Man verfolgt in dieser Autofiktion die Lebensgeschichte einer jüdischen Schriftstellerin im 20. Jahrhundert, die neben der schwierigen politischen Lage auch die private Sphäre meistern muss. Nüchtern, aber eindrucksvoll schildert die Autorin den Tod der Protagonistin schon im ersten Kapitel. Traum, Wirklichkeit vermischen sich immer wieder, Zeit und Raum werden in ihren Nacherzählungen über ihr Leben vermischt und nicht chronologisch erzählt. Doch gerade diese eigentümliche Art und Weise des Erzählens, lässt die Protagonistin glaubwürdig erscheinen. Sie ist keine reine literarische Figur, denn man weiß, dass Taubes viel biografisches in ihrem Roman verarbeitet hat. Trotzdem, oder gerade deshalb, ist die Protagonistin als Frau nicht einfältig, sondern ausgesprochen vielseitig: sie ist Akademikerin, Philosophin, Schriftstellerin, Mutter, Tochter und Liebhaberin. Ein relativ großer Teil des Buches beschäftigt sich mit ihrer schwierigen Scheidung, die die besondere Stellung der Frau in den 50er/60er zeigt und automatisch Affekte hervorruft. Die Sicht aus dem 21. Jahrhundert ermöglicht wahrscheinlich noch mehr Reflexionen über die Stellung der Frau im Verlaufe der letzten 100 Jahre. Auch Familiengeschichte bildet eine weitere Komponente, die das Buch vielseitig macht. Dazu zählen ihre eigenen psychoanalytischen Beobachtungen und die, ihres Vaters.
30. Jan.Jan 30, 2023
Nach Amerika und zurück im Sargby Susan TaubesMatthes & Seitz Berlin
