Eines der besten Bücher, die ich bisher gelesen habe! Ich verehre Olga Grjasnowa für Ihre Arbeit und ich hpffe, dass Sie noch viele Bücher schreiben wird!
Ja ja man scheint übersättigt vom Krieg den Islamisten, Moslems und Ausländern. Dieses Buch macht bewusst dass es nicht nur Flüchtlinge sind sondern menschen mit einer Geschichte und einem Leben dass in Stücke gerissen wurde. Nicht mehr wegsehen sondern hinsehen und wahrnehmen.
Gelesen in einem Atemzug
Erschütternd, fesselnd und tragisch. Syrien, Krieg, Alltag, der keiner mehr sein darf. Menschlichkeit und Unmenschlichkeit. Erzählt aus zwei Perspektiven, die verzweifelt versuchen, ihr Leben zu leben, es aber nicht dürfen. Wie hart das Schicksal ist, wie hart die Menschen, das hat mich unglaublich berührt und schockiert. Unbedingte Leseempfehlung, aber nichts für sensilble Menschen.
Die Verkäuferin des neu eröffneten Antiquariats, in dem ich dieses Buch gekauft hatte, meinte, es sei etwas dunkler als Der Russe, Grjasnowas erstes Werk. Wie kann dieses Buch noch düsterer sein als Der Russe, in dem die Hauptfigur eine traumatisierte Nachfahrin Holocaustüberlebender ist, ihren Freund verliert und in Gaza im Nirgendwo ihr Trauma noch einmal neu durchlebt. Nun ja, „Gott ist nicht schüchtern“ kommt dem mindestens nahe. Schlepper, Meeresunglücke, Bombeneinschläge, Push-Backs an den Grenzen, Familientragödien, Foltergefängnisse. Es ist eine Ansammlung von Buzzwords, die gefährlich sein können, denn wenn es eine gewisse Qualität unterschreitet ist es wohl geschmacklos. Doch Grjasnowa enttäuscht nicht. Das Tempo in dem man Todesfälle beklagt und doch gleichzeitig die nötige Zeit für Beschreibungen und die Entwicklung der Figuren. Die Nüchternheit der Sprache war für mich so etwas wie die Akzeptanz gegenüber solch Gräuel, ohne etwas beschönigen zu wollen. Man liest es schnell durch, möchte sich vielleicht auch nicht Zeit lassen, denn ich habe - wie beim Russen - wieder das Gefühl, direkt an der Figur zu sein, sie zu verstehen und keine Fragen über sie stellen zu müssen. Direkt an der Figur zu sein ist im Übrigen zwar ein Lob, doch es ist auch Leid. Man leidet mit den Figuren, dem grausamen Zufall der sie manchmal schont und manchmal schlägt, den Momenten und Erniedrigungen, die sie erfahren müssen. Es ist die Tragik des Lebens. Und es ist Grjasnowa; es endet nicht gut. Der eine stirbt, der anderen wird das klassische Happy End, dass sich entgegen aller Wahrscheinlichkeiten anbahnt verwehrt. Warum auch, es scheint, dass diese Welt keinen Raum hat für Happy Ends, zumindest nicht für diese Menschen. „Die Welt hat eine neue Rasse erfunden, die der Flüchtlinge, Refugees, Muslime oder Newcomer.“ Dieser Rasse ist das Glück verwehrt und jeder Millionste, der es erhält steht einer grausam großen Gruppe gegenüber. Gefolterte, von Bomben getroffene, Glücklose, Ertrunkene, Verprügelte, Unterdrückte. Wieso also dieses Happy End erzählen? Neunhundertsiebzehn Menschen sieht Hammoudi sterben. Rettet einige, verliert beinahe eintausend. Das Leid, dass einen nicht loslässt über diese erfunden Figur. Wie viel bedeutender muss dann erst jenes reale Leid sein? Syrien war für mich lange nur eine Insel von mehr oder weniger guten Nachrichten in einem Meer aus Kriegen, Erdbeben, vergehenden Demokratien und aufziehenden Autokraten. Und dann liest man, dass dieser Roman 2016 erschienen ist. So viel Zeit zwischen dem Erscheinen, zwischen Hammoudi, Amal und den Ereignissen ab Dezember 2024. Es wirft die Frage auf, wie das weitergehen soll. Die Hoffnung, dass es besser wird. Und die Erkenntnis, dass es an so vielen Stellen und in so vielen Leben unheilbare Narben hinterlassen hat. Niederschmetternd. Gleichzeitig möchte man hoffen, auch wenn ich nicht so ganz weiß, worauf. Grjasnowa erinnert. Schenkt Tränen, die die Pflicht nach sich ziehen zu handeln, sei es auch nur jenes Buch dem nächstbesten Nazi oder Ausländerfeind an den Kopf zu werfen.
Ein starker und wichtiger Roman, der mich Stück für Stück immer tiefer in eine Geschichte gezogen hat, die uns tagtäglich umgibt. Teilweise ist mir trotz der Intensität der Geschichte, der Schreibstil etwas zu farblos und neutral.
Amal lebt in Damaskus und möchte eine berühmte syrische Schauspielerin werden. Sie lebt privilegiert, ihr Vater ist reich und hat Einfluss. Doch der zunehmende Freiheitsverlust in ihrem Land macht ihr zu schaffen. Mit vielen anderen jungen Menschen geht sie auf die Straße und lehnt sich auf gegen das Assad Regime. Der Arabische Frühling zwingt sie zur Flucht über das Mittelmeer bis nach Berlin. Hammoudi ist Arzt in Paris, bis sein syrischer Pass abgelaufen ist. Für kurze Zeit möchte er zurück, um seinen Pass zu verlängern. Leider wird er in seinem Heimatland festgehalten. Auch er lehnt sich auf gegen den Unrechtsstaat auf und behandelt heimlich die Bürgerkriegsopfer des Assad-Regimes. Der Arabische Frühling zwingt ihn zur Flucht über Lesbos nach Berlin. Olga Grjasnowa hat sich das Thema unserer Zeit genommen: Flucht und ihre Ursachen. Sie spannt den Bogen von der kippenden Situation in Syrien zu einem vernichtenden Bürgerkrieg, über Fluchtrouten nach Europa, bis hin zur Lebenssituation Geflüchteter in Deutschland. Inhaltlich ist dieses Buch sehr lohnenswert. Jedes Mitgefühl und Verständnis für Flucht ist wertvoll. Literarisch hat mich „Gott ist nicht schüchtern“ jedoch weniger überzeugt. Grjasnowa schreibt knapp, schnörkellos, pointiert in einfachen Hauptsätzen. Die Kapitel sind ebenfalls kurz und knapp. Sie nimmt sich wenig Raum zur detaillierten Beschreibung, auch der Figuren. Dadurch wirkte es auf mich doch eher wie ein Bericht in der Tagesschau, dem ich kurz folge, aber nicht nachhaltig emotional involviert bleibe. Sie schreibt unheimlich schnell, wodurch ich mich 2/3 des Buches gefragt habe, worauf sie so zügig hinsteuert. Die stärkste, eindrücklichste Passage sind die Fluchtrouten von Amal und Hammoudi. Das Ende hat mir aus verschiedenen Gründen nicht gut gefallen…
Beindruckendes und wichtiges Buch über den Krieg in Syrien / Migration
Das Buch begleitet mehrere junge Menschen aus Syrien ab dem Jahr 2011. Sie sind jung, schön, smart und priveligiert. Studieren im Ausland, feiern Parties haben beruflich und privat Erfolg... ...bis sie mit der Revolution 2011 auf die Eine oder andere Weise ins Visier der Assad Regierung fallen. Sie erleiden Überwachung, Gefängnis und Folter und wagen irgendwann die Flucht aus Syrien nach Europa. Aber nur einige wenige schaffen und überleben die Flucht und Verfolgung und müssen im Ausland ganz unten von vorne beginnen. Ein beeindruckendes, immer spannendes und berührendes Buch.

Eine Geschichte zu Beginn der syrischen Revolution und des darauffolgenden Krieges. Ich durfte Hammoudi und Amal begleiten, deren Wege sich zwar durchaus kreuzen, die aber ansonsten nicht viel miteinander zutun haben. Was soll ich sagen? Ich mochte schon „Der Russe ist einer der Birken liebt“. An die sehr sachliche Sprache von Olga Grjasnowa muss ich mich immer erst ein bisschen gewöhnen, aber sie zieht mich stets in ihren Bann. Zurückgelassen hat mich dieser Text an uns Menschen zweifelnd und gerade deshalb möchte ich es jedem ans Herz legen. 💚
Ich will gar nicht viel zu diesem Buch schreiben, der Klappentext fasst den Inhalt gut zusammen und die Rezensionen außerhalb von goodreads sind so enthusiastisch wie ich es bin. Ich habe von Grjasnowa bereits "Der Russe ist einer, der Birken liebt" und "Die juristische Unschärfe einer Ehe" gelesen. Wie schon nach der Lektüre von letzterem irritiert mich maßlos, dass bei goodreads immer wieder geschrieben wird, Grjasnowa würde "distanziert" schreiben. Sicherlich gibt es bei ihr keine seitenlangen inneren Monologe darüber, wie sich die Personen grad fühlen. Sondern sie kämpfen sich eben durch ihr Leben und wir als Leser*innen sind bei allem dabei und werden nicht geschont. Ich finde diese Schreibweise genial und habe mich gerade deswegen den Figuren wahnsinnig nah gefühlt. Die letzte Hälfte des Romans habe ich in einer Nacht durchgelesen und sowas mache ich wirklich selten. Es ist ein Buch, das ich gerne zur Schullektüre erklären würde, trotz oder gerade wegen all der Brutalität. So kann das Leben von anderen Menschen greifbar gemacht werden, indem man es zu einem Sog werden lässt, indem man die äußeren Umstände zeigt, weil das Äußere das Innere erklärt.









