Die Liebesgeschichte von zweier Legenden
Meine Liebe zu Johnny Cash und, etwas später, June Carter begann früh. Mein Papa, sonst eher Rock- und Electronicfan, ist der vermutlich größte Cash-Fan, den ich kenne. Und so färbte die Liebe zum Man in Black rasch ab. Als ich neulich in der Bücherei dieses Buch entdeckte, musste ich keine Sekunde darüber nachdenken, ob ich es ausleihe. Auch wenn ich neuen Autoren durchaus immer etwas skeptisch gegenüber bin und vor allem hier ein wenig Angst hatte, dass die durchaus chaotische und stellenweise sehr unromantische Geschichte von Cash und Carter romantisiert und falsch dargestellt wird. Doch weit gefehlt. Das Autorenduo, vereint unter dem Pseudonym Sylvia Frank, hat exzellente Recherchearbeit geleistet und die ambivalente Liebesgeschichte des für mich ikonischsten Liebespaares der Geschichte hervorragend niedergeschrieben. Auf den knapp 360 Seiten wird jedoch nicht allein die Story von Johnny und June lebendig, auch wird ein hervorragendes Panorama der damaligen Musikszene gezeichnet. Der Leser taucht ein in verrauchte Konzerthäuser, erlebt den Druck, der auf den Musikern nahezu erdrückend ruhte, und begleitet einen jungen Mann mit tragischer Familiengeschichte und aus eher armen Verhältnissen auf seinem Weg, seinen Traum zu leben. Auch wenn für den Kenner der beiden klar ist, wohin das Ganze führen wird, ist der Roman so spannend und schön, dass ich ihn in zwei Tagen durchgelesen habe - für mich als Langsamleserin eine Glanzleistung! Sprachlich konnte mich das Buch nicht immer überzeugen. Einige Sätze wirkten ein wenig aufgesetzt, hier und da wirkte der Ausdruck schlicht „merkwürdig“. Und auch der ein oder andere Rechtschreibfehler ist mir aufgefallen. Aber all das wäre Meckern auf hohem Niveau, denn wir haben es hier wirklich mit Einzelfällen zu tun. Insgesamt hat mir dieses Buch riesige Freude bereitet und ich würde es auch jenen empfehlen, denen Cash und Carter kein / nur kaum ein Begriff sind, die jedoch gern eine interessante, authentische Liebesgeschichte lesen möchten, die zeitgleich einen Blick auf die amerikanische Musikszene der 1930er bis 1960er erhaschen wollen.


