst auf im neuen Land, doch die Geschichten über das alte lassen sie nicht los. Sie wird erwachsen in dem Gefühl, immer eine Fremde zu bleiben, niemals dazuzugehören.<< „Fast ein neues Leben“ ist ein kleines aber sehr feines Buch voller Wortkraft! Jede Geschichte für sich erzählt tiefgründig, auf ganz eigene Art beklemmend und ausdrucksstark, was es bedeutet „fremd“ zu sein und greift gleichzeitig diverse andere Themen mit auf, die es innerhalb der Geschichten mitunter in sich haben. Mehr möchte ich an dieser Stelle auch nicht verraten, meiner Meinung nach sollte man hier (sofern man denn Kurzgeschichten mag) selbst herausfinden, was jede Geschichte letztlich aussagen möchte und thematisch mit sich bringt. Fazit: Wer Kurzgeschichten immer mal wieder gern liest und mal etwas abseits des Mainstream lesen möchte, dem kann ich dieses Buch sehr empfehlen! Mir hat das Buch durch seine Einfachheit und doch nötige Tiefe und Wortkraft sehr gefallen!

