Familiengeschichte der Schokolatiers mit Wirtschaftskriminalanteilen Serafine, Juristin und Chemikerin, nimmt eine neue Stelle bei Cacaobest an. Sie wird interne Ermittlerin und soll beispw. Bestechungen in den Wirtschaftsabläufen bei der Kakaobeschaffung klären. Sie hat aber auch ein Eigeninteresse. Vor vielen Jahren ist ihr Vater, Produktionsleiter bei der Schokoladenherstellung, in dieser Firma gestorben. Sie ist davon überzeugt, dass es weder Unfall noch Selbstmord, sondern gezielt war. Er erfand gerade eine besondere Schokolade, die nach seinem Tod jedoch keiner mehr herstellen konnte. Hier gibt es viele Verwebungen zwischen Cacaobest und dem Hersteller Grison und deren Familienmitglieder. Zudem muss Serafine sich auch noch um die andere Aufgabe kümmern. Viele Handlungsstränge werden eröffnet und erzählt. Insgesamt folgt man diesen als Leser mit Spannung, wobei es hier auch durch die vielen handelnden Personen bei der Recherche von Serafine und auch in der Vergangenheit einen klaren Kopf beim Lesen fordert. Das ist keine Geschichte für zwischendurch, möchte man als Leser jede Feinheit, die der Roman bietet, mitnehmen. Zudem gibt die Autorin auch eine umfangreichen Einblick in die Schokoladenherstellung, was interessant ist, die Geschichte als solche jedoch bedingt weiterträgt. Die Familiengeschichte ist insgesamt fesselnd erzählt, aber gerade im letzten Drittel, bei der Auflösung der vielen Handlungsstränge und verwobenen Personen hätte mir ein Personenregister gut gefallen, um die Personen besser einordnen zu können. Getragen durch die flüssige Erzählweise und die sympatische Hauptprotagonistin habe ich dem Roman viele neue Informationen entnehmen können. Ich empfehle ihn daher gerne weiter.

Mich haben Cover und Titel sofort angesprochen. Bei Schokolade sag ich einfach nicht Nein. 🤭 Selbst wenn es sich um einen Krimi handelt. Ein Genre, in dem ich zugegebenermaßen nicht allzu häufig unterwegs bin. Gleich der Einstieg, den man aus Sicht der Polizei liest, die zu einem Unfall mit der Schau-Conche im Museum des Schokoladenherstellers CacaoBest gerufen wird, weckt die Spannung. Die anschließende Geschichte erlebt man dann aus der personalen Erzählerperspektive der Protagonistin Serafine. Eine Frau, die sich nicht verbiegen lässt, hartnäckig bleibt und auch aneckt. Eigentlich ist es ihr Anliegen, den Tød ihres Vaters in genau diesem Betrieb vor vielen Jahren aufklären, gleichzeitig ist es ihr neuer Job, intern gegen Korruption und Missstände vorzugehen. Dabei begegnet ihr ganz, ganz viel Schokolade, die mit allen Sinnen erlebt und so traumhaft beschrieben ist, dass einem das Wasser im Mund zusammenläuft. Aber man sollte den Bauch nicht überhand nehmen lassen, denn es ist bei dieser Geschichte wichtig, stets mit dem Kopf dabei zu bleiben. Statt geradlinig den ihr privat wichtigen "Fall" in Angriff zu nehmen, hält Serafine nämlich plötzlich viele verschiedene Fäden in der Hand, die es zu entwirren gilt, bevor sich das Muster und die Zusammenhänge erschließen. Dabei werden diverse Themengebiete zwischen Markenrecht, Product Placement und Fair Trade behandelt, während der Krimianteil eher in den Hintergrund gerät. Den schlussendlichen Ausgang fand ich dann irgendwie leider weniger überraschend, bin der stetigen Aufdeckung aber auch aufgrund des gut zu lesenden Stils sehr gern gefolgt. Absolut lesenswert ist in diesem Fall auch das Nachwort, das der Geschichte noch mal einen interessanten Aspekt hinzugefügt.

Ein außergewöhnlicher Krimi
Der Krimi "Die dunkle Seite der Schokolade" hat mich von der ersten Seite an gefesselt und zwar auf eine ganz besondere Art. Schon das Setting rund um die Welt der Schokolade ist außergewöhnlich und verleiht der Geschichte eine ganz eigene, fast schon verführerische Atmosphäre. Doch hinter der süßen Fassade verbirgt sich schnell etwas viel Dunkleres… Dina Casparis schafft es, Spannung und Genuss auf eine ungewöhnliche Weise zu verbinden. Die Handlung ist durchzogen von Geheimnissen, Intrigen und überraschenden Wendungen, die mich immer wieder innehalten und miträtseln ließen. Besonders gut gefallen hat mir, wie geschickt die Autorin mit Stimmungen spielt, mal warm und sinnlich, dann wieder kühl und beklemmend. Die Charaktere wirken authentisch und vielschichtig. Man spürt, dass jeder seine eigenen Motive und Abgründe mitbringt, was die Geschichte noch intensiver macht. Gerade diese Mischung aus psychologischer Tiefe und klassischer Krimi-Spannung macht das Buch so besonders. Auch sprachlich hat mich das Buch überzeugt: atmosphärisch, bildhaft und genau richtig dosiert, sodass man sich mitten ins Geschehen hineinversetzt fühlt. Ein außergewöhnlicher Kriminalroman, der zeigt, dass hinter den schönsten Dingen oft die dunkelsten Geheimnisse lauern. Spannend, atmosphärisch und definitiv anders als typische Krimis, absolute Leseempfehlung!


