9. Nov.
Rating:4

Das Cover hat mich fasziniert, einmal aufgrund der zeitlichen Epoche, aber auch weil ich ein großer Musikfan bin. Die Spannung stieg noch mehr als sich das eher sanfte, ruhig wirkende Cover zu einem überraschenden Krimi entpuppt. Und was für einer. Es brauchte eine kleine Weile, bis ich in der Geschichte war und auch mit Theresa warm geworden bin. Doch je mehr man die Umstände und Hintergründe erfährt, desto mehr Verständnis hat man für ihre etwas aufbrausende, impulsive Art. Die Ereignisse überschlagen sich und eh sie sich versieht, steckt sie mit ihrem Klavierlehrer in einer Mordermittlung, deren Verlauf ziemlich rasant und dramatisch ist. Zerrissen zwischen Pflicht und Emotionen wird sie mit jedem weiteren Funken Klarheit von weiteren Vorfällen überrollt, die all ihre Pläne immer wieder über den Haufen werfen. Mit Georg hat sie einen sanften, besonnen und sehr geduldigen Menschen an ihrer Seite, eine treue Seele, der viel in Kauf nimmt, um Theresa in ihrer teilweise unüberlegten, hitzigen Art bei ihrer Suche unterstützt. Die Entwicklung, Auflösung und damit verbundene Verläufe haben mich angenehm überrascht, obwohl es an manchen Stellen etwas langatmig wirkte und ich mir auch etwas mehr Gefühl und Leidenschaft seitens Theresas gewünscht hätte, sie kam leider öfter förmlich, versnobt und abweisend rüber und andererseits auch wieder sehr kindlich oder der Ohnmacht nah. Bei dem Titel habe ich lange überlegt, wie er zur Geschichte passt, doch am Ende weiß man, was für eine Bedeutung er hatte und verursacht doch ziemlich Gänsehaut. Fazit: Ein Überraschungsroman mit düsterem Verlauf, der spannend, wendungsreich und unterhaltsam ist und der Protagonistin nicht nur dabei hilft, zu sich selbst zu finden und für ihre Wünsche und Überzeugungen einzustehen, sondern auch die Kraft gibt, Dinge in Frage zu stellen, ohne auf das Gesellschaftsdenken zu achten und dabei sich selbst treu zu bleiben. Dabei begegnet man einigen für mich ausdrucksstarken Nebencharakteren, die genau zu diesem Effekt beitragen und der Geschichte das nötige Gewicht und Abwechslung zu verleihen. Mit der Stimme von Corinna Dorenkamp ist genau die richtige Stimmung vermittelt worden und hat die Charaktere lebendig gemacht. So hatte man genau das richtige Gefühl für die Geschichte - ob Sehnsucht, Verzweiflung, Gefahr, Überzeugung und Dominanz. Es hat wirklich Spaß gemacht, der Erzählung als Hörbuch zu folgen und sich in das frühe Hamburg Anfang des 20.Jahrhunderts entführen zu lassen. Das Ende bleibt offen, um die Erwartung auf den nächsten Teil zu steigern, ich bin wirklich gespannt, wie es in Hamburg weitergehen wird.

Das Musikhaus an der Alster - Lied der Sterne
Das Musikhaus an der Alster - Lied der Sterneby Katja DörrbeHEARTBEAT
9. Okt.
Rating:3

Eher ein historischer Krimi Theresa von Eibens Leben könnte nicht besser sein. Sie stammt aus guten, adligen Verhältnisse, ist mit ihrer großen Liebe verlobt und beide wollen in naher Zukunft gemeinsam ein Musikhaus an der Alster eröffnen. Als Jakob, ihr Verlobter, auf einer geschäftlichen Reise nach Berlin ums Leben kommt, verändert sich alles in Theresas Leben. Mit Jakobs Tod muss sich Theresa fragen, was ihr noch bleibt, wem sie noch vertrauen kann und welche Zukunft ihr bevorsteht. „Das Musikhaus an der Alster - Lied der Sterne“ ist der erste Band der „Musikhaus-Familiensaga in Hamburg“ und spielt, wie der Name schon sagt, in Hamburg. In diesem Band jedoch findet ein Großteil der Handlung in Berlin statt. Der Titel der Reihe und das wunderschöne Cover inspirierten mich dazu, dieses Buch zu lesen. Ich stellte mir dabei einen historischen Roman im Herzen Hamburgs vor, in dem Musik eine große Rolle spielt. Damit irrte ich mich jedoch, denn für mich stellte sich dieses Buch mehr als Krimi in historischem Ambiente dar. Die Protagonisten Theresa und Georg ermitteln inkognito. Beide kennen sich dabei bisher nicht intensiv, sondern Georg folgt einer spontanen Intuition und begleitet Theresa nach Berlin, was für mich schon alles andere als authentisch wirkte. Im fernen Berlin folgen sie direkt der Spur Jakobs. Im weiteren Verlauf wirkt alles sehr abenteuerlich und rein zufällig finden die Figuren auch alle immer wieder zueinander und dann sogar zurück nach Hamburg in einer abenteuerlichen Form. Ich konnte dem Schreibstil der Autorin gut folgen, allerdings zog sich die Geschichte für mich auch manchmal. Gut gefallen hat mir, dass es immer eine zeitliche Einordnung gibt und es nachvollziehbar ist, wo der Leser sich gerade zeitlich und örtlich befindet. Auch die Gestaltung mit dem Pausenzeichen zwischen verschiedenen Abschnitten fand ich gut und es passt zum Titel des Buches. Alles in allem aber trotzdem ein gut lesbares Buch und spricht vermutlich eher Leser an, die Krimis mögen. Dennoch werde ich demnächst den zweiten Band einmal lesen, vielleicht erfüllt dieser eher meine Erwartungen.

Das Musikhaus an der Alster - Lied der Sterne
Das Musikhaus an der Alster - Lied der Sterneby Katja DörrbeHEARTBEAT