21. Sept.
Rating:3.5

"Hier bedeutet jeder Grabstein ein Menschenopfer für die Stadt. [...] Sich zu opfern ist, wie die übelste Falle der Welt aufzustellen. Sie gibt die, die einem nahestehen, nicht mehr frei. Insofern ist sich opfern egoistisch."

Diese Graphic Novel erzählt die Geschichte einer Stadt. Shudder-to-Think ist eine Bergarbeiter-Stadt, dessen Kohlevorkommen tief unter der Erde seit vielen Jahren brennt. Das bedeutet, dass die Lebensumstände nicht die besten sind. Wirtschaftlich geht es der Stadt und seinen Bewohner schlecht. Es gibt Umweltprobleme, mysteriöse Wesen, die in den Wäldern leben und merkwürdige Vorkommnisse. Octavia und Eldora leben hier und wollen den Geheimnisse rund um die Stadt auf den Grund gehen, nachdem sie selbst zum Opfer werden, denn nach einem Kinobesuch können sie sich an nichts erinnern. Die Geschichte ist eine Metapher für das Vergessen oder das Ignorieren von Missbrauch und Machtstrukturen, die andere systematisch ausnutzen. Die beiden Protas beschließen nicht mehr wegzusehen und wollen das kranke System aufdecken und Opfern ihre Erinnerungen wiedergeben. Die Grundstory hat mir sehr gut gefallen. Sie behandelt Themen wie Missbrauch, Gesellschaftskritik, Industriezerfall, Umweltverschmutzung, Mysogenie, Traumaverarbeitung oder Homosexualität, um nur ein paar zu nennen. Und das ist auch schon einer meiner Kritikpunkte, die Geschichte hat zu viele Inhalte. Vieles wird angesprochen, nicht alles wird auserzählt. Leider hat mir der Zeichenstil nicht so gut gefallen. Manchmal fand ich die Illustrationen verwirrend. Genauso der Erzählstil. Die Geschichte wird abwechselnd aus der Sicht der Protas erzählt. Dabei wird die Story nicht straight wiedergegeben. Es gibt Zeit- und Gedankensprünge, denen ich nicht immer folgen konnte. Der Geschichte liegt die wahre Begebenheiten der brennenden Kohlemiene von Centralia im Bundesstaat Pennsylvania zu Grunde. Das fand ich total spannend. Und Horror-Film-Fans werden dieses Ereignis aus der Videospielverfilmung "Silent Hill" kennen. Die Mine brennt seit den 60er Jahren und wird vermutlich noch, allen Löschversuchen zum Trotz, viele Jahre weiterbrennen. Bei meiner Recherche habe ich erfahren, dass das nur ein Feuer von vielen ist, die seit vielen Jahren an verschiedenen Orten der Welt unter Tage brennen. Die Graphic Novel kann man zwischendurch gut weglesen und vermittelt eine wichtige Botschaft.

Joe Hill: Im tiefen, tiefen Wald
Joe Hill: Im tiefen, tiefen Waldby Joe HillPanini Verlags GmbH