Düster, bedrohlich und erschreckend. - Dieses kleine Mädchen hat besseres verdient.
In dieser Märchenadaption nimmt sich Herr Thiel Rapunzel vor. Macht aus dieser arg- und wehrlosen Märchenfigur ein kleines Waisenmädchen, dem man im Pflegesystem wirklich mehr als übel mitspielt und lässt sie dann Rache nehmen. Die ganze Szenerie ist voller Geheuchel, dunklen Bedrohungen und einem arglosen Mädchen, was leider viel zu langsam begreift, was denn hier gerade mit ihr und den anderen Kinder geschieht. - Doch nicht nur das Heim und seine Machenschaften sind grausam. Auch die so genannte Adoptivmutter will nicht das Kind, sondern den Besitz des Kindes. In Szenen, die vor und nach dem Selbstmordversuch der Protagonistin spielen, wird die Situation auf der einen Seite aufgeklärt und auf der anderen Seite zugespitzt. Häppchenweise und sehr langsam wird offengelegt, was genau alles passiert ist und was vertuscht und vorenthalten wurde. - Man hatte durchaus den Eindruck, dass der gesamte Ort, in dem das Kinderheim steht, korrupt und unehrlich ist. - Dass dieses Mädchen irgendwann zur jungen Frau wird, alles aufgedeckt und dann Rache will, ist mehr als logisch. Der ganze Stoff ist spannend erzählt, sehr gut in Szene gesetzt und hat mich mehr als gefesselt. - Das relativ offene Ende lässt durchaus noch Platz für eine Fanfiction. Legen wir uns doch das Schicksal der Protagonistin so zurecht, wie wir es gern hätten.
