8. Jan.
Rating:5

  Ich habe ein Buch beendet, das wieder etwas schwerere Kost war und das ich zwischenzeitlich auch mehrere Monate pausiert hatte. Nun jedoch fühlte ich mich wieder „bereit“, weiterzulesen.   Triggerwarnung: Nationalsozialismus und Gewalt   Den Autor Paul Kohl kannte ich bis dato noch nicht und habe erst hinterher etwas zu ihm recherchiert. Er hat noch weitere Bücher geschrieben, das Thema Dritte Reich wurde in diesen teilweise ebenfalls behandelt. Manch ein Buch klang sehr interessant und ich werde definitiv noch einen weiteren Roman von Paul Kohl lesen.   Die Personen in dem Roman gab es teilweise wirklich. Insgesamt besteht der Roman aus verschiedenen Erzählsträngen, die später im weiteren Handlungsverlauf zusammengeführt werden: Die Geschichte beginnt selbst mit einem „erzählerischen Knall“ und setzt gleich einmal ein Zeichen, in welche Richtung es geht. Quasi erfährt man das Ende auf den ersten Seiten, weiß als Leser aber natürlich nicht, warum die Charaktere so enden (es sei denn, man kennt die historischen Personen).   Es gibt den Berliner Antisemiten Wilheilm Kube, der nach Minsk versetzt wird, um dort das Ghetto zu beaufsichtigen. Die junge Weißrussin Jelena wird unfreiwillig zur Partisanin und soll Kube dort ausspionieren. Und es gibt die beiden Figuren Anita, Kubes Frau und den fiktiven Berliner Juden Gustav Heimann. Ich brauche wahrscheinlich nicht erzählen, wie grausam, verstörend und tieftraurig die Geschichte verläuft und welch absurde Situationen sich ergeben, wenn Kube und Konsorten sich ihr Weltbild zusammenzimmern, in dem für viele Menschen kein Platz ist und Menschen in Kategorien einsortiert werden. Und was Machtgeilheit, Dominanzgehabe und große Komplexe für Folgen haben können. Genauso schlimm sind jedoch auch die Menschen, die wegschauen oder sich Dinge schlichtweg schönreden, weil nicht sein kann, was nicht sein darf. Kubes Frau Anita ist dafür ein klassisches Beispiel: Fast bis zum bitteren Ende verschließt sie die Augen und möchte nicht wahrhaben, was für ein Verbrecher ihr Angetrauter ist.   Der Roman beschönigt nichts und nicht nur einmal musste ich schlucken. Ich musste kurz pausieren, wenn insbesondere Menschen wie der Berliner Jude Gustav  Heimann nicht glauben konnten, was man ihnen antun möchte – und immer noch irgendwie an das Gute glauben wollten und Hoffnung hatten. Und man als Leser rufen möchte: „Lauf, lauf so lange du noch kannst, Menschen können Ungeheuer sein.“  

Der Jude, der Nazi und seine Mörderin
Der Jude, der Nazi und seine Mörderinby Paul KohlEmons Verlag