„Wer wird sich an den von mir zurückgelegten Weg erinnern?“
„Milchzähne“ ist ein unglaublich intensives Buch. Es beschreibt eine dystopische Welt in der der Klimawandel die Menschen in die Knie zwingt.
Es geht um das Gefühl von Zugehörigkeit, Familie und die Angst vor Fremden.
Der Schreibstil ist sehr klar, was der Geschichte eine unglaubliche Schärfe und Präzision verleiht. Alles in allem hat mich das Buch von Helene Bukowski sehr nachdenklich aber auch fasziniert zurückgelassen.
Absolut lesenswert! 📚
Eine Dystopie, die nicht so viel erklärt, sondern einen direkt mitten ins Geschehen bringt. Wir erleben das Leben in einem Dorf nach einer Klimaveränderung, die weitreichende Folgen hat. Das Dorf lebt autark und die Menschen sind Fremden und Neuem gegenüber sehr misstrauisch.
Es ist sehr beklemmend und man fühlt direkt mit. Grausam und hart ist die Welt, die wir hier kennenlernen. Leider ist das sehr realistisch.
Die Auslassungen sind in diesem Buch sehr gut gesetzt.
Die Geschichte von Milchzähne spielt in einem abgelegenen Dorf zu einer Zeit nicht allzu fern von unserer. Als Tochter einer Außenseiterin hat Skalde sich ihren Platz in der Dorfgemeinschaft hart erkämpft und sich dabei von ihrer Mutter Edith distanziert. Eines Tages findet Skalde ein fremdes Kind im Wald. Um es zu retten, müssen Mutter und Tochter nach Jahren der Entfremdung zusammenhalten.
Für meinen Geschmack wurde die Welt, in der diese Geschichte spielt zu wenig erklärt.
Trotzdem fand ich gerade durch den klaren Schreibstil sehr schnell in die Geschichte rein, auch wenn am Ende für mich einige Fragen offen blieben habe ich das Buch sehr gerne gelesen.
Ein leises, intensives Buch über Isolation, Zusammenhalt und die Spuren der Vergangenheit – dystopisch, aber ohne Klischees. Sehr besonders.
"Milchzähne" von Helene Bukowski ist ein ungewöhnlich stiller, aber eindringlicher Roman, der in einer dystopischen Welt spielt – allerdings ohne das Genre in den Vordergrund zu stellen. Die dystopischen Elemente (Nebel, Hitze) sind eher Kulisse als Handlungstreiber. Im Zentrum steht eine junge Frau, die mit ihrer gewalttätigen Mutter in einer seltsam abgeschotteten Dorfgemeinschaft lebt. Die Atmosphäre ist beklemmend und gleichzeitig poetisch, die Welt bedrohlich, aber nicht überinszeniert.
Besonders gefallen hat mir der Schreibstil: literarisch, aber zugänglich – mit kurzen, fast poetischen Einschüben, die sehr stimmig eingebaut sind. Die Figuren lernt man nicht über typische Dialoge oder klare Innenwelten kennen, sondern durch Andeutungen, Handlungen und Stimmungen. Das macht das Buch sehr besonders – aber auch anspruchsvoll.
Es ist definitiv kein Buch für jede*n: Die Erzählweise ist distanziert, es wird bewusst vieles offengelassen und nicht alles wird am Ende aufgeklärt. Es gibt keinen klassischen Spannungsbogen oder ein dramatisches Finale – was ich einerseits sehr mutig und gelungen fand, andererseits bleibt am Schluss ein etwas unbefriedigendes Gefühl zurück. Wer sich auf diese eher leise, dunkle und atmosphärisch dichte Geschichte einlassen kann, bekommt aber einen tiefgründigen Roman, der lange nachhallt – ganz ohne Hollywood-Momente, aber mit umso mehr Tiefe.
"Wieso haben sie Angst vor mir?" fragte sie.
"Weil du nicht so bist wie sie", antwortete ich. [S. 78]
Skalde und ihre Mutter Edith leben gemeinsam in einem kleinen Häuschen, versorgen sich durch Kaninchenjagd und Gemüseanbau, sowie Tauschhandel, mit den Dingen, die sie zum Leben benötigen.
Die Gegend dystopisch, von einer Hitzeperiode gezeichnet, die die Ernte am wachsen hindert (komischerweise badet Edith ständig).
Insgesamt lebt die Gemeinde nach dem Abbruch einer Brücke zurückgezogen und vom Rest der Zivilisation, "den Anderen" getrennt,
bis Skalde eines Tages ein kleines Mädchen - Meisis - (auf-)findet und bei sich aufnimmt.
Dieses zieht den Unmut der Dorfbewohner auf sich.
Wer fremd ist, wird nicht akzeptiert - bringt Schaden und Unglück.
Möglicherweise ist das Kind verantwortlich für Missernten und andere Ereignisse, die die Bewohner in Aufruhr bringen, wie das Verschwinden der Bauerstöchter.
...
"Milchzähne" ist eines dieser Bücher, die sich gut und leicht lesen lassen, konnte mich persönlich jedoch inhaltlich nicht richtig abholen.
Die Personen waren mir unsympathisch, ihre Lebensart zu fragwürdig, die dystopische Stimmung zu wenig greifbar und insgesamt läßt es mich eher ratlos zurück.
Ich habe das Buch an einem Tag gelesen, was aber nicht heißen soll, dass ich es verschlungen habe und doch hat es mich mitgerissen.
Die Geschichte ist trist und zermürbend erzählt, so wie die Gegend wo sie leben, die brütende Hitze entspricht den brütenden Regeln der kleinen Gemeinschaft und dann kommt da Meisis, ein kleines Mädchen, Haare leuchtend rot wie eine unbekannte Komponente, eine störende Möglichkeit, die nicht geduldet wird, denn man will niemanden Fremden in der Gemeinschaft haben. Und so entwickelt sich die Geschichte, von Ablehnung, Unterstützung. Hoffnung, Trauer, Schmerz und Mut. Sie ist gut geschrieben, jedoch bleibt ein dumpfer Beigeschmack zurück.
Dystopie meets Cli-Fi in Helene Bukowskis Debüt “Milchzähne”. Erzählt wird die Geschichte von Skalde und ihrer Mutter Edith. Sie leben als Außenseiterinnen in einer sehr engen Gesellschaft. Man hat sich abgeschottet, im wahrsten Sinne des Wortes alle Brücken zum Rest der Welt abgebrochen, als sich das Wetter zu ändern begann, die Trockenheit einsetzte und die Tiere begannen zu sterben. Seitdem lebt die kleine Gemeinschaft zwischen totem Land und einem unüberwindbaren, reißenden Fluss. Güter sind knapp, man betreibt Tauschhandel, doch die Hitze und Dürre beeinträchtigen das Leben mehr und mehr.
Edith, die Fremde, Geflüchtete, kam von dem Land hinter dem Fluss. Sie ging eine Beziehung mit einem einheimischen Mann ein, der jedoch bald darauf starb. Skalde ist Ihr gemeinsames Kind. Die beiden Frauen werden geduldet, jedoch nie in die Gesellschaft aufgenommen. Skalde schlägt von Kindheit an Misstrauen und Fremdenhass entgegen. Beide scheinen sich mehr schlecht als recht in dieses Schicksal gefügt zu haben, bis ein fremdes Kind bei ihnen auftaucht, die Perspektiven verschiebt und der Fremdenhass erneut aufzuflammen beginnt.
Diese kleine Buch vereint Vieles in sich - die Geschichte einer Mutter-Tochter-Beziehung, den Klimawandel, die Frage nach Fremdheit und Zugehörigkeit, die Angst vor Andersartigkeit und Veränderung. Vielleicht geht es um zu viel...denn auch wenn ich es gerne und rasch gelesen habe und wissen wollte wie es endet, blieben die Figuren für mich doch immer etwas vage und flach. Für mich ein spannender Wochenendread, mit schön atmosphärischer Sprache, der nachdenklich stimmt, aber nicht lange nachhallt. ⭐️⭐️⭐️
Skalde und Edith leben abgeschottet irgendwo in den skandinavischen Gefilde in einer Gemeinschaft. Dort hat das Mutter-Tochter-Gespann ohnehin keinen guten Stand, da Edith anders ist. Als plötzlich Meisis im Wald auftaucht und Skalde das Kind bei sich aufnimmt ist das Chaos vorprogrammiert. Woher kommt das Kind? Und was ist dieses Anderssein?
Irgendwie fand ich das Buch gut
Ha, ein wirklich schwieriges Buch. Nicht vom Lesen, das auf keinen Fall. Denn durch die Seiten geflogen bin ich. Ich fand es auch richtig spannend!
Ich kann mich trotzdem nicht so richtig entscheiden ob ich es mag oder nicht. 😅 Eigentlich finde ich es ja immer sehr gut, wenn man nicht alles haarklein erklärt bekommt und man selbst nachdenken bzw. die Fantasie spielen lassen muss. Hier war es mir aber ein klein wenig zu offen.
Trotzdem habe ich das Buch genossen. Außerdem fand ich den Stil super. 🤗
Schwierige Sache also. 😂
Mir hat es auf jeden Fall geholfen, dass wir das Buch im Buchclub gelesen haben und wir darüber diskutiert haben. So konnte jeder seine Einfälle vortragen und wir haben uns so unsere eigenen Erklärungen geschustert. 😀
Nachdem ich das Buch so spannend fand, kann ich auf jeden Fall eine Leseempfehlung geben, wenn auch nur für Leute, die nicht auf alles eine Antwort brauchen. 😂
Eure Licey ☘️
Düster, psychologisch, erschreckend
Meine Meinung
Der jungen Autorin ist hier ein außergewöhnliches Debüt gelungen. Zwar lässt es sich recht flott lesen, dafür ist es aber inhaltlich sehr dicht und atmosphärisch sehr düster. Ein Buch, über das man nach dem Lesen intensiv nachdenken kann und hofft, dass es nie soweit kommt.
Ausgangslage ist für diesen dystopischen Roman die Klimakatastrophe. Das Wetter hat sich verändert und es ändert sich immer noch. Tiere verlieren ihre Fellfarbe. Es gibt sie nur noch in weiß und wesensverändert als auch mit Missbildungen. Ihnen gegenüber stehen die Menschen.
Helene Bukowksi schafft es eine Gruppe sehr unsympathischer Menschen darzustellen, mit denen man so im Alltag nicht viel zu tun haben mag. Sie erinnerten mich während und nach dem Lesen an eine extreme Gruppe, die meint ums Überleben kämpfen zu müssen und deshalb für sich bleiben will. Um das gewährleisten zu können ist ihnen jedes Mittel recht.
Sie haben die Entscheidung getroffen sich abzuschotten und niemanden mehr hereinzulassen. Den Weg über die Brücke zu ihnen haben sie gesprengt. Sie haben große Angst vor der Außenwelt. Wer das ist und wie die Welt aussieht weiß man nicht. Hierzu äußert sich die Autorin leider nicht. Als Leser*in erhält man einen kurzen Einblick in einen abgeschiedenen, einsamen Ort über einen kurzen Zeitraum von ein paar Monaten.
Ihre heile Welt gerät ins Wanken als ein Mädchen von außen bei ihnen auftaucht. Wie hat sie es geschafft zu kommen? Woher kommt sie und warum kam sie? Auch diese Fragen beantwortet uns Helene Bukowski (leider) nicht. Ihr Fokus liegt darauf aufzuzeigen, wie manche Menschen handeln, wenn sie Angst haben. Diese Angst muss jedoch nicht begründet sein. Sie kann, wie hier, sehr irrational sein.
An was erinnert einen das? Ich zumindest fand die Verbindung zur aktuellen Angst vor Flüchtlingen. Es gibt Gruppierungen, die sich jeglichen Argumenten verwehren, seien sie noch so logisch. Die Angst kann nicht aufgelöst werden und lässt diese Leute extrem handeln.
Sie haben Angst vor Fremden, vor allem, was sie nicht kennen. Sie haben Angst vor Veränderung. Sie bleiben stur in ihrer Angst und ihrem Handeln. Sie überdenken einmal gefällte Entscheidungen nicht, sind nicht in der Lage Mitleid und Empathie zu empfinden.
Die Autorin nennt keinen expliziten Ort wo ihr ihre Figuren leben. Namen wie Edit, Skalde, Nuul, Meisis, Göst, Levaii unvm. erinnerten mich an nordische Namen. Doch thematisch gesehen ist das nicht wichtig, denn Menschen und ihre Ängste, wie im Buch beschrieben, gibt es überall auf der Welt.
In Tagebuchform erfahren wir über Skalde einen Bericht zur Situation.
“Wenn ich fertig bin mit diesem Bericht, werde ich ihn in der Schublade des Tisches zurücklasse, in der Hoffnung, dass wir auf der anderen Seite des Meeres ein neues Leben anfangen.” (Seite 8)
So lesen wir uns durch 77 unterschiedlich lange Kapitel bis zum Ende, das ebenso offen ist wie das meiste im Buch. Und diese vielen offenen Punkte sind mein eigentlicher Kritikpunkt neben meiner großen Begeisterung für die Geschichte. Ich hätte gerne etwas mehr über die Vergangenheit und den Zustand der Welt erfahren. Ansatzpunkte hätte es gegeben, ohne dass es der Geschichte geschadet hätte. Sie wäre vielmehr sogar etwas runder und besser greifbar.
Fazit
Insgesamt und trotz meiner Kritik ist “Milchzähne” ein empfehlens- und lesenswertes Buch. Helene Bukowski schaffte es mit nur zwei positiven und einer Vielzahl an negativen Charakteren dennoch eine Geschichte zu schreiben, die ich sehr gerne gelesen habe und mit der sie im übertragenen Sinne die aktuelle Situation trefflich vor Augen bringt und die ganze Absurdiät aufzeigt. Ein Buch, das sich grandios für gemeinsames Lesen und Diskutieren eignet.
Vor kurzem schlug das europäische Erdbeobachtungsprogramm Copernicus Alarm: weltweit betrachtet war der Juni 2019 der heißeste Juni aller Zeiten, während der Juli den bisherigen Rekord zwar nicht brechen, aber damit mithalten konnte. Betrachtet man die Fakten, lässt sich der Klimawandel kaum leugnen – obwohl nicht nur Donald Trump die Augen davor verschließt.
Warum werde ich hier so politisch? Weil ich schwitzend in meinem abgedunkelten Wohnzimmer saß und beim Lesen des Buches zunehmend beklommen dachte: oh Gott, das ist nicht mehr weit entfernt… In wenigen Jahren ist dies womöglich keine Dystopie mehr.
Helene Bukowski spricht das Wort Klimawandel nie explizit aus. Die Welt, die sie beschreibt, wird jedoch von verheerenden Temperaturen geplagt und verwüstet. Die Menschen der kleinen Gemeinschaft, in der Skalde und ihre Mutter Edith leben, schotten sich verzweifelt ab in einem Gebiet, in dem Leben gerade noch möglich ist – der Nebel, dessen Feuchtigkeit sie beschützt, nimmt ihnen aber auch den klaren Blick auf die Welt. Fremde (Klimaflüchtlinge?) sind nicht willkommen.
Brisanter und aktueller könnte das Buch in dieser Hinsicht kaum sein.
Da Edith selber einst als Fremde über den großen Fluss kam, werden sie und ihre Tochter nur misstrauisch geduldet. Als Skalde ein Kind von außerhalb findet und aufnimmt, droht das Seil des Fallbeils zu zerreißen.
Die Autorin lässt viele Leerstellen in ihrem Weltentwurf.
Wie diese Gemeinschaft sich zusammengefunden hat. Wieso der Fluss für sie eine fast heilige Grenze ist. Warum die Milchzähne und deren Verlust so wichtig sind, dass sie über Leben und Tod entscheiden können.
Es ist, wie es ist. Und das funktioniert. Die Rahmenbedingungen für eine prägnante Geschichte sind gegeben, auch wenn sie nur skizzenhaft umrissen werden. Vieles kann man lediglich erahnen – aber genau das erlaubt es dem Leser, das Bild selber zu ergänzen und die Bedeutung intuitiv und individuell zu erleben.
Von einem klassischen Spannungsbogen ist kaum zu sprechen.
Dennoch entwickelt das Buch auf seine eigene Art eine ungemeine Sogwirkung.
Die dichte Atmosphäre und die sonderbaren Rahmenbedingungen dieser Gemeinschaft haben mich mehrfach an den Film „The Village“ von M. Night Shyamalan erinnert. Obwohl die Hintergründe und auch die Auflösung der Geschichte ganz andere sind, evoziert das Buch ein vergleichbar traumartiges Gefühl, das den Leser nicht mehr loslässt.
Die Charaktere bilden ihr ganz eigenes Spannungsfeld.
Die Dörfler haben Angst vor der Außenwelt und vor Edith als deren Repräsentantin. Dass diese nie ihre Milchzähne verloren hat, macht sie noch zusätzlich zu einer Bedrohung, was nicht näher erklärt wird. Edith wiederum hat Angst vor den Dörflern und ist nach vielen Jahren der Ausgrenzung von leise schwelendem, resigniertem Hass erfüllt.
Als kleines Kind lebt Skalde in einer Grauzone: sie wird nicht ganz akzeptiert, jedoch auch nicht ganz abgelehnt. Mutter und Tochter können daher nur aufeinander vertrauen, obwohl zwischen ihnen eine unterschwellig feindselige Angst herrscht.
Ist es Liebe oder nur Notwendigkeit? So oder so ist die Bindung ungesund eng, eine Übersteigerung der typischen Dynamik zwischen Eltern und heranwachsenden Kindern. Als Skalde ihre Milchzähne verliert, wird diese Bindung endgültig von gegenseitigem Misstrauen und Hass vergiftet – denn jetzt gehört Skalde zur Gemeinschaft, und Edith steht wieder ganz alleine außerhalb.
Wenn man das Buch aufs Wesentliche reduziert, die Apokalypse quasi ganz rausnimmt, dann ist das zentrale Thema nicht der Klimawandel, sondern das Erwachsenwerden mit einer Mutter, die nicht loslässt.
Jahre später findet die inzwischen erwachsene Skalde ein rothaariges Kind – ein Wechselbalg, eine Unerwünschte. Der Inbegriff des Fremden.
Das Kind, von Skalde Meisis getauft, bleibt in meinen Augen ein Symbol. Wenn Meisis ihre Milchzähne nicht bald verliert – der einzig akzeptierte Übergang zwischen Kindheit und Erwachsensein –, muss sie gehen und damit vermutlich sterben. Für Skalde, die sich schon mit dem Verlust ihrer eigenen Milchzähne ein Stück weit aus alten Strukturen gelöst hat, wird dies zum auslösenden Moment.
Sie sieht auf einmal alles mit ganz neuem, wachem Blick: die von ihrer Mutter eingeforderten Restriktionen, aber auch die absurden Regeln einer Gesellschaft, die aus Furcht vor der Außenwelt die innere Verrottung ignoriert.
Die Sprache ist so knapp wie evokativ.
Ohne jemals rührselig zu werden, ruft sie mit ausdrucksstarken Bildern eine Vielzahl an Emotionen hervor und spielt dabei mit den Erwartungen des Lesers. Was gerade noch ländlich-idyllisch wirkt, kann jederzeit umschlagen in ein Gefühl fast apokalyptischer Bedrohung – gleichsam kann Aggressivität auf einmal wirken wie ein eigentümlicher Ausdruck von Liebe.
„Das letzte Licht ließ die Stämme der Kiefern rot aufleuchten. Meisis lief voraus. Unter meinen Sohlen knisterte das Gras, als würde es sich gleich entzünden. Bevor ich in den Wald trat, schaute ich noch einmal zurück. Die Sonne versank hinter dem Haus. Der Himmel sah aus, als ob er brannte.“
(Zitat)
FAZIT
Skalde und ihre Mutter Edith sind widerwillig geduldete Außenseiter in einer kleinen Gemeinschaft, die versucht, in einer Welt nach dem Klimawandel irgendwie zu überleben. Niemand darf den Fluss überqueren, der als letzte Grenze zu einer bedrohlichen Außenwelt betrachtet wird – die Brücke haben sie schon lange gesprengt.
Dann findet Skalde ein kleines Mädchen, das von außerhalb kommt, und das wird zu ihrem persönlichen Schlüsselmoment. Sie muss nicht nur die Gemeinschaft und ihre eigene Rolle darin hinterfragen, sondern sich auch von der Hassliebe zu ihrer einengenden Mutter lösen.
Hier wird fast nichts erklärt. Alles wird angedeutet, alles muss man zwischen den Zeilen lesen. Die Geschichte hat genug Symbolik, um einen Deutschlehrer vor Glück weinen zu lassen. Und in meinen Augen funktioniert das großartig, wenn man sich darauf einlässt.
Diese Rezension erschien zunächst auf meinem Buchblog:
https://wordpress.mikkaliest.de/rezension-helene-bukowski-milchzaehne/
Worum geht´s?
Skalde und ihre Mutter leben, ausgegrenzt von der Gesellschaft, im Abseits. Als Skalde ein junges Mädchen findet und dieses mit nach Hause nimmt, findet die Ausgrenzung ihren Höhepunkt. Die Dorfbewohner haben Angst und das Leben von Skalde, ihrer Mutter und dem jungen Mädchen wird zunehmend gefährlicher.
Meine Meinung:
Beim Lesen des Buches musste ich mir immer wieder vor Augen halten, dass es der Debütroman der 1993 geborenen Autorin ist. Wow, und was für ein Debüt!Dieser dystopisch angehauchte Roman vermittelt so viel und vieles bleibt ungesagt und schreit zwischen den Zeilen hervor, erregt Aufmerksamkeit und stimmt nachdenklich.
Das Dorf und die Bewohner leben abgeschnitten und es wird nie wirklich klar,wovon sie abgeschnitten sind und was hinter dem Fluß wartet. Dennoch spürt man die Angst der Bewohner vor der Fremde- vor den Fremden. Als Skalde das kleine Mädchen entdeckt, ist ihr sofort bewusst, dass sie es verstecken muss. Sie muss es schützen, vor Vorurteilen, Angst und Hass. Es stimmt traurig, dass jegliche Menschlichkeit in diesem Dorf abhanden gekommen ist, und so fiktiv es auch sein mag, so fiktiv die gesamte Dorfgemeinschaft anmutet, so real sind doch die Probleme, die Bukowski hier transportiert. Fremdenhass und Missgunst, als biete die Welt nicht genug für alle, als wäre Menschlichkeit ein erschöpftes Gut, welches im Begriff ist, völlig zu versiegen.
Mit unglaublichem Mut und einer puren Entschlossenheit stellt sich Skalde gegen die Bewohner und auch gegen ihre Mutter. Die Beziehung zu dieser ist schwierig und beide führen einen Tanz miteinander aus, bei welchem große Angst herrscht, dass man sich auf die Füße tritt.
Unglaublich tiefgründig und emotional verbreitet dieses Buch eine Botschaft, die man sich schlichtweg selbst erdenken muss! Ein lockerer und leichter Schreibstil runden das Buch ab.
Teilweise war ich sehr bewegt und meine Gefühle fuhren Achterbahn. Wut, Unverständnis, Trauer und auch Respekt schwangen in mir mit, während ich das Buch innerhalb eines Abends verschlang!
Fazit: Unbedingte Leseempfehlung, für alle, die gern zwischen den Zeilen lesen und sich nachdenklich stimmen lassen wollen
Dystopie meets Cli-Fi in Helene Bukowskis Debüt “Milchzähne”. Erzählt wird die Geschichte von Skalde und ihrer Mutter Edith. Sie leben als Außenseiterinnen in einer sehr engen Gesellschaft. Man hat sich abgeschottet, im wahrsten Sinne des Wortes alle Brücken zum Rest der Welt abgebrochen, als sich das Wetter zu ändern begann, die Trockenheit einsetzte und die Tiere begannen zu sterben. Seitdem lebt die kleine Gemeinschaft zwischen totem Land und einem unüberwindbaren, reißenden Fluss. Güter sind knapp, man betreibt Tauschhandel, doch die Hitze und Dürre beeinträchtigen das Leben mehr und mehr.
Edith, die Fremde, Geflüchtete, kam von dem Land hinter dem Fluss. Sie ging eine Beziehung mit einem einheimischen Mann ein, der jedoch bald darauf starb. Skalde ist Ihr gemeinsames Kind. Die beiden Frauen werden geduldet, jedoch nie in die Gesellschaft aufgenommen. Skalde schlägt von Kindheit an Misstrauen und Fremdenhass entgegen. Beide scheinen sich mehr schlecht als recht in dieses Schicksal gefügt zu haben, bis ein fremdes Kind bei ihnen auftaucht, die Perspektiven verschiebt und der Fremdenhass erneut aufzuflammen beginnt.
Diese kleine Buch vereint Vieles in sich - die Geschichte einer Mutter-Tochter-Beziehung, den Klimawandel, die Frage nach Fremdheit und Zugehörigkeit, die Angst vor Andersartigkeit und Veränderung. Vielleicht geht es um zu viel...denn auch wenn ich es gerne und rasch gelesen habe und wissen wollte wie es endet, blieben die Figuren für mich doch immer etwas vage und flach. Für mich ein spannender Wochenendread, mit schön atmosphärischer Sprache, der nachdenklich stimmt, aber nicht lange nachhallt. ⭐️⭐️⭐️