Atmosphärisch dicht
Van Heerden ist ein heruntergekommener Ex-Cop, dem ein Anwalt einen Auftrag zuschustert: Er soll ein Testament finden, dass bei einem Raubüberfall abhanden gekommen ist. Dafür hat er allerdings nur 7 Tage Zeit, sonst geht die Witwe leer aus … ‚Tod im Morgengrauen‘ ist ein Stand Alone, der sich lose in das Gefüge der Kapstädter Polizei aus Meyers anderen Romanen einfügt. So hat zum Beispiel Mat Joubert, den man ja gut aus der Bennie Griessel-Reihe oder aus seinem ‚eigenen‘ Roman ‚Der traurige Polizist‘ kennt, eine kleine Rolle. Allerdings ist dieser hier nun doch ein ganz anderes Kaliber und fällt für mich gar nicht so sehr in die Sparte Krimi, auch wenn sich am letzten Tag die Ereignisse in der Gegenwart überschlagen. Parallel wird in Rückblenden nämlich Van Heerdens eigener, nicht minder spannender, Lebensweg erzählt, wie er zur Polizei, dann zur Universität und wieder zurück kam; es ist der Weg eines idealistischen Mannes, der an etwas glaubt und zu den Guten gehören möchte, der seinen Weg gehen will in der schwierigen Umbruchzeit, in der Südafrika bisher nur auf dem Papier den Weg aus der Apartheid und in die Demokratie gefunden hat. Er wird diesen Weg nicht gehen können, sondern als gebrochener Mensch zurückbleiben … … zumindest bis die Geschehnisse in der Gegenwart einsetzen und für Van Heerden eine gegenteilige Spirale in Gang zu setzen beginnen. Zusammen mit der Anwältin Hope sticht er in ein Wespennest und muss sich im Laufe der sieben Tage mehr mit sich selbst auseinandersetzen, als ihm lieb ist. So haben denn auch beide Teile nur bei vordergründiger Betrachtung nichts miteinander zu tun, schaut man genauer hin, erkennt man natürlich, dass Van Heerdens Gebrochensein, das Gefühl, nichts mehr zu verlieren zu haben, ihn dazu antreibt, den Fall um das Testament zu lösen. Dieser Roman ist in meinen Augen Meyers literarischstes Werk, anders als erwartet, tiefgründiger, was sowohl das Innenleben seines Protagonisten angeht, als auch endlich einmal seiner Frauenfiguren. Die sind in den anderen Romanen, vor allem der Griessel-Reihe, ja absolut nicht Meyers Stärke, so ehrlich muss man schon sein. Hier sind Hope und auch Joan wirklich toll gezeichnet und können auch ohne männliche Hilfe ihre ‚frau‘ stehen. Schade eigentlich, dass das in seinen Romanen nicht öfter der Fall ist, er scheint es ja zu können. Ich weiß, Deon Meyer ist nicht jedermans Geschmack und ‚Tod im Morgengrauen‘ ist noch mal spezieller. Für mich war es aber wieder ein hochspannender Lesegenuss, den ich allen, die nicht unbedingt immer Mainstream lesen möchten, trotz seines Alters ans Herz legen kann.

