29. März
Rating:4

Spionage und Raketenwettlauf im 2. Weltkrieg, damals genauso krank wie wir es heute auch wieder sehen

Kopetzkys Roman ist grandios recherchiert, man fragt sich nur, wie konnte er all die Themen auf knapp 400 Seiten unterbringen?! Wir haben Simon und Hedi, zwei Physiker zwischen den Fronten. Eine unterschwellige Liebesgeschichte, die sich als roter Faden durch den Roman zieht. Dann die Suche nach der Wunderwaffe der Deutschen, der V2, und der daraus resultierende Wettlauf der Amerikaner und Russen nach den Raketenplänen und Bauteilen. Die Angst vor der atomaren Bedrohung. Wie nah war Nazi-Deutschland wirklich an der Bombe? Hier betritt Kopetzky spekulativen Raum, der diesen Roman erst ausmacht! Die Figur des Hans Kammler, dessen Tod nie bestätigt wurde und sich bis heute die Gelehrten darüber streiten lässt, ob er von den USA als Kriegsgefangener festgenommen und für ihr Raketenprogramm angeworben wurde. Mir war nie bewusst, wieviel Nazi-Technik in den amerikanischen und russischen Weltraumraketen steckt und das hochrangige NS-Wissenschaftler nach dem Krieg einfach in den Siegerstaaten weiterarbeiten durften. Wahnsinn! Ich habe ganz viel gelernt in "Atom", wurde gut unterhalten, habe nur durch die Kürze des Buches nie so richtig Bindung zu den Hauptfiguren bekommen. Aber sei es drum. Wer eine Affinität zu Spionageromanen hat, absolute Leseempfehlung, denn glaubt mir, da kommt sogar fast James Bond vor (ja, fast!).

Atom
Atomby Steffen KopetzkyRowohlt Berlin
4. Mai
Rating:5

Dieser Roman - den ich als Hörbuch, von Julian Horeyseck wunderbar eingelesen, gehört habe, hat mich sehr positiv überrascht. Eine Mischung aus Crichton, Preston und Fleming; also Wissenschaftskrimi und Spionage super miteinander vermengt - ein bisschen auch von Follet (Die Nadel). Ich fand es großartig! Nachdem er in den 1920er Jahren bereits einen russischen Raketenwissenschftler ausspioniert und nach einer Flucht aus Berlin die Liebe seines Lebens zurück lassen musste, wird der Physiker Simon Batley zur Mitte des zweiten Weltkriegs erneut durch den Geheimdienst ihrer Majestät rekrutiert. Sein damaliger Verbindungsoffizier „Skully“ (Agent 003), soll eine Abteilung von Agenten aufbauen, die sich mit den „Wunderwaffen“ der Nazis beschäftigen soll. Denn die Deutschen sind technologisch ganz weit vorn und verfügen bereits Langstreckenraketen, die sie auch einsetzen. Und nun verdichten sich die Hinweise, dass sie kurz vor der Entwicklung einer Atombombe stehen. Im Gegensatz zu Batley und Hedwig von Treyden (die besagte Liebe und ihres Zeichens Mathematikerin), die fiktive Personen sind, trifft man auf reale Personen, die vom Autoren gekonnt in die Story aufgenommen wurden. Zuallererst Hans Kammler, Bauingenieur und Architekt mit Einfluss auf die SS. Er übernahm ab 1941 die Verantwortung für den Bau deutscher Konzentrations- und Vernichtungslager. Zudem wurde er 1943 mit der Leitung der unterirdischen Fabriken für Flugzeuge und Raketen betraut, darunter auch das Konzentrationslager Mittelbau-Dora bei Nordhausen, wo Zwangsarbeiter unter schrecklichen Bedingungen die sogenannten Wunderwaffen montierten. Diesen Kammler versucht Batley zu fassen, wobei ihm der Geheimdienst der mittlerweile in den Krieg eingetretenen USA in die Quere kommt. Denn die Machthaber der USA wollen die Atombombe selber bauen - und sie verfügen über weit aus mehr Macht und auch Skrupellosigkeit als das durch den Krieg hoch verschuldete Königreich. Doch Batley gibt nicht so leicht auf und begegnet bei seiner Jagd auf Kammler beispielsweise Winston Churchill, Ian Fleming (Erfinder von James Bond), Jonas Ustinov (Vater des Schauspielers Peter Ustinov) und auch Sigismund von Braun (Bruder des Raketenforschers Wernher von Braun); auch begegnen einem zahlreiche weitere bekannte Namen aus dem Feld der berühmten Physiker, Chemiker und Mathematiker - sozusagen ein Feuerwerk für den wissenschaftlich interessierten Leser. Zudem werden wissenschaftliche Zusammenhänge detailliert und spannend geschildert. Insgesamt einfach ein spannender Roman, der in historischer Abfolge aufzeigt, wie die Anfänge des Nachrichtendienstes in Theorie und Praxis funktioniert haben. Von mir alle Daumen hoch und eine ganz klare Empfehlung für jeden Liebhaber einer spannenden Geschichte.

Atom
Atomby Steffen KopetzkyRowohlt Berlin