Ich dachte, ich weiß viel über die Weimarer Republik. Aber dieses Buch hat mir gezeigt, wie wenig ich wusste.
Ein wahnsinnig spannendes Buch über die politische Entwicklung in Deutschland zwischen 1929 und 1934. Es gab so viele Infos, von denen ich keine Ahnung hatte.
Streckenweise bin ich aber nicht sofort mitgekommen bei der Vielzahl an Infos und beteiligten Personen.
Ein sehr umfassendes und detailliertes Buch und sicherlich als Standardwerk anzusehen, wenn es um das Ende der Weimarer Republik geht. Absolut zu empfehlen für jede:n, der/die sich für die Thematik interessiert, da Bisky für dieses Buch enorm viele Quellen und Material herangezogen haben muss. Jedoch war es mir manchmal auch einfach ein bisschen zu viel des Guten, ein paar Exkurse zu lang. 100 Seiten weniger hätten es vermutlich auch getan. An sich aber ein eindrucksvolles Buch.
Ein sehr umfangreicher Überblick über das Scheitern Weimars und die Verantwortung der Konservativen dafür.
Jens Bisky ist promovierter Kulturwissenschaftler, Redaktionsmitglied von Mittelweg 36 und Co-Host des sehr zu empfehlenden dazugehörigen Podcasts - und er hat mit "Die Entscheidung" (Reziexemplar) ein umfangreiches, akribisch recherchiertes und dabei sehr gut lesbares Sachbuch zum Untergang der Weimarer Republik geschrieben. Seine Hauptthese steckt dabei im Titel: Der Untergang Weimars war kein in der Verfassung angelegter Fehler, lässt sich auch nicht allein auf eine nicht vom Republikanismus überzeugte Zivilgesellschaft zurückführen, sondern war vor allem das Ergebnis konservativer und reaktionärer machtpolitischer Fehlkalkulationen und der bewussten Entscheidung, diese erste Demokratie preiszugeben.
Um diese These zu unterfüttern, betrachtet Bisky die fünf Jahre von 1929-1934, in denen parlamentarische Prozesse missachtet wurden, in denen sich der Schauplatz des Politischen auf die Straßen und in geschlossene Hinterzimmer verlegte, in denen eine radikale Rechte die Straßen unsicher machte & politische Gegner terr0risierte, während Gerichte sie maximal mild bestraften. In denen die KPD sich zwar teilweise nah an einer Revolution sah, faktisch aber nie nah dran war und in denen die reaktionären Feinde der Republik geistig weit näher an ehemaligen Frontsoldaten und konservativen Revolutionären dran waren als an liberalen und linken Kräften. Während die staatlichen Institutionen systematisch die Gefahr der Nationalsozialisten ignorierten, weil sie machtpolitisch von ihnen profitierten.
Bisky zeichnet ein differenziertes Bild dieser Umbruchzeit und der globalen Entwicklungen, verwehrt sich einfacher Erklärungen für den Erfolg des NS à la "die Finanzkrise war Schuld" und fängt auch die alltägliche Stimmung der Gesellschaft ein.
Er blickt dabei sowohl auf die politischen Auseinandersetzungen und Stillstände im Parlament als auch auf Mentalitätsveränderungen und gesamtgesellschaftliche öffentliche Einstellungsveränderungen. Immer wieder Haushaltsstreits ohne Einigung, Notverordnungen am Parlament und den Gesetzen vorbei, Ignoranz für das Elend eines großen Teils der Bevölkerung und die Strategie und Berechnung, mit der die völkische Bewegung genau hier vordrang, bestehende Ressentiments bediente und Zugehörigkeit zu einer überindividuellen Sache versprach. Detailliert befasst er sich mit den Entscheidungen und Motiven von P0l1tikern wie dem Reichskanzler Brüning und seinem Kabinett, mit der Radikalisierung der Deutschen Volkspartei, mit der abwartenden Haltung der SPD, die im Gegensatz zu den Nationalsozalisten keine überzeugenden Narrative formulierte, aber aus verständlichen Gründen auch Sorgen vor einem Scheitern hatte, würde sie sich selbst auch radikalisieren.
Letztlich zeigt Bisky damit vor allem, wie gefährlich konservatives machtpolitisches Kalkül ist, wenn es demokratische Errungenschaften preisgibt. So ist dieses Buch sicher nicht als "Geschichte wiederholt sich" zu lesen, aber – was Bisky dann zumindest am Ende auch selbst nahelegt – als ein eindringliches Plädoyer an heutige Konservative, sich nicht zu überschätzen, die völkische Bewegung und ihre ideologische Attraktivität für weite Teile der Bevölkerung nicht zu unterschätzen, sich ihnen entgegenzustellen sowie rechtsstaatliche und liberaldemokratische Spielregeln zu achten. Und als Wink an linke und linksliberale Akteure, nicht zu abwartend und passiv zu sein.
Egal, ob ihr euch schon intensiver mit Weimar befasst habt oder eher auf dem Stand eurer Schulbildung seid, vielleicht noch mit der Annahme, die Weimarer Republik sei institutionell zum Scheitern verurteilt gewesen: Wenn ihr euch von >500 Seiten und einiger Akribie nicht abschrecken lasst, dann solltet ihr dieses Buch lesen. Denn bei aller Komplexität verbindet Bisky fundierte Bewertung mit einem angenehm narrativen Schreibstil, wodurch das Buch alles andere als trocken ist.
Ein episches Werk, an dem ich eine gute Woche zu knabbern hatte.
Wichtiger Geschichtsstoff, allerdings mit einigen sehr trockenen Passagen dazwischen, die das Lesen nicht einfach machten. Minutiös wird das Scheitern der Weimarer Republik und die Machtergreifung Hitlers geschildert.
Etwas mehr Illies hätte dem Buch vielleicht gut getan. :-)
Die Erklärung der politischen Geschehnisse ist äußerst ausführlich, das hat meine Augen leider manchmal gelähmt.
Auf jeden Fall ein wichtiges Buch - gerade heute- und eine Empfehlung für alle Geschichtsinteressierten, die es ganz genau wissen wollen.
Es ist politisch leichtfertig, nicht mit dem Schlimmsten zu rechnen! Geschichte wiederholt sich nicht, aber sie reimt sich!
Im ersten Moment war ich enttäuscht, dass hier nicht die gesamte Periode der Weimarer Republik ab 1918 behandelt wird.
Doch sehr schnell zeigt sich, weshalb das Buch sich „lediglich“ auf die Jahre 1929-1934 fokussiert. Denn hier wird der gesamtgesellschaftliche und politische Untergang der ersten deutschen parlamentarischen Demokratie und der Aufstieg des Faschismus in Form der Nationalsozialisten in einer beinahe erschlagenden Detailgetreue dargelegt. Durchaus anspruchsvoll aber auch für diejenigen, die keinen Doktorentitel in neuerer deutscher Geschichte haben, gut verdaulich.
Mein einziger wirklicher Kritikpunkt richtet sich in erster Linie an das Format des Hörbuchs (übrigens sehr angenehm vorgetragen):
Die Fülle an Informationen ist schlichtweg so groß, dass ich gern die Möglichkeit gehabt hätte, handschriftliche Notizen zu machen und regelmäßig im Buch hin und her blättern zu können, um Zusammenhänge besser abgleichen und Details erneut lesen zu können. Die Unterteilung des Audiobuchs in 411 nicht genauer benannte „Kapitel“ bietet dabei leider keinerlei Orientierungshilfe.
Zurück zum Text…
In historischer Abfolge werden auch noch so kleinteilige Ereignisse in Politik, Gesellschaft und Kultur der Weimarer Republik abgearbeitet und es fallen weit mehr Namen historisch wichtiger Akteure, als dass ich auch nur einen Bruchteil davon jemals im Kopf behalten könnte… So schafft es der Autor jedoch, einen nachhaltigen und plausiblen Eindruck nicht nur der politischen Verhältnisse sondern auch der Stimmung in der Gesellschaft dieser Zeit zu vermitteln.
Am Ende wird dieser komplette Abriss der Geschichte in einem vergleichsweise kurzen aber zutreffenden Fazit in Zusammenhang gesetzt und auf den Punkt gebracht. Während dabei auch immer wieder neuere oder sogar neueste Erkenntnisse geschichtswissenschaftlicher Forschung eingebracht werden, die dabei helfen, überholte Aspekte zu präzisieren, bleibt am Ende die großteils (z.B. aus der Schule) bekannte moralische Lehre bestehen (Achtung Spoiler):
Hitler war nicht unvermeidlich. Die Zeitgenossen registrierten die Anzeichen, nahmen sie aber zu wenig ernst. Heute wissen wir: „Es ist politisch leichtfertig, nicht mit dem Schlimmsten zu rechnen!“
Dieses Buch kommt zum absolut perfekt Zeitpunkt. Geschichtliche Parallelen zwischen Gegenwart und Weimarer Republik werden oft bemüht, doch erstmals seit Thomas Hüetlin wird eingeordnet, was da wirklich dran ist. Natürlich ist es keine vollständige Chronik der Weimarer Republik, doch hat diese Aufstellung und besonders die die vielseitige Einordnung das Zeug zum Standardwerk zu den viel zitierten Weimarer Verhältnissen. Eine herausragende Chronik, beleuchtet von verschiedenen Seiten und eine perfekte Einordnung der unzureichenden Vergleiche zur Gegenwart.
Ich rezensiere hier das Hörbuch - angenehm vorgelesen von Omid Paul Eftekhari.
Viel ist nicht dazu zu sagen, da es sich um ein Sachbuch handelt, welches Fakten zusammenfasst.
Mir hat es sehr gut gefallen, da man hier noch einmal einen detaillierten Überblick über die Weimarer Republik und die Vorgänge und Umstände erhält, die letztlich zur Machtübernahme durch die NSDAP und zum Zusammenbruch der ersten Deutschen Republik geführt haben.
Auf der einen Seite erkennt man natürlich (erschreckende) Parallelen zur aktuellen politischen Situation; andererseits wird sehr schön aufgezeigt, dass wir uns derzeit eben nicht in derselben gesellschaftlichen Lage befinden, wie damals. Dieser Umstand lässt hoffen und zeigt, wie stark doch die heutige Demokratie sein muss und man sich auf die Grundwerte der Republik berufen sollte und muss, um einer Wiederholung der Geschichte zu widerstehen - dies zeigt dieses (wie ich finde) hervorragende Buch.
Von mir 5/5 und eine Empfehlung an alle, denen wichtig ist, sich objektiv mit Geschichte auseinanderzusetzen.