22. Feb.
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Mussolinis Südtirolpolitik

Wir fahren mit Paula und Johanna nach Südtirol. Wir schreiben das Jahr 1961, Paula versucht sich in der männerdominierten Welt der Medizin als Ärztin in München durchzusetzen. Ihre Mutter lebt immer noch in einer winzigen Nachkriegswohnung und will eigentlich nicht in ihre oberitalienische Heimat zurück. Dort angekommen, merkt Paula schnell, dass sie nicht willkommen sind. Als Paula versucht mehr über ihre Geschichte und die Vergangenheit herauszufinden verschließt sich ihre Mutter noch mehr als sie es eh schon all die Jahre macht. So sieht sie keine andere Möglichkeit als selbst nachzuforschen, zusammen mit dem Nachbarn Toni, der ihr als Dolmetscher hilft. Bald stellt sich heraus, dass da soviel mehr hinter dem Schweigen der Mutter und dem Streit innerhalb der Familie steckt, als Paula je für möglich gehalten hätte. Auch sind die Fronten zwischen den Italienern und den Südtirolern nach wie vor verhärtet. Zugleich reisen wir in der Zeit ins Jahr 1921 zurück. Mussolini italienisiert mit harter Hand Südtirol. Die Einheimischen wehren sich wo es geht. Vor allem Johannas Bruder und Vater verweigern ihren Gehorsam. Johanna versucht als Untergrundlehrerin Kinder in Deutsch zu unterrichten. Nebenher muss sich sich nach dem frühen Tod der Mutter um Hof, Haushalt, Vater und Geschwister kümmern. Sie träumt von einem besseren Leben, aber ob das in Erfüllung gehen kann für eine Südtirolerin? Die Einheimischen werden unterdrückt, bei Arbeitsstellen übergangen und gegängelt wo es nur geht. Ich fand das Setting im Südtirol der 20er und 60er Jahre sehr interessant. Ich wusste tatsächlich nicht wie sehr die Einheimischen von den Italienern unterdrückt wurden, wie hart Mussolinis Südtirolpolitik war. Auch dass es in den 60ern und 70ern immer noch Befreiungskämpfer gab war mir neu. So mag ich ein Buch, gute Unterhaltung und nebenbei noch was lernen. Der Schreibstil ist angenehm, lässt sich flüssig lesen. Und bei jedem Kapitel steht dabei, wann und wo man ist. Mit Paula hab ich mir am Anfang schwer getan warm zu werden, sie war mir etwas unnahbar. Mit jeder Seite konnte ich mich aber mehr in sie hineinversetzen und zum Schluß hab ich mich ihr sehr verbunden gefühlt. Alles in allem ein schönes Buch das ich gerne empfehle.

Töchter der verlorenen Heimat
Töchter der verlorenen Heimatby Eva Grübl-WidmannbeHEARTBEAT