Als ich vor Jahren das EBook gekauft habe, wusste ich nicht, was mich für eine beeindruckende Geschichte erwartet. Ich kann das Buch nur jedem empfehlen, der Familiengeschichten liebt.
Das Buch hat mir sehr gut gefallen, besonders der geschichtliche Hintergrund über die Entstehung Israels. Auch die Figuren hauptsächlich weiblich, da es fand ich sehr gut gezeichnet. In der Hauptsache geht es um spaniolische(spanischstämmige Juden) über 3 Generationen von Frauen und ihre Ehen. Lediglich 2 kleine Mankos, ich hätte mich über ein Glossar gefreut so mußte Wikipedia herhalten für Begriffe wie Spaniolisch oder Hagana und eine Karte von Jerusalem wäre nett gewesen.
Anfangs habe ich mich wirklich auf diesen Roman gefreut, da ich mich sehr für Israel und seine Entstehung, als auch das Judentum interessiere. Die durchweg positiven Bewertungen überzeugten mich das Buch zu kaufen. Generell hatte ich wenig Erwartungen an die Geschichte, da Familienromane für gewöhnlich immer mit ähnlichen Themen spielen. Auch hier ist es nicht anders. Der Mann liebt eine andere, die Konventionen der Zeit lassen dies und das und jenes nicht zu, es wird über das Vergangene nicht gesprochen, man fühlt sich von Gott bestraft und so weiter, und so weiter. Hätte dieses Buch in Deutschland gespielt, hätte ich es bereits nach hundert Seiten zur Seite gelegt. Aber ich habe weitergelesen, obwohl die Wut auf die Figuren immer weiter in mir wuchs. Wieso? Die Antwort ist einfach: Der historische Kontext. Ich fand es unglaublich spannend zu lesen, was sich zu dieser Zeit in Jerusalem abgespielt hat. Es kommt einem fast schon ein wenig wie eine andere Welt vor, denn während in Europa die Kriege alles auf den Kopf stellen, hat der mittlere Osten seine ganz eigenen Probleme. Spannend und sehr liebevoll, ohne dabei übertrieben oder aufgesetzt zu wirken, erzählt die Autorin von dieser aufwühlenden Zeit und den daraus entstehenden Veränderungen. Generell hat mir ihr Stil gut gefallen. Das Buch hat sich durchweg leicht lesen lassen, ohne dabei platt zu wirken. Wieso konnte ich mich also nicht mit der Geschichte anfreunden? Ganz einfach, in diesem Buch gibt es einfach so gut wie keine Person, die man ertragen oder liebhaben kann. Selbst mit der eigentlichen Erzählerin, Gabriela, wird man kaum warm. Mein Mitgefühl galt am ehsten noch Rosa, die vielleicht nicht die Schlauste war, aber kein einfaches Leben hatte und dennoch immer ihr Bestes gegeben hat. Und mit ihrer Tochter hatte sie es nun wahrlich nicht leicht. Generell fand ich Luna unausstehlich. Absolut nichts an dieser Figur war ansatzweise sympathisch. Jedes Mal wenn sie sich gegenüber einer anderen Figur schrecklich benommen hat, habe ich überlegt das Buch wegzulegen. Auch Lunas Vater, der sie von Anfang an verzieht statt zu erziehen, machte mich wütend. Allein seine Gedanken über Rosa haben mich regelmäßig geärgert. Die einzig wirklich netten Personen in dieser Familie bekommen kaum Raum in der Geschichte eingeräumt. Eli Cohen der Schöne und seine Bekki waren mir am liebsten. Genau dieses Paar hat am wenigsten Raum bekommen. Auch Rahel und ihr Moische waren sehr bezaubernd miteinander. Ich hätte mich gefreut mehr über diese beiden Schwestern zu lesen anstatt mir wieder 200 Seiten über Lunas Fehlverhalten durchzulesen. Keiner verzeiht irgendwem. Selbst am Ende wird von Gabriela erwartet ihrer Mutter zu verzeihen, einfach so. Weil man das als gute Tochter eben so tut. Und generell spielt es keine Rolle, wie schlimm mit einem umgesprungen wurde. Absolut alle Personen in dieser langen Geschichte, hätten Therapie benötigt. Traumatische Erlebenisse, Persönlichkeitsstörungen, Angststörungen, große Verluste - und alles immer schön auf dem Rücken der anderen Familienmitglieder ausgetragen. Zum Schluss kann ich nur sagen, ich bin sehr enttäuscht gewesen. Und ich verstehe auch die ganzen überragenden Bewertungen nicht. Ich hätte dem Buch gern eine gute Bewertung geschrieben, weil es historisch und sprachlich wirklich gut und schön gestaltet ist. Aber ich habe noch nie so wenig Sympathie für die Figuren empfunden, wie in diesem Buch.
Als Leser bekommt man in "Die Schönheitskönigin von Jerusalem" in mehrfacher Hinsicht eine sehr interessante Geschichte. Ich kenne das Judentum als Religion. Im Buch wird man jedoch auf zwei verschiedene "Gruppen" aufmerksam. Zum einen sind es die Sefardim, zum anderen die Aschkenasim. Da ich keine von beiden kannte, habe ich detaillierter im Internet danach gesucht und wurde auch fündig. (Interessant finde ich auch die Seite: "Handbuch Jüdische Kulturgeschichte") Die Internetseite Religion24 antwortet auf die Frage - "Was versteht man unter sephardischen Juden?" - folgendermaßen: "Sephardische Juden sind Juden spanisch-orientalischer Herkunft. Das Wort „sephardisch“ leitet sich von dem biblischen Ortsnamen „Sepharad“ ab, mit dem die Iberische Halbinsel schon im 2. Jahrhundert n. Chr. hebräisch benannt wurde." Dies erklärte mir sofort, warum im Buch so viele spanische Ausdrücke zu finden sind, die kursiv in den Dialogen hervorgehoben wurden. Hätte ich das im Vorfeld gewusst, hätte ich mich nicht so sehr darüber gewundert. Es hat eine kleine Weile gebraucht, bis mich die spanischen Namen und Ausdrücke nicht mehr so irritiert haben. Des Weiteren erfährt der Leser etwas über die Kriege in Jerusalem, da die Autorin Sarit Yishai-Levi ihren Roman in zwei Zeitebenen eingebettet hat. Die Gegenwart handelt von Gabriela, der Tochter der Schönheitskönigin, die versucht ihr Leben in den Griff zu kriegen und den familiären Konflikt, den ihre Familiengeschichte hervorgebracht hat, aufzulösen und aus ihm auszubrechen. In Rückblicken wird die Familiengeschichte durch Erzählungen lebendig, die historisch eingebettet ist in die Zeit vor der Britischen Mandatszeit (vor 1917) über den Unabhängigkeitskrieg, Sechstagekrieg bis hin zur Gegenwart. Darin erfährt Gabriela, wie ihre Familie nach Jerusalem kam und was es mit diesem Familienfluch aufsich hat. Dabei spielt jeder Familienangehörige eine bedeutende Rolle. Lückenlos erfährt der Leser, warum Großvater Gabriel (nach dem Gabriela ungewöhnlicherweise benannt wurde) sich Garbrielas geliebter Großmutter Rosa so distanziert verhalten hat. Er hatte kein leichtes Schicksal zu tragen und es war sehr traurig zu sehen, welch tragische Auswirkungen das bis in die Gegenwart hatte. Denn er war schon die zweite Generation, die nicht aus Liebe, sondern aus Pflichtbewusstsein und Tradition gezeugt wurde. Sarit Yishai-Levi hat ihre Hauptfiguren besonders tief charakterisiert. Selbst die mir außerordentlich unsympathische Luna war sehr gut ausgearbeitet. Auch wenn ich sie nicht besonders mochte, ja, genau deswegen, war sie so sehr gelungen. Sie hatte ihren eigenen Kopf, war selbstverliebt, oberflächlich und hatte dennoch eine eigene berührende Traurigkeit, die mich auch für sie einnehmen konnte. Durch sie habe ich viel über das damalige Leben in Jerusalem gelernt und was Tel Aviv von Jerusalem unterscheidet, welche Traditionen eine sephardische Familie zu befolgen hatte. Auch hat die Autorin den Mutter-Tochter-Konflikt, der sich durch das ganze Buch zieht, nachvollziehbar beschrieben. Dabei störte mich leider die wechselnde Erzählperspektive. Insbesondere die von Gabriela verwirrte mich immer wieder. Es war mir nicht immer sofort klar, wer denn nun erzählt. Wenn ich Noten für die Protagonisten vergeben müsste, würde Gabriela am schlechtesten abschneiden. Ihr Teil, gerade der, der in der Gegenwart zum Ende hin spielt, empfand ich übertrieben. Ich konnte nicht genau nachvollziehen, warum sie sich, um sich abzugrenzen, zu so einer drastischen Lebensweise entschied. Ihr Lebensweg war nicht ganz homogen und passte nicht so richtig in die vorherige flüssige Erzählstruktur. Auch hätte ich mir gewünscht, dass der historische Hintergrund deutlicher ausgearbeitet wird. Einige Zusammenhänge wurden mir erst klar, als ich über die Geschichte Jerusalems selbst recherchiert und nachgelesen habe. Fazit: Im Großen und Ganzen ist dies dennoch ein wunderbarer Roman, der trotz meiner kleinen Kritikpunkte sehr empfehlenswert ist. Es ist ein Roman von der Suche nach Liebe, geprägt von einem religiösen Umfeld und den Traditionen, die die Protagonisten nicht frei handeln lassen. Ein Roman, indem sehr gut gezeigt wird, dass niemand nur gut oder nur böse ist, auch wenn es Charaktere gibt, die von einer großen positiven Aura umgeben sind, so wie Rachelika, die mir sehr ans Herz gewachsen war. Wer sich zusätzlich auch für Jerusalem und seine Konflikte interessiert, ist mit diesem Roman sehr gut aufgehoben. ____________________________________ https://monerls-bunte-welt.blogspot.de/2017/10/buchvorstellung-die-schonheitskonigin.html



