
Spannend, dramatisch und neue Charaktere
Tango in der Dunkelheit ein Buch, in dem ein blinder Protagonist vorkommt, sondern das Thema Blindheit eine zentrale Rolle spielt. Aus Sicht der Beschreibungen und Darstellung verstehe ich, dass es sich hierbei um das Thema Vollblindheit handelt. Das Thema tanzen fand ich eine interessante Wahl und konnte ich gut und das Thema einfinden, was daran liegt, dass ich selbst blind (nicht vollblind) und in einem Tanzkurs an einer Tanzschule bin. Ebenso kreativ und spannend fand ich die Kapitelnamen, die nicht mit Zahlen, sondern Tanzstilen betitelt wurden. Anfangs spielte das Buch auch hauptsächlich an einem Ort. Wir hatten nicht sonderlich viele Szenenwechsel, sodass wir uns wenig umorientieren mussten. Gefühlsmäßig hat mich das Buch nicht an vielen Stellen mitreißen können. Einzig und allein Wut konnte bei mir entfacht werden. Unser Protagonist erlebt viel Ableismus, Entscheidungen werden über seinen Kopf hinweg getroffen und er nicht einbezogen und getanzt wird nicht in einer Tanzschule, sondern es braucht Unterricht bei jemandem zu Hause. Viele waren Situationen, die ich ähnlich auch kenne. Dennoch konnten durch die Vorurteilen und passiv aggressiven Kommentaren seitens Lena bei mir die positiven Gefühle nicht entfacht werden. Denn für mich blieb die Beziehung unverständlich. Gerade auch durch den Fakt, dass sie keinen blinden Partner wollte und es an einigen Stelen so wirkte, als müsse er sie überreden. Lobenswert fand ich den Einsatz von Sensitivity Reading. Dennoch hätte ich mir gewünscht, dass Ausdrücke wie „Trotz Blindheit & Behinderung“ auch erkannt worden wären. Aber auch sexistische Gedanken wie "redet viel, weil sie eine Frau ist" hätten dem Buch nicht geschadet, wenn’s nicht genutzt worden wäre. Auch den Ausdruck "besondere Bedürfnisse", die blinde Menschen haben sollen, fand ich nicht optimal gewählt. Bedarfe bzw. Anforderungen an Barrierefreiheit - ja, aber essen, trinken,studieren, einem Hobby nachgehen oder eine Rezension schreiben sind für mich als blinde Person keine besonderen Bedürfnisse. Mich hat es gefreut, dass Blindheit hier nicht wieder mit milchigen Augen dargestellt wurde. Unser Protagonist hatte grüne Augen, dennoch fand ich, dass man das mit der Sonnenbrille anders lösen könnte. Ich finde die dunkle Brille und Blindheit sind oft ein Stereotyp. Hier wurde erklärt, warum der Protagonist diese trägt. Aber es wurde eine wichtiger Moment verpasst. 'Seh ich blind aus? -Na ja, du trägst eine dunkle Brille.! Aha? Und das heilt? Dunkle Brille gleich blind? Dabei fand ich die Erklärung im Buch, warum unser Protagonist eine dunkle Brille trägt, individuell schlüssig.. Es passte zum ableistischen Charakter von Lena, aber an dieser Stelle hätte man das Stereotyp gut auflösen können. Zum Titel: Von Blindenverbände nd von Betroffenen habe ich bis jetzt gehört das Blinde Menschen (Vollblind) nichts sehen, weshalb ich "Dunkelheit" etwas negativ konotiert finde. Hier ist die Rückmeldung von Voll Linden Menschen wichtig.
