Potenzial nicht genutzt - eher langweilig Meinung Mit einem rasanten Start wird der Leser mitten in die Handlung katapultiert. Zafer, der Hauptakteur des Buches erhält einen anonymen Auftrag und am nächsten Tag betrachtet er sein Werk im Fernsehen im Zusammenhang mit einem Journalistenmord. Nur er und der Leser kennen die Wahrheit. Zafer erhält für seine Arbeit eine ordentliche Summe Geld und einen neuen Auftrag, für den er ebenfalls eine deutlich höhere Summe Geld bekommt. Es ist erstaunlich, dass er sich wegen der Aufträge wundert, aber keine weiteren Fragen an sein Handeln stellt. Was ist Zafers Motivation? Seine introvertierte Persönlichkeit erleichtert es beim Lesen nicht gerade, ein positives Bild von ihm zu gewinnen. Er scheint nicht mal annähernd in der Lage zu sein eine halbwegs vernünftige Konversation mit einem anderen Menschen zu führen. Für ihn zählen seine kleinen „Monster“, die er während seiner Arbeit erschafft. Diese „Monster“ platziert er dann in einer Fernsehsendung, die er retuschiert. Als die Handlung etwas brenzlig wird und ein nicht identifizierbarer Erzähler das Ruder übernimmt, bremst sich die Geschichte total aus: Woher kommt dieser Erzähler und wer ist das? Ich dachte die ganze Zeit, es handelt sich dabei um seinen Auftraggeber Laurin, das hielt ich dann doch eher für unwahrscheinlich. Das Problem ist nämlich, dass schon kurz darauf erneut eine neue Stimme auftaucht. Emily ist ein Mädchen, dem Zafer zufällig auf der Straße begegnet. Ihre Begegnung bleibt allerdings nicht ohne Folgen. Emily stellt fest, dass Zafer etwas mit Argos zu tun hat. Also ist er automatisch ihr Feind. Argos ist ein großes Sicherheitsunternehmen in der Stadt, das für die Überwachung des öffentlichen Raumes zuständig ist. In sämtlichen Straßenlaternen und Ecken befinden sich Überwachungskameras mit Gesichtserkennungssoftware. Emily selbst gehört zu Dark Noise, eine Untergrundorganisation, die sich zum Ziel gemacht hat, gegen Argos zu kämpfen. Durch Emily lernt man die Kehrseite kennen und findet ein wenig mehr zu dem Unternehmen heraus und zu den Hintergrundmännern bei Argos und Dark Noise. Genau das zieht sich dann über 300 Seiten hinweg. Der rasante Einstieg passt zu der Geschichte, es ist auch in Ordnung, dass erst mal vieles offen bleibt. Es ist nur schwierig, wenn Erzähler wechseln und es dann schwierig wird, der Handlung noch zu folgen. Mir ist irgendwie nicht ganz klar gewesen, welche der Figuren jetzt genau im Fokus steht und aus welchem Grund. Lediglich der Konflikt zwischen dem Unternehmen und der Untergrundorganisation zog sich wie ein roter Faden durch die Geschichte. In den letzten 100 Seiten der Geschichte „klärt“ sich die Handlung ein wenig, doch bleiben viele Fragen noch offen und damit ist die Auflösung der Geschichte auch nicht sonderlich zufriedenstellend. Fazit »Dark Noise« hat aufgrund seiner aktuellen Thematik wie der künstlichen Intelligenz, die permanente Überwachung des öffentlichen Raumes und dem Datenschutz ein großes Potenzial. Allerdings wird das nicht genutzt und das führt dazu, dass das Buch eher langweilig und lieblos daherkommt. Aus dieser Grundlage wäre deutlich mehr herauszuholen gewesen, und wenn ich an die Zielgruppe denke, hätte es deutlich informativer sein können. Ich danke dem Loewe Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.
29. JuniJun 29, 2025
Dark Noiseby Margit RuileLoewe


