Es bleibt absolut fesselnd und tiefgründig, wobei ich bei „Erde“ ambivalenter war in meiner Loyalität dem Ich-Erzähler gegenüber. Freya ist von Anfang an wenig sympathisch, auch wenn die traumatischen Erlebnisse in ihrer Kindheit natürlich berühren. Ihr Handeln als Erwachsene empfand ich als perfide und verstörend. Überhaupt sollte diese Reihe mit Triggerwarnungen gespickt sein! Das Thema sexualisierte Gewalt, auch an Kindern, ist ein roter Faden. Ich habe die ersten 3 Bände jetzt in Folge gehört und brauche erstmal eine Pause von so viel Düsternis und Grausamkeit.

Noch packender, als die beiden Elemente zuvor
Von Anfang an hat mich diese Inhaltsangabe am neugierigsten gemacht. Zum einen, weil ich immer interessiert an medizinischen Berufen bin, zum anderen, weil zu meinem Sternzeichen das Element Feuer gehört und ich mich sehr mit diesem Element identifiziere. Auch der Name Freya konnte sich gleich in mein Herz schleichen. Die ersten Szenen im Krankenhaus und beim ersten Notfall, als ein kleiner Junge keinen anderen Ausweg mehr weiß, als sich bewusst zu verbrennen, haben mich richtig in ihren Bann gezogen. Dann spielt der Autor gleich zu Beginn wieder mit den Köpfen der Leser/Hörer. Freya ordnet den Fall des kleinen Jungens gleich als Missbrauchsfall ein. Zwei Sätze später weiß der Leser/Hörer Bescheid und man staunt, wie schnell sich ein Blatt wenden kann. Auch die ersten Einblicke in die Kindheit von Freya erschienen interessant. Zwar war ihre Familienkonstellation etwas lose und sie wuchs eher emotionsarm auf, aber es schien sich ein normales Mädchen zu entwickeln. Mit zwölf Jahren wird Freya jedoch zu einem Opfer. Es war nur schwer mitzuerleben, was sie durchmachen musste. Einerseits spürt man ihre Hilflosigkeit, andererseits beginnt in ihrem Innern sehr bald ein wahrer Feuersturm zu wüten. Mit dem Element Feuer setzt sie in ihrer Jugend ein erstes, ernstes Zeichen. Und immer noch hatte ich ein gutes Gefühl bei ihr. Dachte, der Autor will uns in seinem dritten Band eher ein Opfer vor Augen führen, welches sich aus seiner Rolle herauskämpft und ein normales Leben führt. Der Wandel, der die Protagonistin plötzlich in einem ganzen anderen Licht zeigt, hat mir total den Boden unter den Füßen weggerissen. Freya erscheint böse, fies, emotionslos und zeigt keinerlei Reue bei dem, was sie tut. Es ist gerade gar nicht so einfach, keine Spoiler in diese Rezension hineinzupacken, aber dieses Gefühl im Bauch, welches ich hatte, möchte ich anderen Lesern nicht vorwegnehmen. Ab dieser Wende in meinem persönlichen Empfinden der Hauptfigur im Buch konnte John Boyne meine Gedanken ordentlich durcheinanderbringen, aber auch zum Nachdenken anregen. Wie schnell wird aus einem Opfer ein Täter? Und wie steht es in solchen Fällen mit der Schuld? Mitleid oder Verachtung? Ich bin auch einige Tage später unheimlich ratlos. Fazit Band 3 hat mich, wie bereits vermutet bei diesem Element, mächtig gepackt. Es gab unzählige Szenen, die mir sehr sehr nahe gingen und ich beim Hören einfach nur den Kopf gesenkt und die Augen geschlossen habe, in der Hoffnung, dass es ganz schnell vorbei ist. Die Themen, die solche Wirkung auslösen, unterscheiden sich bei uns Lesern stark, aber dieses hier traf mich. Es hat mich, wie eine Feuerwalze überrollt. Eine ganz klare Leseempfehlung an alle Leser schwerer Kost und mein bisheriger Favorit dieser Reihe.

