Ich bin ohne Erwartungen rein und komplett gefesselt wieder rausgegangen
Darkly – Nicht du bestimmst das Spiel von Marisha Pessl habe ich von NetGalley als Hörbuch bekommen. Mein erster Gedanke zu diesem Buch war ziemlich schnell, dass sich das Ganze anfühlt wie Charlie und die Schokoladenfabrik, nur deutlich düsterer, gemischt mit einem perfiden Spielkonzept, bei dem man nie genau weiß, ob man gerade noch Zuschauer ist oder längst selbst Teil dieses Spiels geworden ist. Wir begleiten sieben Jugendliche, die alle auf ihre eigene Art gebrochen sind, schwierige oder zumindest ungewöhnliche Familienverhältnisse haben und ausgewählt werden für ein scheinbar exklusives Sommerpraktikum bei Darkly, hinter dem die legendäre Spieleentwicklerin Veda steht, deren Spiele Kultstatus erreicht haben und die gleichzeitig seit Jahren tot sein soll. Was zunächst nach einer einmaligen Chance klingt, kippt sehr schnell, denn statt eines normalen Praktikums finden sie sich auf einer abgelegenen Insel wieder und sollen das Verschwinden eines Jungen aufklären sowie ein verlorenes Spiel finden, während sie gleichzeitig immer tiefer in die Vergangenheit von Veda und die Wahrheit hinter Darkly eintauchen. Was dieses Buch für mich so stark gemacht hat, ist diese konstante Unsicherheit, die sich durch die komplette Geschichte zieht, weil sich nach und nach ein Geflecht aus Lügen, Manipulation und Geheimnissen aufbaut, das immer dichter wird, sodass man als Leserin irgendwann genau wie die Protagonistin beginnt, alles zu hinterfragen, selbst die Dinge, die eigentlich offensichtlich erscheinen sollten. Die Story hat mich komplett gepackt, weil ein Twist auf den nächsten folgt und ich nie das Gefühl hatte, wirklich zu wissen, wohin sich das Ganze entwickelt, sondern eher das Gefühl hatte, Stück für Stück tiefer in ein Spiel hineingezogen zu werden, dessen Regeln sich ständig verändern, während man selbst versucht, irgendwie noch den Überblick zu behalten. Und gleichzeitig lebt dieses Buch extrem von seiner Atmosphäre, denn obwohl objektiv betrachtet gar nicht dauerhaft etwas „Schlimmes“ passiert, entsteht genau dadurch ein unterschwelliger Druck, der sich immer weiter aufbaut, bis man selbst merkt, wie man anfängt, Dinge anders wahrzunehmen, sich beobachtet zu fühlen und gedanklich in diese Paranoia hineinrutscht, die auch die Hauptfigur immer stärker begleitet. Ich konnte dieses Hörbuch nicht einfach nebenbei hören, vor allem abends war es für mich schwierig, weil genau diese Stimmung dafür sorgt, dass man viel tiefer drin ist, als man es vielleicht erwartet, und ich dadurch langsamer vorangekommen bin, obwohl die Geschichte an sich so packend ist, dass ich sie am liebsten in einem Rutsch durchgehört hätte. Besonders gefallen hat mir diese Mischung aus Spiel, Psychologie und Realität, weil es hier nicht einfach nur um ein Rätsel geht, sondern um Kontrolle, Wahrnehmung und die Frage, wer eigentlich die Fäden in der Hand hält, sobald man einmal Teil dieses Systems geworden ist. Dieses Buch arbeitet nicht mit klassischen Schockmomenten oder lautem Horror, sondern mit einer leisen, konstanten Unruhe, die sich durch jede Szene zieht und genau deshalb so intensiv wirkt, weil sie nicht greifbar ist, sondern sich Stück für Stück in den Kopf setzt. Für mich war das ein unglaublich starkes Hörbuch, das mich nicht nur unterhalten, sondern wirklich abgeholt hat, weil es dich nicht einfach loslässt, sondern noch lange nachwirkt.





