21. Juli

Joan Weng Feine Leute Aufbau Verlag Autor: Joan Weng, geboren 1984 in Stuttgart, studierte Germanistik und Geschichte und promoviert aktuell über das Frauenbild in der Literatur der Weimarer Republik. Für ihre Kurzprosa wurde sie mehrfach ausgezeichnet, u. a. mit dem Hattinger Literaturförderpreis, dem Wiener Werkstattpreis, dem Goldstaubpreis der Autorinnen Vereinigung e. V. sowie zahlreichen Stipendien. Seit 2013 leitet sie die Redaktion von zweiundvierziger.de, dem Blog der 42er Autoren. Sie lebt mit ihrer Familie bei Tübingen. „Feine Leute“ ist ihr erster Roman. (Quelle: Aufbau Verlag) Wie jeden ersten Samstag im Monat besucht Carl von Bäumer seine Schwester. Zusammen sitzen die beiden bei Tee und Kuchen und reden über das Leben von Carl, da seine Mutter beginnt sich Sorgen um ihn zu machen. Seine Gedanken sind jedoch ganz woanders, denn zusammen mit Kriminalkommissar Paul Genzer muss er einen Mordfall aufklären. Seine Beziehung zu Paul spielt bei allem ebenfalls eine große Rolle. Das Buch besteht aus insgesamt 9 Kapiteln, die alle aus der Angabe des Wochentages sowie des Datums bestehen. Diese sind dick gedruckt in der oberen rechten Ecke, vor jedem Kapitel zu finden. Die Kapitel selbst sind dann nochmals in verschiedene Abschnitte unterteilt, die jedes Mal mit einem (-) voneinander getrennt sind. Aufgrund der Datumsangabe lässt sich die Story sehr gut verfolgen, da man stets den zeitlichen Rahmen kennt. Am Anfang des Buches werden wir in die Handlung geschmissen, ohne zu wissen, worum es geht. Danach folgen einige Kapitel, in denen wir sehr viele Personen und ihre Beziehung zueinander kennenlernen. In dieser Zeit steht der Mordfall eher im Hintergrund. Erst ab ca. Seite 110 kommt das Buch in fahrt und die Ermittlungen fangen richtig an und werden am Ende sehr gut aufgelöst. Das Ende liest sich dann eher Sherlock Holmes typisch, dies passt aber super zum Buch. Die Erklärungen und die Auflösung selbst lesen sich verständlich und schlüssig. Die ganze Story passt insgesamt sehr gut in die Epoche, in der sie spielt. Auch die oben schon angedeutete Beziehung der beiden Hauptcharaktere wird sehr gut beschrieben. Gerade was den Umgang mit der Öffentlichkeit angeht, denn Homosexualität war zu dieser Zeit noch ein Tabu. Im Großen und Ganzen ist das Buch nicht besonders leicht zu lesen, weshalb es sich auch weniger für zwischendurch eignet. Man sollte sich hier lieber die Zeit nehmen und das Buch in Ruhe lesen. Cover: Das Cover hat als Grundfarbe, Schwarz und zeigt eine Stadt bei Nacht. Auf der Vorderseite sehen wir unter dem Titel einige Autos und beleuchtete Häuser. Anhand der Autos kann man gut erkennen, in welcher Zeit die Story spielt. Der Titel selbst ist in einem Weiß bis Grau gehalten und hebt sich somit gut vom schwarzen Hintergrund ab. Außerdem passt der Titel perfekt zum Inhalt des Buches, denn dieser spielt ebenfalls in der gehobeneren Klasse. Fazit: Die Autorin hat es geschafft, den Leser zurück in die Zeit zu katapultieren. Außerdem wird ein wirklich interessanter und spannender Mordfall erzählt und am Ende schlüssig aufgeklärt. Hier und da liest sich das Buch etwas stockend und gerade in der ersten Hälfte muss man sich leicht zwingen durchzuhalten, dies wird aber in der zweiten Hälfte besser. Von mir bekommt das Buch 4/5 Sterne. Klappentext: Berlin im Sommer 1925: Dass Bernice ihren schwerreichen Gatten von ihrem Liebhaber hat umbringen lassen, ist eine Tatsache – zumindest für die feine Gesellschaft. Kriminalkommissar Paul Genzer ist davon jedoch nicht überzeugt, insbesondere nachdem die Witwe plötzlich an einer Überdosis Morphium gestorben ist. Während der Tod der Witwe neue Fragen aufwirft, folgen weitere Bluttaten, und so ist der proletarische Kommissar bald froh, bei seinen Ermittlungen durch den hochadligen Filmstar Carl von Bäumer ungewöhnliche Unterstützung zu bekommen. Der Leinwanddetektiv mit der Leidenschaft für Kokain kennt sich zwar bestens aus in der Welt der Reichen und Schönen, er verfolgt jedoch ganz eigene Motive. (Quelle: Aufbau Verlag) Autor: Joan Weng Titel: Feine Leute Verlag: Aufbau Verlag Genre: Krimi Seiten: 336 Preis: 9,99 ISBN: 978-3-7466-3175-2 http://wurm200.blogspot.de/

Feine Leute
Feine Leuteby Joan WengAufbau TB
22. Aug.
Rating:2

Es war ehrlich gesagt nach einer Weile ziemlich nervtötend dieser übertrieben vergnügliche Tonfall, den die Autorin hier anschlägt. Der Mordfall an sich war dann ziemlich verworren, weil zu jeder Figur erstmal die Halbe Lebensgeschichte aufgetischt wird. Irgendwann konnte ich kaum noch jemanden auseinander halten, weil sich die Figuren so ähnlich waren. Bis auf Carl und Paul, die ich schon sympathisch fand. Aber insgesamt fehlte es dem Buch einfach an mehr Substanz.

Feine Leute
Feine Leuteby Joan WengAufbau TB
23. Sept.
Rating:3

Paul Genzer und Carl von Bäumer sind ein Paar, allerdings eines das mit vielen Schwierigkeiten zu kämpfen hat. Nicht nur, dass ihre Beziehung im Jahre 1925 absolut geheim bleiben muss, da Homosexualität verboten ist, auch die Eifersucht schießt den beiden immer wieder quer. Noch dazu leben die beiden eigentlich in vollkommenen unterschiedlichen Welten. Paul ist Kriminalhauptkommissar, Carl Schauspieler. Und doch kann Carl Paul im aktuellen Fall unterstützen, kennt er sich in den Kreisen der ermordeten hervorragend aus. Joan Weng liefert mit ihrem Debutroman ein Sittenbild aus den Zwanzigern in Berlin. Das Leben tobt, Kokain und Morphium sind gängige Konsumware in gewissen Schichten und trotzdem herrscht teilweise ein strenger, gesellschaftlicher Kodex, an den man sich zu halten hat. In diesem Umfeld ermittelt Paul nun den Mord an einem Baron, der vermeintlich vom Liebhaber seiner Frau umgebracht wurde. Was anfangs wie ein relativ klarer Fall aussieht entwickelt sich im Laufe der Zeit zu einem immer wirreren Konstrukt, in dem unklar ist, wer welche Motive hat. Das Buch ist in neun Kapitel unterteilt, die jeweils mit dem aktuellen Datum überschrieben sind. Innerhalb der Kapitel wechselt die Perspektive immer wieder, man begleitet mehr oder weniger jeden beteiligten Charakter ein Stück des Weges. Das erhöht gerade gegen Ende das Lesetempo enorm, führt aber am Anfang etwas zu Verwirrung, weil einfach wahnsinnig viele Personen auftauchen. An sich hat mir das Buch gut gefallen, besonders die Lösung des Falles fand ich wirklich hochinteressant und vollkommen überraschend. Was mich allerdings ein wenig gestört hat, waren Paul und Carls Beziehungsprobleme. Die beiden verhalten sich die ganze Zeit wie zwei Teenager und schaffen es einfach nicht mal vernünftig miteinander zu sprechen. Was ich außerdem etwas seltsam fand war, dass Carl ganz selbstverständlich polizeiliche Ermittlungen aufnimmt und selbst Polizisten nicht zwischen seiner Rolle als Detektiv und ihm als Schauspieler unterscheiden. Irgendwie machte das Pauls Arbeit auch etwas unglaubwürdig, da er den Eindruck, Carl wäre ein Profi, teilweise noch unterstützt. Trotzdem hat mir das Buch gut gefallen, auch weil es eben ein bisschen anders war als viele Romane, bzw. Krimis aus dieser Zeit. Von mir daher durchaus eine Leseempfehlung.

Feine Leute
Feine Leuteby Joan WengAufbau TB
25. Aug.
Rating:5

Ich habe das Buch kurz nach Erscheinen schon gelesen. Ich gehöre eigentlich nicht zur typischen Zielgruppe, denn ich lese eher selten Krimis und historische Krimis auch nicht besonders gern. Mich haben aber (vor allem) der Titel, das Cover und die Zeit der Handllung angesprochen. Gelesen hatte ich von der Autorin vorher noch nichts. Das wird aber nicht so bleiben, denn bekommen habe ich hier zum Glück keinen historischen Kriminalroman, sondern einen klassischen Krimi, der mich persönlich ein wenig an Dorothy L. Sayers o. ä. Werke anderer Autoren erinnert hat. Mich hat Joan Wengs literarische Sprache sofort in ihren Bann gezogen. Gerade die Dialoge fand ich sehr bildhaft. Ich habe mich teilweise köstlich amüsiert und hatte neben den Worten auch immer sofort Mimik und Gestik vor Augen. Carl von Bäumer und Paul Genzer habe ich beide sofort ins Herz geschlossen. Den einen wegen seiner jugendlichen und standesabhängigen Leichtigkeit und den anderen wegen seiner geerdeten Persönlichkeit. Ich fand sie beide und auch ihre schwierige Beziehung sehr glaubhaft. Dieses Buch könnte ein guter Auftakt für eine Serie sein. Ich würde auf jeden Fall einen weiteres Buch über die beiden lesen wollen. Der Kriminalfall an sich war spannend, verzwickt, teilweise etwas verwirrend und ich wusste bis zum Ende nicht, wer der Täter/die Täterin war. Das Berliner Millieu der "feinen Leute", aber auch der anderen Schichten, fand ich glaubhaft dargestellt und auch gut recherchiert. Ich denke Joan Weng hat sich mit dieser Zeit ausreichend beschäftigt (immerhin promoviert sie über die Weimarer Republik), so dass man als Leser ein gutes Bild bekommt, wie es in Berlin damals gewesen sein könnte. Vielleicht anders - bunter und vielfältiger -, als manche Leser es vielleicht aufgrund anderer "Roman-Ausflüge" dorthin erwarten, aber das macht es ja so interessant. Ich lese immer wieder von Vergleichen mit Susanne Goga oder ähnlich schreibenden Autoren. Joan Weng hat keinen Roman geschrieben, der in das von ihnen bediente Genre passt. Wer so etwas erwartet, wird zwangsläufig enttäuscht sein. Sie hat aber einen klassischen Krimi geschrieben, der im Berlin der 20iger Jahre handelt, der sich in diesem Bereich nicht zu verstecken braucht. Er ist einfach wunderbar erzählt. Ich habe das Buch kaum aus der Hand legen können und wirklich genossen (vor allem sprachlich). Ich freue mich auf ihren zweiten Roman und hoffe, er wird bald angekündigt

Feine Leute
Feine Leuteby Joan WengAufbau TB