Astrid Lindgren ist für mich eine der größten Erzählerinnen überhaupt.
Ihre Geschichten stecken voller Herz, Wärme und lebendiger Kindheit – und „Wir Kinder aus Bullerbü“ ist da keine Ausnahme. Sie entführt in eine Welt, in der Kinder frei, selbstbestimmt und mit herrlich einfachen Mitteln große Abenteuer erleben – sei es beim Angeln, auf dem Heuboden oder beim heimlichen Naschen von Pfefferkuchen. Die Figuren sind liebenswert und authentisch, allen voran die Erzählerin Lisa. Ich konnte beim Lesen die schwedische Sommerluft förmlich riechen und hörte das Lachen der Kinder durch die Seiten hallen. Doch so sehr ich Astrid Lindgrens Werk liebe, so sind mir beim Lesen auch ein paar Stellen unangenehm aufgefallen. Immer wieder spielen die Kinder „tot sein“ – etwas, das aus heutiger Sicht merkwürdig und befremdlich wirkt. Auch die teils lockere Sprache rund ums „Verprügeln“ hat mich doch etwas irritiert. Natürlich, es ist ein Buch aus einer anderen Zeit – und vermutlich spiegeln solche Formulierungen den damaligen Umgangston wider. Trotz dieser kleinen Dämpfer bleibt Bullerbü für mich ein Ort der Geborgenheit und des kindlichen Staunens. Wer über den historischen Kontext hinwegsehen kann, wird hier mit einer wunderschönen, zeitlosen Kindheit belohnt. Ein Klassiker, der zum Vorlesen und gemeinsamen Träumen einlädt – und eine Autorin, deren Stimme bis heute nachklingt.

