Zu viel Ablenkung in die falsche Richtung
Johann Hari ist eine umstrittene Figur innerhalb der Medienwelt. Das wurde mir aber erst nach einer Recherche bewusst, die ich kurz nach dem Lesen dieses Buches gestartet habe, um zu erfahren, ob ich mit meiner Meinung zu „Abgelenkt“ alleine darstehe. Hätte von den Plagiatsvorwürfen vorher gewusst, so hätte ich das Buch eher nicht gelesen. Hätte, wenn und aber.. am Ende ist das Thema des Buches natürlich trotzdem extrem wichtig und obwohl mir die persönliche Anfangsgeschichte ein wenig komisch vorkommt, so schafft es Hari doch eine schöne Sammlung bekannter Themen vorzubringen. Sei es das Thema Schlafmangel (das große Buch des Schlafs sei hier wirklich jedem ans Herz gelegt), natürlich die sozialen Medien (die Geschichten von Google und co waren wirklich interessant), der grausame Optimismus (spannend), Ernährung (klar) oder auch die bekannte Achtsamkeit (dazu gibt es ja mehr Bücher als Baristas mit Rennrad). Wirklich alles ist dabei und Hari springt von Thema zu Thema, fängt mal hier Sachen an und erwähnt plötzlich was ganz anderes. Das Buch ist ohne jede Struktur aber das ist nicht einmal sein größtes Problem. Als er in der Mitte des Buches plötzlich von Gewerkschaften erzählt, dämmert einen schon, dass er sicherlich nicht die CDU wählen würde. Dass dann aber der allgemein Kapitalismus bzw die Wachstumsidee am Ende die Ursache allen Übels ist, war für mich zu viel. Die Verantwortung des Einzelnen wird nahezu komplett zurückgedrängt. Dass er es für sich selber (angeblich) schon geschafft hatte, mehr Aufmerksamkeit zu gewinnen bleibt vollkommen egal. Stattdessen wird zu einer Revolution aufgerufen, was vollkommen banal wirkt. Auch der Vergleich des Kampfes gegen die sozialen Medien mit den Kämpfen der Rechte für Frauen oder Homosexuelle gleichzusetzen… meines Wissens nach steht einem die Nutzung der sozialen Medien vollkommen frei, ist nicht auferlegt und ich kenne genug Leute, die sich entspannt davon lossagen ohne ins Gefängnis zu wandern. Ich bin kein Fan der sozialen Medien aber das ganze wirkt sehr absurd. Ich gebe deshalb noch zwei Sterne weil das Thema wichtig ist und es teilweise interessant war. Empfehlen würde ich es nicht.






