28. Dez.
Rating:5

unglaublich detailreicher Zeichenstil, düster, spannend und interessant

Mich hat die Grundidee von "Yomotsuhegui - Die Frucht aus dem Totenreich" von Masasumi Kakizaki ja eigentlich direkt abgeholt. Ich liebe Rachegeschichten, vor allem dann, wenn sie mehr sind als bloße Vergeltung. Und genau das ist dieser Manga: Er ist düster, intensiv, spannend und überraschend tiefgründig... Aber worum geht es denn überhaupt?! Der ehemalige Polizist Kanetsugu Nawa hat Frau und Kind durch einen brutalen Mord verloren. Jahre später kommt es durch die Kraft der geheimnisvollen Frucht Yomotsuhegui zu einer drastischen Veränderung in seinem Körper. Getrieben von Rachelust nimmt Kanetsugu den Kampf gegen die verfluchten Unsterblichen auf… Ich befand mich tatsächlich von der ersten Seite an mitten im Geschehen. Die Story ist sehr sauber aufgebaut, nichts fühlt sich gehetzt oder unnötig an und die Charaktere sind alles andere als flach. Im Mittelpunkt steht Kanetsugu Nawa, dessen Rachefeldzug sich schnell als viel mehr entpuppt als eine einfache Vendetta. Seine Reise zwingt ihn, und auch den Leser, immer wieder dazu, sich zu fragen, was Menschlichkeit eigentlich bedeutet und wo ihre Grenze liegt... Besonders gut umgesetzt fand ich, wie nachvollziehbar Nawas innerer Konflikt dargestellt wird. Seine Wut, seine Verzweiflung, aber auch seine Ungewissheit wirken unglaublich greifbar. Man versteht seine Motive, leidet mit ihm und beginnt gleichzeitig, an ihm zu zweifeln. Immer wieder schleicht sich die Frage ein: Ist Nawa nun der Held seiner eigenen Geschichte oder ist er längst selbst zu einem Monster geworden? Genau diese moralische Unschärfe ist es, die mich an dem Manga so fasziniert! Unterstützt wird Nawa übrigens von Ren, einem Shinigami, die ihm im Kampf gegen etliche unsterbliche Bedrohungen zur Seite steht. Gemeinsam bewegen sie sich in einer Spirale aus Leben und Tod, Gerechtigkeit und Vergeltung. Der Manga greift dabei große Themen auf, sei es nun das menschliche Verlangen nach Macht, die Angst vor dem Tod oder der Wunsch nach Unsterblichkeit. All das wird nicht einfach so nebenbei erklärt, sondern äußerst gut in die Handlung miteingebettet. Auch emotional hat mich "Yomotsuhegui - Die Frucht aus dem Totenreich" definitiv erwischt. Der klassische Konflikt zwischen Gut und Böse wird hier sehr schön ausgespielt, sie verschwimmen zu einer grauen Masse, in der jede Entscheidung ihren Preis fordert... Ein riesiger Pluspunkt sind aber natürlich auch die Zeichnungen. Der Zeichenstil ist unglaublich detailreich und transportiert die drückende, mysteriöse und oft beklemmende Atmosphäre mehr als perfekt! Die Monster und Wesen erinnern stellenweise zudem stark an die grotesken Kreaturen aus Lovecrafts Werken, was dem Ganzen nochmal einen speziellen Hauch von Horror verleiht. Die Illustrationen sind also nicht einfach ein künstlerisches Beiwerk, sondern ein essentieller Teil der Erzählung. Jede Seite fühlt sich extrem durchdacht an und verstärkt die düstere Stimmung Stück für Stück. Man sollte allerdings wissen, worauf man sich als Leser einlässt. Die Trilogie geht nämlich stellenweise ziemlich an die Grenzen, inhaltlich wie visuell. Eine gewisse Toleranz gegenüber harten, verstörenden Momenten sollte man also definitiv mitbringen. Unterm Strich ist "Yomotsuhegui - Die Frucht aus dem Totenreich" demnach eine düstere, fesselnde und durchaus interessante Lektüre. Der Manga überzeugt nicht nur durch seine gelungene Mischung aus Horror und Action, sondern vor allem auch durch die philosophischen Fragen, die immer wieder mitschwingen. Die Unsterblichen, die durch die Yomotsuhegui-Frucht ihre Menschlichkeit verloren haben, wirken beispielsweise lediglich wie ein Spiegel unserer tiefsten Ängste und Sehnsüchte... Am Ende bleibt es somit nicht einfach nur bei einer Geschichte über Rache oder Monster. Die Erzählung stellt eine stille, unbequeme Frage an uns selbst: Wie weit würden wir gehen, wenn uns alles genommen wird? Und an welchem Punkt verlieren wir auf diesem Weg das, was uns menschlich macht? Der Manga zeigt eindringlich, dass Unsterblichkeit kein Geschenk ist, sondern ein Preis und dass vielleicht die wahre Tragik nicht unbedingt in den Monstern liegt, die Nawa bekämpft, sondern darin, wie leicht der Mensch selbst zu einem werden kann, wenn Schmerz, Macht und Angst die Führung übernehmen. Ich wurde jedenfalls bestens unterhalten und konnte nicht aufhören, bis ich alle drei Bände in einem Rutsch durchgelesen hatte.

Yomotsuhegui: Die Frucht aus dem Totenreich 03
Yomotsuhegui: Die Frucht aus dem Totenreich 03by Masasumi KakizakiPanini Verlags GmbH
1. Okt.
Rating:4

Der dritte Band liefert einen spannenden Abschluss der Reihe, voller überraschender Wendungen – man kann kaum eine Pause einlegen, ohne die Story aus den Augen zu verlieren. 👀 Das Ende wirkt an einigen Stellen etwas gehetzt, aber insgesamt passt es sehr gut und rundet die Story stimmig ab. Man merkt, dass Masasumi Kakizaki die Handlung stark komprimiert hat, trotzdem wird alles Wesentliche vermittelt. Die düsteren, bildgewaltigen Zeichnungen bleiben ein absolutes Highlight der Reihe. Die unheilvolle Atmosphäre, groteske Szenen und vielen Details sorgen dafür, dass man als Leser richtig in die Story eintauchen kann. Jede Seite hat ihre eigene Spannung, die einen nicht loslässt. Für alle, die Band 1&2 schon mochten: der Abschluss enttäuscht definitiv nicht. Brutal, clever, atmosphärisch – alles da, was »Yomotsuhegui« so besonders macht. Ich fand’s richtig gut und kann die Kurzreihe nur empfehlen. 😌

Yomotsuhegui: Die Frucht aus dem Totenreich 03
Yomotsuhegui: Die Frucht aus dem Totenreich 03by Masasumi KakizakiPanini Verlags GmbH