29. Aug.
Rating:5

Ein ergreifendes Buch, das einen entsetzt und doch sensibel in die Seelen dieser Kinder blicken lässt. Nichts für schwache Nerven! Triggerwarnung: zwischendurch kommt es zu brutalen Szenen,jedoch ist es hervorragend geschrieben und lässt einen nicht mehr los.

Der dunkle Fluss
Der dunkle Flussby Chigozie ObiomaAufbau TB
17. März
Rating:3.5

Was war denn das für ein brutales Buch. Von Anfang an war mir klar, dass dieses Buch kein gutes Ende nimmt, aber wohin mich dieser dunkle Fluss dann getrieben hat, damit hatte ich irgendwie doch nicht gerechnet. Ich dachte, es wird ein eher leichter Comin-of-Age Roman mit etwas härteren Jungs, aber das hier war dann doch eine Familientragödie. Eine Entscheidung, die eine komplette Familie durcheinanderbringt und zerstört. Ben lebt mit seinen Eltern, fünf Brüdern und einer Schwester in Akure, einer Stadt in Südwesten Nigerias. 1996 wird sein Vater nach Yola versetzt. Kilometerweit entfernt von der Familie, hat der Vater keinen Einfluss mehr auf die Jungs und somit holen sie sich manche Freiheiten, die sie vorher nicht hatte. Die fünf ältesten sind im Alter von 9 bis 15 und sie verstoßen gegen die Verbote des Vaters. Bis eines Tages ein Fluch den ältesten Bruder verändert und das Chaos in die Familie bringt. Lesen lässt sich die Geschichte leicht, aber manche Sätze treffen einen hart. Ein wenig Abstand zu der ganzen Brutalität konnte ich dank des ganzen dargestellten Aberglauben und den Vergleichen mit den Tieren gewinnen. Dies hat mir die Grausamkeit der Geschichte ein wenig ferngehalten. Und doch hat es mich nicht ganz kalt gelassen. Warum ich keine 5 Sterne dafür gebe? Vielleicht, weil ich die Mischung von „Fabel“ und brutaler Realität nicht ganz fühle? Oder weil mich manche Szenen doch verstört haben? Oder vielleicht, weil ich mir mehr von der Geschichte Nigerias erwünscht hatte. Ich kann es nicht genau ausmachen, woran es liegt. S.29 „Vater war ein Adler. Der mächtige Vogel, der sein Nest hoch über den anderen baute, wo er über seine Jungen wachte wie ein König über seinen Thron. Wäre er nicht aus Akure weggegangen, dann wäre auch nicht all dieses Unheil über unser Zuhause hereingebrochen, so dachten die meisten.“ S.220 „Hass ist ein Blutegel. Das Ding, das sich an der Haut festsaugt, sich von den Menschen ernährt und ihnen die Lebenskraft raubt. Er verändert einen und verschwindet erst, wenn er einem den letzten Tropfen Frieden ausgesaugt hat.“ S.255 „Es hieß, das Ende einer Geschichte ähnele häufig ihrem Beginn, wenn auch nur entfernt. Das war bei uns der Fall.“

Der dunkle Fluss
Der dunkle Flussby Chigozie ObiomaAufbau TB
1. Juli
Rating:5

Sprachlich toll und bildreich erzählt

Aus der Perspektive eines Jungen wird die Geschichte einer nigerianischen Familie erzählt: Der Vater will nur das Beste für die Kinder, nimmt viel Arbeit auf sich, lässt dabei aber die Mutter allein mit sechs Kindern. Hinzu kommt eine Weissagung eines „Verrückten“, dessen Worte es schaffen, einen Keil in alles zu treiben. So führt eins zum nächsten. Mir gefiel sehr, wie der Autor das Gefühlsleben mit Hilfe von den Eigenschaften verschiedener Tiere beschreibt, und so die Unausweichlichkeit der Handlungen darstellt. Eigentlich kann es kein Happy End geben, doch es gelingt am Ende, der Familie einen Hoffnungsschimmer zu geben. Lesenswert.

Der dunkle Fluss
Der dunkle Flussby Chigozie ObiomaAufbau TB
14. Apr.
Rating:2

Mir hat dieses hochgelobte Buch nicht gefallen. Womöglich bin ich mit falschen Erwartungen an den Roman gegangen, denn ich hatte die Geschichte einer Familie aus dem aktuellen Nigeria erwartet. Stattdessen schreibt der Autor eher so, wie westliche Autoren früher über Afrika geschrieben haben: exotisch, dunkel, archaisch und vollgestopft mit Symbolen aus dem Tierreich. Irgendwie war für mich schnell klar, welche Rolle die einzelnen Familienmitgliedern in nigerianischen Geschichte einnehmen. Da war der Beruf des Bankers für den Vater, der nur englisch mit seinen Kindern spricht und sie vehement davon abhalten will, zu den Wurzeln ihrer Vorfahren zurückzukehren (Fischer werden) einfach zu plakativ. Und auch die anderen Figuren empfand ich als klischeehaft. Ich konnte beim Lesen einfach nicht die Deutungsebene verlassen und in die Geschichte eintauchen, weil sie auch nicht mit einer besondernen Tiefe erzählt wurde, sondern schlicht und oberflächlich. Klang er wie ein Jugendroman oder halt ein Märchen/Fabel. Familien als Mikrokosmos zu verwenden, um die Probleme im Makrokosmos Staat zu erklären, ist ja nun auch kein neues Stilmittel. Gab es bei Ödipus, Macbeth, Buddenbrooks oder Karenins auch. „Alle glücklichen Familien gleichen einander, jede unglückliche Familie ist auf ihre eigene Weise unglücklich.“ Dieser erste Satz aus Tolstois Werk trifft auf die nigeranische Familie ganz besonders zu. Wenn dann der äußerst kritische Zeitgenosse Maxim Biller auf dem Buchrücken davon spricht, dass Der dunkle Fluss ein moderner Klassiker sei, dann sind meine Erwartungen halt auch sehr hoch an ein Buch, dass diese bei weitem nicht erfüllen konnte.

Der dunkle Fluss
Der dunkle Flussby Chigozie ObiomaAufbau TB
23. Feb.
Rating:2

Mir hat dieses hochgelobte Buch nicht gefallen. Womöglich bin ich mit falschen Erwartungen an den Roman gegangen, denn ich hatte die Geschichte einer Familie aus dem aktuellen Nigeria erwartet. Stattdessen schreibt der Autor eher so, wie westliche Autoren früher über Afrika geschrieben haben: exotisch, dunkel, archaisch und vollgestopft mit Symbolen aus dem Tierreich. Irgendwie war für mich schnell klar, welche Rolle die einzelnen Familienmitgliedern in nigerianischen Geschichte einnehmen. Da war der Beruf des Bankers für den Vater, der nur englisch mit seinen Kindern spricht und sie vehement davon abhalten will, zu den Wurzeln ihrer Vorfahren zurückzukehren (Fischer werden) einfach zu plakativ. Und auch die anderen Figuren empfand ich als klischeehaft. Ich konnte beim Lesen einfach nicht die Deutungsebene verlassen und in die Geschichte eintauchen, weil sie auch nicht mit einer besondernen Tiefe erzählt wurde, sondern schlicht und oberflächlich. Klang er wie ein Jugendroman oder halt ein Märchen/Fabel. Familien als Mikrokosmos zu verwenden, um die Probleme im Makrokosmos Staat zu erklären, ist ja nun auch kein neues Stilmittel. Gab es bei Ödipus, Macbeth, Buddenbrooks oder Karenins auch. „Alle glücklichen Familien gleichen einander, jede unglückliche Familie ist auf ihre eigene Weise unglücklich.“ Dieser erste Satz aus Tolstois Werk trifft auf die nigeranische Familie ganz besonders zu. Wenn dann der äußerst kritische Zeitgenosse Maxim Biller auf dem Buchrücken davon spricht, dass Der dunkle Fluss ein moderner Klassiker sei, dann sind meine Erwartungen halt auch sehr hoch an ein Buch, dass diese bei weitem nicht erfüllen konnte.

Der dunkle Fluss
Der dunkle Flussby Chigozie ObiomaAufbau TB
28. Apr.
Rating:5

Bei "Der dunkle Fluss" handelt es sich um den Debütroman des nigerianischen Autors Chigozie Obioma, von dem ich bereits auf Englisch 'An Orchestra of Minorities' gelesen und geliebt habe. Es beginnt mit vier Brüdern, die heimlich am nigerianischen Fluss Omi-Ala fischen gehen, obwohl es ihnen verboten ist und Unglück bringen soll. Das Unglück verdichtet sich, als ein aus der Gesellschaft Verstoßener den Tod des ältesten Sohnes prophezeit und damit den Keim der Angst sät. Ab diesem Zeitpunkt nimmt das Familiendrama seinen Lauf und damit immer tragischere Züge an. Das Buch wird auf dem Buchrücken als Fabel beschrieben und das ist auf eine Art ganz passend. Zwar sind die Protagonist*innen selbst keine Tiere, jedoch werden immer wieder Vergleiche zu Tieren gezogen. Dazu ist die Geschichte sehr vielschichtig und beinhaltet viele religiöse Elemente, wie auch einen Einblick in einen Teil von Nigerias Geschichte gepaart mit Kolonialismuskritik. Besonders beeindruckt hat mich die Mutter, die sechs Kinder nahezu allein verantwortet, damit für sämtliche Care-Arbeit zuständig ist und 'nebenher' noch auf dem Markt arbeitet. Mit keiner Figur habe ich so mitgefühlt wie mit ihr, wobei eine Hierarchisierung der Tragik und Trauer kaum möglich (und zielführend) ist. Auf das Buch gestoßen bin ich vor langer Zeit durch die fabelhafte @my.poc.bookshelf. Übersetzt von Nicolai von Schweder-Schreiner. CN: Mord, Lynchmord, häusliche Gewalt, Ableismus, Folter, Krankheit, Suizid, Erbrochenes, Vergewaltigung, Leichenschändung

Der dunkle Fluss
Der dunkle Flussby Chigozie ObiomaAufbau TB
25. Apr.
Rating:5

Jesus Christ, das war das traurigste Buch, das ich seit Langem gelesen habe. Ich überlege die ganze Zeit, wie ich diese Review schreiben kann, ohne viel zu Spoilern: Dieses Buch erzählt so viel über Familie, über Ehre, über Bruderschaft und Geschwisterschaft im allgemeinen. Obioma hat eine ganz besondere Stimme, die sicherlich noch viele Preise gewinnen wird. An nigerianischen Autor*innen (die ich in letzter Zeit vermehrt gelesen habe) gefällt mir besonders, dass sie ganz eindrückliche Bilder mit ihrer Sprache malen können, wenn sie sich der vielen Sprachen wie Igbo oder Yoruba bedienen. Oft wirkte es so als würde man ein altes Märchen oder eine alte Sage lesen - auch das hat mir sehr gefallen.

Der dunkle Fluss
Der dunkle Flussby Chigozie ObiomaAufbau TB
24. Apr.
Rating:2

Ist das die große Erzählung vom »Verfall einer Familie«? Ein Kain-und-Abel-Roman? Auf Seite 181 werden diese beiden Namen tatsächlich genannt. Ein Roman einer Kindheit in Afrika? Oder ein Zeugnis dafür, daß »The White Man’s Burden« vergeblich geschultert wurde? Eine Coming-off-age-Geschichte? Oder alles in einem? Inhaltlich wird durchaus einiges geboten: ein weissagender Verrückter, vor dem keine Frau sicher ist, ob lebendig, tot oder Madonnenstatue. Es gibt bedrohliche Prophezeiungen, verbotene Abenteuer, Familiendramen, eine realistische Darstellung von Armut und Dreck, Schläge, Tötung, Selbsttötung, naturreligiöse Überzeugungen, und so weiter und so fort. Ziemlich viel los also. Stilistisch und erzählerisch war ich angesichts der werblichen Anpreisungen eher enttäuscht. Mehr auf meinem Blog Notizhefte unter: https://notizhefte.com/2015/03/16/der-dunkle-fluss-roman-von-chigozie-obioma/

Der dunkle Fluss
Der dunkle Flussby Chigozie ObiomaAufbau TB
28. Sept.
Rating:4

Benjamin lebt mit seinen drei Brüdern und seinen Eltern in einer nigerianischen Kleinstadt. Eines Tages verkündet der Vater, dass er beruflich in einer weiter entfernten Stadt eingesetzt werden wird und die Familie daher nur noch zu Besuchen sehen wird. In dieser Zeit entdecken die vier Jungs den nahe gelegenen Fluss für sich, üben sich im Fang kleiner Fische. Der Fluss hat jedoch einen üblen Ruf, der tief im nigerianischen Volksglauben verankert ist. Dann macht ein örtlicher als verrückt bekannter Mann, auf den sie treffen, eine düstere Prophezeiung und außerdem werden die Jungen von einer Nachbarin am Fluss gesehen. Das gibt erst mal Ärger mit den Eltern. Doch die Prophezeiung des Verrückten wird vom ältesten Bruder, den sie betrifft, ernst genommen und vergiftet für immer die Beziehungen zwischen den Brüdern. Das Unglück nimmt seinen Lauf. Das Debüt des nigerianischen Schriftsteller Chigozie Obioma ist ein düsterer, fesselnder Blick auf die Nachwirkungen der Kolonialisierung und des Einflusses des alten Glaubens auf die heutige nigerianische Gesellschaft. Das Buch steckt voller Symbolismus, was mir persönlich sehr gut gefallen hat, in der Leserunde aber auch auch Ablehnung gestoßen ist. Mir hat der Roman sehr gut gefallen und mir Lust auf weitere afrikanische Literatur gemacht.

Der dunkle Fluss
Der dunkle Flussby Chigozie ObiomaAufbau TB