Solide Genre-Kost mit hohem Suchtfaktor – aber zu viele Klischees und nichts, was wirklich neu wäre.
Klassische Office-Romance ohne Überraschungen Delilah ist eine talentierte junge Architektin, die alles in ihre Karriere und ihre langjährige Beziehung gesteckt hat. Als ihr Freund Paul sie ohne Vorwarnung verlässt, beschließt sie an einem Abend in einer Bar, das Beste daraus zu machen, und verbringt eine intensive Nacht mit dem charismatischen Cole. Beide gehen davon aus, sich nie wiederzusehen. Bis Delilah am nächsten Tag genau diesem Cole im Konferenzraum gegenübersteht – als Cole King, milliardenschwerer CEO und neuer Auftraggeber ihrer Architekturfirma. Was als One-Night-Stand begann, droht jetzt nicht nur ihre Karriere, sondern auch ihr Herz zu sprengen. Klassisches Forced-Proximity-Office-Romance-Setup mit Billionaire-Trope und einer großen Portion emotionaler Distanz auf Coles Seite. L. M. Dalgleish schreibt locker, modern und gut konsumierbar. Die Sätze sind klar, die Kapitel kurz, und der Wechsel zwischen Delilahs und Coles Perspektive sorgt für ordentlichen Lesefluss. Genau dafür ist dieses Genre gemacht, und genau das liefert Dalgleish ab. Sprachlich passiert allerdings nichts wirklich Erinnerungswürdiges. Es gibt keinen Satz, den ich mir markieren wollte, kein Bild, das mir nach dem Zuklappen geblieben wäre. Das ist solide BookTok-Romance, kein literarischer Anspruch – wer das weiß, wird abgeholt. Delilah ist sympathisch, fleißig, ehrgeizig, und genau das ist gleichzeitig ihre Schwäche. Sie ist mir an einigen Stellen zu perfekt: zu talentiert, zu diszipliniert, zu „strong female lead by the book“. Echte Ecken und Kanten, echte Widersprüche fehlen mir. Sie funktioniert als Figur, aber sie überrascht mich nie. Cole ist die klassische „Cold-Hearted-CEO“-Figur, die wir in dieser Form schon hundertmal gelesen haben. Reich, mächtig, emotional verschlossen, mit traumatischer Vergangenheit. Dalgleish gibt ihm einige nette Momente, in denen er aufweicht, aber wirklich neu fühlt er sich nicht an. Wer auf das Trope steht, wird zufrieden sein, wer Tiefe sucht, weniger. Die Nebenfiguren sind erfreulich gut gezeichnet. Delilahs Mitbewohnerin Alex, Coles Bruder Tate, Delilahs Mutter – vor allem Tate, dessen Geschichte in Band 2 erzählt wird, hat mich neugierig gemacht. Hier zeigt sich, dass Dalgleish durchaus Potenzial hat, Figuren mit Substanz zu schreiben. Das Tempo ist hoch, das Buch liest sich schnell weg. Die Wiedersehens-Szene am Konferenztisch ist gut inszeniert, die Spannung in den ersten Kapiteln funktioniert, und die Spice-Szenen sind passend dosiert für das Genre. Im Mittelteil zieht sich das Buch allerdings spürbar. Es passieren wenige neue Dinge, viel wird wiederholt, und der Konflikt zwischen Cole und Delilah dreht sich immer wieder im Kreis: Er macht zu, sie zieht sich zurück, sie kommen sich näher, er macht wieder zu. Wer Beziehungs-Dramatik dieser Art liebt, wird das genießen, mich hat es etwas ermüdet. Was das Buch gut bedient: alle Trope-Erwartungen. One-Night-Stand becomes Boss, Forced Proximity, Workplace Romance, Cold CEO mit weichem Kern, Slow-Burn-Annäherung mit eingebauten Spice-Szenen. Wer genau das sucht, wird satt. Was das Buch nicht liefert: irgendetwas, das sich frisch oder originell anfühlt. Die ganze Premise ist über die letzten Jahre schon dutzendfach in vergleichbarer Form geschrieben worden, und Dalgleish setzt nichts wirklich Neues drauf. Das macht „Cold King“ zu solider Genre-Ware – nicht mehr, nicht weniger. Hervorheben muss ich das Cover: edel gestaltet, mit dezenten goldenen Akzenten und einem dunklen Look, der gut ins Regal passt. Wer auf eine ästhetisch starke BookTok-Reihe-Optik steht, bekommt hier auf jeden Fall was geboten. Optisch klar überdurchschnittlich für das Genre. Mein Fazit: „Cold King“ ist solide Genre-Kost. Schnell zu lesen, gut zu konsumieren, mit allen Tropes, die man von einer Office Billionaire Romance erwartet. Wer das Genre liebt und sich nicht an Klischees stört, wird das Buch als Wohlfühl-Lektüre genießen können. Wer aber Originalität, vielschichtige Figuren oder einen Schreibstil mit Wiedererkennungswert sucht, sollte zu anderen Titeln greifen. Ich werde Band 2 trotzdem mitnehmen, weil mich Tate als Figur neugierig gemacht hat. Das ist immerhin ein gutes Zeichen. Empfehlenswert für Fans von Lauren Asher (Dirty Air), Ana Huang oder R.S. Grey. Für alle, die auf klassische Office/Billionaire-Tropes mit Cold-Hearted CEO, Forced Proximity und Spice stehen. Auch perfekt als Urlaubslektüre oder Lesepause zwischen anspruchsvolleren Titeln. Eher nichts für Leser:innen, die keine Klischees mögen, schon viele Office-Romances gelesen haben oder sich vielschichtige Hauptfiguren und einen literarisch besonderen Schreibstil wünschen.














































