Verrat, Lügen und Betrug — und alles was bleibt sind Fragen
Ich habe Spiel des Lügners von Jessica S. Olson als Tandem aus Hörbuch und Buch gelesen und ursprünglich tatsächlich wegen der wunderschönen Gestaltung gekauft. Dieses Hardcover ist innen einfach unfassbar hübsch veredelt und ich musste es allein deshalb schon haben. Gleichzeitig klang aber auch der Klappentext unglaublich spannend und genau das war das Buch am Ende für mich auch: spannend, atmosphärisch und sehr unterhaltsam, auch wenn ich mit manchen Dingen meine Probleme hatte. Im Mittelpunkt steht Lola, die Jahre zuvor entführt wurde, nachdem beim Turnier des Lügners bekannt geworden war, dass sie die Tochter eines Gangsterbosses ist. Schließlich wurde sie von Enzo, dem Dieb und Bruder des Lügners, befreit, der ihren Tod vortäuschte. Seitdem arbeitet Lola mit ihm zusammen als Diebin. Gemeinsam wollen sie die sogenannte Mondscherbe finden, mit der der Lügner angeblich seinen Bruder verflucht hat. Dafür nimmt Lola selbst am Turnier des Lügners teil und gerät mitten hinein in ein Spiel aus Magie, Intrigen, Verrat und Manipulation. Und genau das beschreibt dieses Buch eigentlich perfekt: Verrat, Lügen und Betrug. Und niemand sagt jemals wirklich die Wahrheit. Vor allen Dingen zwischen Lola, Enzo und Nic hatte ich irgendwann das Gefühl, dass wirklich jede einzelne Beziehung auf Geheimnissen, Halbwahrheiten und Manipulation aufgebaut ist. Jeder verrät jeden. Jeder verschweigt etwas. Jeder spielt sein eigenes Spiel. Und gerade gegen Ende ging mir dieses ständige Hin und Her teilweise ein bisschen auf die Nerven, weil es sich irgendwann fast im Kreis gedreht hat. Lola betrügt emotional irgendwie beide Seiten, gleichzeitig manipulieren und hintergehen Enzo und Nic sie aber genauso permanent. Dadurch hatte ich irgendwann das Gefühl, dass die eigentliche Entwicklung der Charaktere ein bisschen auf der Stelle tritt, obwohl das Buch fast fünfhundert Seiten hat. Was für mich zusätzlich leider nicht funktioniert hat, war die romantische Dynamik zwischen Lola und Nic. Ich habe diese angeblichen Funken zwischen den beiden einfach überhaupt nicht gefühlt. Für mich wirkte das teilweise zu gewollt, zu inszeniert und eher wie etwas, von dem mir erzählt wurde, dass es da ist, statt dass ich es wirklich selbst gespürt hätte. Die Romance war für mich deshalb tatsächlich eher der schwächste Part des Buches. Und trotzdem würde ich das Buch keiner Vierzehnjährigen in meinem Umfeld geben, obwohl es offiziell ab 14 ist. Gar nicht unbedingt wegen expliziter Szenen, sondern weil die Gedanken von Lola und Nic sich gegenseitig gegenüber für meinen Geschmack teilweise schon ziemlich viel waren. Ich weiß einfach jetzt schon, dass meine Nichte das wahrscheinlich maximal cringe finden und allein deshalb keine Lust mehr auf das Buch haben würde. Trotzdem mochte ich die Geschichte wirklich gerne. Vor allen Dingen die Atmosphäre war unglaublich stark. Dieses magische Casino mit seinen Spielen, Illusionen, Regeln und Geheimnissen war wirklich spannend aufgebaut und hat dafür gesorgt, dass ich das Buch sehr angenehm weglesen konnte. Ich mochte die Grundidee rund um Wahrheit, Lügen und Wetteinsätze unglaublich gerne. Und was ich am Ende tatsächlich am stärksten fand, war Lolas Entwicklung ganz zum Schluss des Buches. Wirklich klar wird diese Charakterentwicklung nämlich erst in den letzten Kapiteln, nachdem sie komplett am Boden ist, versucht hat, sich mit Nic zu versöhnen und von ihm zurückgewiesen wird. Und erst als sie danach zu Enzo zurückkehrt, beginnt sie wirklich zu verstehen, dass sie sich selbst an erste Stelle setzen und endlich auf ihre eigene Intuition hören muss, statt sich permanent von anderen beeinflussen und lenken zu lassen. Genau dieser Moment hat mir an ihrer Entwicklung letztendlich am besten gefallen. Nichtsdestotrotz fand ich das Buch wirklich unterhaltsam und atmosphärisch stark. Und obwohl ich mir an manchen Stellen mehr Entwicklung und weniger Wiederholungen gewünscht hätte, bin ich definitiv neugierig auf Band zwei — vor allen Dingen nach Lolas Entscheidung im letzten Kapitel.





































































