Ich wollte es mögen, aber...
... ich kam aus dem Augenrollen nicht mehr raus. So viel mehr hätte ich schreiben können, doch schon jetzt sind einige Spoiler vorhanden und ich muss ja nicht das Buch 1:1 nacherzählen. Und dennoch: Ich mag Bücher, die zwischen Vergangenheit und Gegenwart springen oft ganz gern, da man dabei einen besseren Einblick in Situationen und auf Charaktere bekommt. Leider mag ich die Hauptprotagonistin Emma so gar nicht. Das liegt daran, dass sie sich selbst als seltsam oder "schrägster Mensch" betitelt und ich das bei ihr so gar nicht sehe... Da haben wir einmal das Maggi-Thema: allein in meiner 4-köpfigen Familie mögen 50% Maggi. Und Erdnussbutter aus dem Glas löffeln ist nun auch nicht außergewöhnlich. Was ist es also, was Emma angeblich so seltsam (oder besonders) macht? Für mich ist es vollkommen okay, wenn ein Charakter "normal" ist, nicht okay ist es, wenn er als besonders beschrieben wird, es aber nicht ist. Zudem komme ich mit ihrer aufdringlichen und überschwänglichen Art nicht gut zurecht. Ich liebe es, wenn Menschen Emotionen zeigen können, aber warum heult sie so schnell und extrem, während sie jemandem um den Hals fällt? Nun, immerhin ist sie leicht glücklich zu machen, denn sowohl über Neos Geschenk (Vergangenheit), als auch über Spencers Geschenk (Gegenwart) sagt sie, "das sei das beste Geschenk, das sie je bekommen habe". Naja, okay. Allgemein finde ich, dass in dem Buch zu viel gewollt wurde. Da haben wir Neo, der nicht redet und dessen Mutter, die an einer seltenen Krebsart verstorben ist. Und natürlich schafft es nur Emma, Neo zum reden zu bringen. Noch dazu kommen seine unterschiedlichen Augenfarben, um ihn spezieller zu machen. Ebenso ihr halbmondförmiges Muttermal, wo der Mond ja ohnehin ein Interessensgebiet ist. Manchmal wünsche ich mir in NA ein "Weniger ist mehr". Emma war außerdem keine gute Freundin. Da sagt sie eine Übernachtungsfeier mit Spencer ab, indem sie Kopfschmerzen vortäuscht, wohingegen Spencer nach ihrem Zusammenbruch sofort zu ihr eilt, sie mit zu sich nimmt, ein Schaumbad einlässt oder gar an Weihnachten bei ihr vorbeikommt, damit Emma nicht allein ist. Ein starkes Ungleichgewicht... So richtig vorbei war es bei mir allerdings, als klar wurde, was mit Nora, Neos Verlobten, ist. So kann man Charaktere natürlich auch aus dem Weg räumen, damit die Hauptprota ihre poi bekommt... für mich ein schwacher Move. Denn prinzipiell sehe ich keinen Grund, warum man Emma (wieder) wollen sollte... sie ist furchtbar anstrengend. Jeder hat das Recht auf seine Emotionen und Grenzen, aber sie respektiert die der anderen kein Stück (damit ist sie aber nicht allein). Und egal wie gut jemand vom Wesen her ist, warum sollte man zu seinem Verlobten sagen: "ihr seid füreinander bestimmt." Da fehlt mir jegliches Verständnis... Ich selbst mochte sowohl Spencer als auch Nora viel lieber. Das Ende hat das Buch allerdings gerettet, denn Sarah Stankewitz hat sich immerhin etwas getraut, was ich in anderen Büchern oft vermisse. Das erzähle ich aber natürlich nicht :)


































