Die freiheitsliebende 92 Jahre alte Stella erzählt dem Autor an 100 Samstagen aus ihrem Leben. Wie es war, auf Rhodos zu leben, als im Sommer 1944 auf Rhodos 1.700 Juden deponiert und nach Auschwitz transportiert worden und wie es für sie weiterging. Stella hat das Gefühl, am Ende ihres Lebens reden zu müssen. Und so beginnen die einhundert Samstagsgespräche innerhalb der nächsten sechs Jahre. Sie erzählt als Zeitzeuge und Betroffene von jüdisch-italienichen Vergangenheit, ihrer Kindheit auf Rhodos. In ihrem Erzähltempo entfaltet sich nun das quirlige Leben in der "Juderia" von Rhodos. Es entstehen Bilder von glücklichen Kinder- und Jugendjahren voll Sonne, Gerüchen, Gerichten, Freundschaften und Ereignissen. Man kann sich diese glücklichen Jahre sehr gut vorstellen, die allerdings - je älter sie wird - auch einengend empfunden wird. Aber auch von Trennungen, Demütigungen, Eingrenzungen und sich anbahnenden schwierigeren Zeiten erzählt Stella. Michael Frank fasst die Gespräche zusammen, lässt Stella erklären und fügt selbst Erläuterungen bei, die helfen, geschichtliche, religiöse und geographische Gegebenheiten richtig einzuordnen. Das macht das Lebensbild von Stella noch intensiver und überschaubarer, bringt sie mir näher. Auch werden nicht nur Ereignisse erzählt, sondern Stella wird auch nach ihren Empfindungen und Gefühlen gefragt. Das macht das Buch besonders. Es gab auch ein paar Längen und Wiederholungen und auch manche Erklärung der Geschichte hätte gestrafft sein können. Dadurch zog sich das Buch etwas. Trotzdem ein lohnenswertes, interessantes Lebensbild mit einem neuen Blick auf die Judenverfolgung während des zweiten Weltkriegs in einer Region über die ich in diesem Zusammenhabg noch nie nachgedacht hatte.
18. Jan.Jan 18, 2026
Einhundert Samstageby Michael FrankRowohlt Berlin


