
Viel Sommer, wenig Substanz
Eine Gruppe junger Freunde verbringt einen Sommer am See. Was zunächst leicht wirkt, kippt durch ein Ereignis. Es geht um Schuld, Verantwortung und den Übergang ins Erwachsenenleben. Edgar Rai nimmt sich ein starkes Thema vor. Ein Sommer, der alles verändert, bietet viel Potenzial. Gerade in dieser Phase zwischen Jugend und Erwachsensein entstehen oft die besten Geschichten. Hier bleibt das jedoch weitgehend ungenutzt. Die Figuren sind zwar klar angelegt, gewinnen aber kaum an Tiefe. Es fällt schwer, eine echte Bindung aufzubauen. Man beobachtet mehr, als dass man mitgeht. Dadurch fehlt Spannung. Konflikte sind da, wirken aber oft oberflächlich und drehen sich zu häufig um Affären und Untreue. Der Plot kommt nur langsam voran. Viele Passagen ziehen sich, ohne dass sich wirklich etwas entwickelt. Das nimmt dem Buch Tempo. Auch die Figur Ada, die eigentlich eine starke Rolle spielen könnte, bleibt erstaunlich blass. Gerade hier hätte mehr Konsequenz gutgetan. Ein Punkt, der zusätzlich irritiert, ist die Erzählweise. Die Kapitel sind nach Figuren benannt, die Perspektive bleibt aber nicht klar bei ihnen. Das wirkt uneinheitlich und stört den Lesefluss. Es mag gewollt sein, fühlt sich aber nicht rund an. Unterm Strich ist »Sonnenwende« ein Roman mit guter Grundidee, der seine Möglichkeiten nicht ausschöpft. Zu wenig Tiefe, zu wenig Zug, zu wenig Figuren, die tragen.


